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Baukran auf der A485 bei Linden: Autobahnbrücke wird abgerissen

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Ein gewaltiger Kran reckt sich derzeit auf der Autobahn 485 in den Lindener Himmel. Tagsüber steht er still. Nachts wird mit seiner Hilfe die Brücke über die Bahnstrecke Gießen-Friedberg abgerissen.

Linden - Es sind rund 55 Tonnen Beton, Metall und Brückengeländer, die am frühen Mittwochmorgen durch den Lindener Nachthimmel schweben. Erst beim zweiten Hinsehen erkennt man, dass sie vom Seil eines Krans angehoben werden. Der Ausleger ragt rund 60 Meter in das Schwarz der Nacht, seine Spitze wird von roten Lichtern markiert. Mit großem Aufwand wird derzeit eine Brücke der Autobahn 485 abgerissen.

Wobei "abgerissen" eigentlich nicht das passende Wort ist. Demontage beschreibt es treffender. Die Brücke führte über die Bahnstrecke Gießen-Friedberg. Für einen konventionellen Abriss - egal ob mit Sprengung oder Bagger - müsste die Verbindung mehrere Tage gesperrt werden. Nicht nur für Bahnpendler, sondern auch den Bahnkonzern undenkbar.

Die Herausforderung für die Ingenieure und Bauarbeiter lautete daher, eine Brücke abzureißen, ohne dass etwas nach unten fällt. Die Lösung: Die Brücke wurde in mehrere Streifen zersägt und anschließend von einem Kran herausgehoben.

A485 bei Linden: Bahn verursacht Verspätung

Bereits in den vorausgegangenen Nächten war die Baustelle hell erleuchtet. Mit Seilsägen wurde die Brücke zerteilt. An der Oberseite wurden gewaltige Stahlträger auf den Beton montiert. Sie stabilisieren die Bauteile, damit der Kran sie herausheben kann. Jedes wiegt rund 50 Tonnen, den T-Träger nicht mitgerechnet. Um solch eine Last zu heben, kommt ein gewaltiger Spezialkran zum Einsatz, der bis zu 600 Tonnen heben kann. Sonst werden mit ihm Windkraftanlagen aufgebaut. Rund ein Dutzend Schwertransporte waren notwendig, um den Kran auf die Baustelle zu bringen.

Am frühen Mittwochmorgen soll es losgehen. Rund ein Dutzend Arbeiter stehen bereit. Die Stimmung ist gut, heißer Tee dampft in Pappbechern, es werden Scherze gemacht. Bauleiter Yasser Muhammad schaut auf die Uhr. Kurz nach eins. Das Zeitfenster ist eng. Nur zwischen 1.30 und 4 Uhr will die Bahn die Strecke sperren. Diese Sperrpause wurde bereits vor Monaten so abgestimmt. Die Arbeiten können aus Sicherheitsgründen zudem erst beginnen, wenn der Strom auf der Oberleitung abgeschaltet und diese geerdet ist.

A485 bei Linden: Letzter Güterzug 20 Minuten verspätet

Die Minuten verrinnen. Um kurz nach 1.30 Uhr kommt die Meldung: Die Bahn will noch zwei Güterzüge durchschicken. Wenig später rollen Güterwaggons Richtung Norden, um 1.50 Uhr tuckert dann ein Zug mit Kesselwagen voller Heizöl Richtung Süden. Die Verspätung der Züge sorgen auch für Verzögerungen bei der Baustelle.

Um zwei Uhr geht es endlich los, straffen sich die Seile des Krans. Das erste Teil hat es in sich: Denn an ihm hängen das Geländer und die sogenannte Brückenkappe - das, was ein Laie als Gehweg bezeichnen würde. Nur wenige Millimeter Luft hat der Kranführer, um das Teil herauszurangieren.

Der erste Versuch misslingt: Das Brückengeländer hat sich verklemmt. Der Kranführer setzt das Teil wieder ab. Schnell wird eine Flex herbeigeholt, trennen Bauarbeiter das Gitter durch. Im zweiten Anlauf dann läuft alles reibungslos. Langsam steigt das Segment in den Nachthimmel auf, schwebt über den angrenzenden Wald. Einige Meter entfernt wird es in der Baustelle abgesetzt. "Hier soll es später zerkleinert und abtransportiert werden", erklärt Muhammad. Sofort geht es mit dem nächsten Bauteil weiter. Auch in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wurde demontiert.

Bis Mitte 2020 soll an selber Stelle eine neue Brücke für die Autobahn 485 stehen. Bis dahin haben die Bauarbeiter noch einige Nachtschichten vor sich.

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