Zugverkehr

Autobahnbrücke bei Linden wird zersägt – Bahnverkehr ruht am 7. Juli

  • schließen
  • Patrick Dehnhardt
    schließen

Ab 7. Juli, 14 Uhr, rollt bei Linden für 23 Stunden kein Zug mehr. Ein riesiger Kran wird dann die alte Autobahnbrücke wegheben. Die Vorbereitungen für den Abriss laufen.

Diese Maschine könnte auch in einer Zaubershow der Ehrlich Brothers eine Hauptrolle spielen: 1,50 Meter Durchmesser hat das Blatt der Betonsäge. Es ist das Kleine. Das große Blatt mit 1,80 Metern Durchmesser wird gerade noch nicht gebraucht. Doch nicht etwa eine Jungfrau, sondern eine alte Autobahnbrücke wird hier bei Linden zersägt.

Die beiden Männer, welche die Maschine bedienen, sind keine Zauberer – und dennoch sehr wichtig dafür, dass die alte Brücke verschwindet. Sie sind Fachleute von einer Spezialfirma aus Sömmerda. Sonst schneiden sie Türen in Betonhochhäuser oder bohren Kabeltunnel durch teils meterdicken Beton. Hier in Linden rücken sie nun der alten Betonbrücke zu Leibe.

Oben wird gesägt, unten rollt der Zug

Warum reißt man die Brücke nicht einfach mit einem Bagger ab? Oder sprengt sie? Vom Material her würde das zwar gehen. Doch das Problem ist nicht die Brücke selbst, sondern die Bahnstrecke darunter: Weil hier rund alle drei Minuten ein Zug durchrollt, kann sie nicht tagelang gesperrt werden. Zunächst war sogar geplant worden, die Brücke ohne eine Zugpause zu entfernen. Nun gibt es wenigstens am 7. Juli ein Zeitfenster von 23 Stunden, in denen gearbeitet werden kann. Von Samstag, 14 Uhr, bis Sonntag (8. Juli), 13 Uhr, rollt hier dann kein Zug mehr. In dieser Zeit wird übrigens nicht nur in Linden an der Autobahnbrücke, sondern auch an anderen Stellen entlang der Strecke die Sperrung für Bauarbeiten genutzt.

Dieses Fenster wäre jedoch noch immer zu kurz, um die Brücke mit ihren 48 Metern Spannweite auf reguläre Weise abzubrechen und das Gleisbett wieder komplett aufzuräumen.

Brücke wird in 15 Scheiben zerteilt

Stattdessen soll der mittlere Teil der Brücke von einem gewaltigen Kran herausgehoben werden. Die Maschine kommt sonst beim Bau von Windrädern zum Einsatz. Karl-Wilhelm Nusch, der bei Hessenmobil zuständige Teamleiter für den Brückenabriss, schätzt, dass rund zehn bis zwölf Schwertransporte notwendig sein werden, um ihn nach Linden zu bringen.

Doch auch das Ungetüm kann die Brücke nicht am Stück herausheben. Darum wird sie in 15 Scheiben zersägt. Der Beton ist rund 80 Zentimeter dick – das wäre an einem Tag also nicht zu schaffen. Darum wird bereits jetzt begonnen, die Scheiben zu schneiden. Die Betonsäge durchtrennt dabei aber noch nicht die ganze Brücke. Derzeit wird erst ein rund 65 Zentimeter tiefer Schnitt gemacht. Die restlichen 15 Zentimeter werden aus Sicherheitsgründen erst am 7. Juli gesägt – dann kommt auch das 1,80 Meter große Sägeblatt zum Einsatz. Um die Brücke bis dahin zu stabilisieren, wird auf jede Scheibe ein großer Stahlträger montiert. An ihm lassen sich die Brückenteile auch leichter herausheben. Damit sie sich dabei nicht verhaken, sind die Schnitte zudem keilförmig.

Nur noch Hälfte der Spannweite

Am 7. Juli wird nur die Mitte der Brücke entfernt. Die Teile, die nicht über der Bahnstrecke liegen, werden ebenso wie die Widerlager in den Wochen danach abgerissen. Zeitgleich beginnt der Bau der neuen Widerlager.

Die neue Brücke wird direkt an die Bahnstrecke gebaut – die alte Brücke ließ wohl aus ästhetischen Gründen ein wenig mehr Abstand. "Der zunehmende Lkw-Verkehr setzt den Brücken zu", sagt Nusch. "Eine neue Brücke mit 48 Metern Spannweite würde wesentlich dicker werden." Da es nach unten zur Bahnstrecke keine Luft gibt, müsste hierfür die Autobahn auf mehreren Hundert Metern angehoben werden. Viel zu teuer. Stattdessen baut man hier pragmatisch – und spart so rund 26 Meter Brücke ein. Der Neubau wird nur noch 22 Meter Spannweite haben. Die Bahnreisenden werden den Verlust an Ästhetik wohl kaum bemerken.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare