Die Jugendfeuerwehren starten nun nach rund fünf Monaten Pause wieder mit den Übungen. Sowohl der Kreisentscheid als auch die kommunalen Wettbewerbe - hier ein Archivfoto vom Stadtpokal in Hungen - fallen 2020 hingegen aus. ARCHIVFOTO: PAD
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Die Jugendfeuerwehren starten nun nach rund fünf Monaten Pause wieder mit den Übungen. Sowohl der Kreisentscheid als auch die kommunalen Wettbewerbe - hier ein Archivfoto vom Stadtpokal in Hungen - fallen 2020 hingegen aus. ARCHIVFOTO: PAD

Covid-19

Corona: Bislang keine Austrittswelle bei Jugendfeuerwehren

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Seit Mitte März konnten die Jugendfeuerwehren nicht üben. Vielerorts im Landkreis Gießen macht man sich Sorgen, ob die Jugendlichen nun wieder zu den Übungen kommen.

Üben für den späteren Einsatzdienst, dazu Wettkämpfe, Zeltlager, Ausflüge und nicht zuletzt die Leistungsspange: Der Terminkalender einer Jugendfeuerwehr ist in der Regel gut gefüllt. Doch seit März ruhte auch im Landkreis Gießen coronabedingt der Übungsbetrieb - und das hat Folgen. Denn ein Hobby, das man nicht mehr ausüben darf, droht schnell uninteressant zu werden.

Vor wenigen Tagen berichtete etwa der Licher Bürgermeister Julien Neubert auf der Jahreshauptversammlung der "Bessinger Gurken": "Die Vereine leiden, egal ob Chor oder Feuerwehr. Bei den Jugendfeuerwehren springen mittlerweile Leute ab. Die Vereine haben es schwer, die Mitglieder zu halten."

Feuerwehr mehr Leidenschaft als Hobby

Weit weniger dramatisch schätzt Kreisjugendfeuerwehrwart Kai Hilberg die Lage ein, bislang gebe es keine Austrittswelle, sagt er: "Mir ist in der Hinsicht noch nicht viel bekannt geworden." Zudem ließe sich die Feuerwehr nur bedingt mit einem herkömmlichen Verein vergleichen. "Feuerwehr ist mehr Leidenschaft als Hobby", sagt Hilberg. "Da geht man nachts um drei Uhr in den Einsatz und um sechs Uhr morgens wieder arbeiten. Wer so motiviert ist, der kommt auch wieder."

Da die Jugendfeuerwehren keine Gebühren nehmen, würden viele ihren Austritt nicht mitteilen. "Die Leute kommen einfach nicht mehr", sagt Hilberg. Daher könne man erst einige Zeit nach der Wiederaufnahme des Übungsbetriebs sagen, ob die Covid19-Pandemie zu einem Mitgliederschwund führen werde. Im Herbst wolle man eine erste Bilanz ziehen.

Zwangspause seit Mitte März

Hingegen sei es prinzipiell kein Problem, auch in diesen Zeiten neue Mitglieder zu integrieren: Jugendlichen, die mitmachen wollen, seien überall willkommen, betont Hilberg. Bei den Minifeuerwehren gebe es in einigen Orten allerdings Wartelisten, da sich das Betreuerteam nur um eine gewisse Anzahl an Kindern kümmern könne.

Ab Mitte März mussten alle Abteilungen der Feuerwehren - egal ob Minifeuerwehr, Jugendfeuerwehr oder Einsatzabteilung - ihre Übungstermine absagen. Nachdem die Einsatzabteilungen jetzt wieder regelmäßig trainieren, erfolgt nun nach Ende der Sommerferien auch für die Jugendfeuerwehren der Neustart.

Dabei halte man sich an die Vorgaben der Hessischen Jugendfeuerwehr, sagt Hilberg. In dem vierseitigen Papier werden unter anderem Übungen an der frischen Luft favorisiert. Grüppchenbildungen vor und nach der Übung sollten vermieden werden. Zudem ist eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, wenn sich Mindestabstände nicht einhalten lassen. "Die Jugendwarte werden die Übungen so gestalten, dass man die Maske dabei tragen kann", sagt der Kreisjugendfeuerwehrwart.

Hygienekonzept vorgeschrieben

Damit die Jugendfeuerwehr wieder üben kann, muss zudem die Gemeinde ihre Hausaufgaben erledigt, also ein Hygienekonzept für das jeweilige Gerätehaus aufgestellt haben.

Bei den Jugendwarten im Landkreis liefen die Vorbereitungen für den Neustart des Übungsbetriebs bereits vor Wochen an, sagt Hilberg. Als besonderes Schmankerl hätten einige gar kleine Geschenke als Willkommensgruß nach der langen Pause vorbereitet.

Überhaupt war man auch in der Zwangspause kreativ. Viele Jugendwarte hätten sich in den vergangenen Monaten bemüht, mit den Kindern und Jugendlichen auf digitalem Weg in Kontakt zu bleiben, berichtet Hilberg. Teils wurden Online-Übungen angeboten. Covid-19 habe zumindest dazu beigetragen, digitale Angebote weiter auszubauen.

Hilberg hofft nun, dass die zweite Corona-Welle an Deutschland vorbeischwappt: "Ein zweiter Lockdown wäre für sämtliche Vereine ein Riesenschlag ins Gesicht." Zudem habe die Jugendfeuerwehr auch im Winter einige Termine, würden etwa im Januar in fast allen Orten im Landkreis die Weihnachtsbäume eingesammelt. Hilberg spricht aus, was sich viele wünschen: "Wir hoffen, dass wir ganz normal weitermachen können."

Zwei Randnotizen: Am 16. Juni vergangenen Jahres wurden das Mädchenteam aus Gonterskirchen und die gemischte Mannschaft aus Nonnenroth Kreismeister. Jetzt steht fest, dass sie diesen Titel noch ein Jahr länger innehaben werden. Der Kreisentscheid 2020 werde ersatzlos gestrichen, sagte Kreisjugendfeuerwehrwart Kai Hilberg. Im kommenden Jahr soll der Kreisentscheid 2021 ausgetragen werden. Auch sonst werde die Kreisjugendfeuerwehr 2020 keine Termine anbieten.

Eine gute Nachricht gibt es für alle Kinder und Jugendlichen, die dieses Jahr ein bestimmtes Feuerwehrabzeichen - etwa die Jugendflamme - ablegen wollten, da sie im nächsten Jahr die jeweils gültige Altersgrenze überschritten haben werden: Sie dürfen ausnahmsweise auch 2021 an den Prüfungen teilnehmen.

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