Zu den ersten sechs Metzgern, die Fleisch via MeatApp verkaufen, gehört auch Katharina Koch von der Landfleischerei Koch aus Calden.
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Zu den ersten sechs Metzgern, die Fleisch via MeatApp verkaufen, gehört auch Katharina Koch von der Landfleischerei Koch aus Calden.

Start-up

Ahle Wurst bis an die Haustür: Start-up aus dem Kreis Gießen liefert frisch vom Metzger

  • VonStefan Schaal
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Hochwertiges Fleisch per Mausklick nach Hause bestellen: Das ist das Konzept eines Start-up aus Linden. »Wir haben uns bei einem Grillabend gefragt, warum die meisten heimischen Metzger keinen Onlineshop haben«, erklären die drei Jungunternehmer ihre Gründung von MeatApp. Würden sie auch vegane Alternativen vertreiben?

Linden – Ahle Wurst von einer der renommiertesten hessischen Landmetzgereien. Ochsenbäckchen vom Fleischsommelier in Betzdorf. 250 Gramm Striploin-Steak vom Wagyu-Rind für 99 Euro von der Metzgerei Freyberger in Nürnberg. Seit wenigen Wochen ist es möglich, hochwertiges Fleisch über das Online-Portal »MeatApp« zu bestellen, innerhalb von 24 Stunden soll es gekühlt geliefert werden. Drei Freunde haben das Start-up in Linden gegründet.

»Wir haben vor knapp zwei Jahren bei einem Grillabend zusammen gesessen«, erzählt Manuel Rühl. »Und wir haben uns gefragt: Warum haben die meisten heimischen Metzger keinen Onlineshop?« Bald darauf tüftelten sie an technischen Lösungen für ein Internetportal. Gleichzeitig stellten sie fest, was die höchste Hürde für ihre Geschäftsidee darstellt: die Metzger selbst. Handwerker, die viel Wert auf Tradition und persönlichen Kontakt mit ihren Kunden legen, die sich mit Internethandel und Marketing schwer tun. Eine eigene Welt, in der ein Handschlag viel zählt und ein Mausklick eher weniger. In der sich die Zahl der Fachbetriebe in Deutschland indes von 20 000 auf 10 000 in zwölf Jahren halbiert hat.

MeatApp aus Kreis Gießen: Online Verkäufe für Metzger einfach gestalten

»Viele Metzger wollen ein solches Angebot wie MeatApp erst mal gar nicht«, sagt Rühl. »Die haben keine Zeit dafür. Aber wir wollen deren Produkte.« Das Ziel der Unternehmensgründer sei daher, die Online-Verkäufe für die Metzger so einfach zu gestalten, »dass sie nicht drumherum kommen«.

Rühl und seine beiden Kollegen Wojtek Konieczny und Julian Bonn übernehmen die komplette Online-Abwicklung, kümmern sich um Zahlung und Versand sowie um Kundenkontakt und Reklamationen, sie stellen den Metzgereien auch die Verpackungen. »Bestellt ein Kunde über MeatApp Fleisch, kommt ein Paketbote automatisch bei den Betrieben vorbei.« Der Metzger müsse das Fleisch nur noch verpacken, zweimal im Monat erhalte er eine Gutschrift für die via Internet verkauften Produkte. »Wir machen es dem Metzger super einfach«, sagt Konieczny. Er und seine beiden Geschäftspartner verdienen an dem Portal, indem sie eine Provision von 20 Prozent des jeweiligen Bestellwerts erhalten.

Wer www.meatapp.de besucht, wundert sich zunächst, dass er auf der Seite nicht gezielt nach Fleisch wie Steaks oder Weißwürsten suchen kann. Stattdessen stehen aktuell sechs Metzgereien zur Auswahl, deren Angebote man einzeln durchstöbert. Wenn Kunden über das Onlineportal Ahle Wurst bei einem Metzger, Schinken bei einem anderen und letztlich bei fünf verschiedenen Betrieben einkaufen, »würden dann auch fünfmal Versandkosten anfallen«, sagt Rühl. »Das macht keiner.«

MeatApp aus Kreis Gießen liefert frisches Fleisch von Metzgern aus Hessen – Genuss statt billige Ware

Entscheidend für diesen Weg sei aber auch, dass man die Persönlichkeiten der Metzger und deren Höfe in den Vordergrund stellen wolle, Preisvergleiche wolle man vermeiden. »Menschen kaufen bei Menschen«, sagt Rühl. Überhaupt wolle man vor allem Qualität anbieten, betont Konieczny. »Uns geht es nicht darum, tonnenweise Fleisch durch die Republik zu fahren.« Das Portal richte sich an Menschen, »die nicht jeden Tag Fleisch schaufeln, sondern für die der Genuss zählt, die wie ich im Supermarkt ein schlechtes Gewissen beim Kauf von billiger Ware haben.«

Nur stellt sich die Frage, wie die Existenzgründer die versprochene Qualität auch garantieren wollen. Konieczny versichert, sie suchen die Metzgereien für das Portal nach längerer Überprüfung aus. »Wir fahren zu den Betrieben und zu deren Höfen. Bei uns kann man sicher sein, dass die Tiere, die dort verarbeitet werden, ein gutes Leben hatten.« Die Metzgereien seien zertifiziert, auch wenn es nicht in allen Fällen Biobetriebe sind. »Wir haben uns gut eingelesen«, sagt Konieczny. »Wenn wir das Qualitätsversprechen nicht halten, würde auch sehr schnell alles zusammenbrechen.« Rühl fügt hinzu, man habe bewusst sechs der renommiertesten Vertreter der Branche in das Portal aufgenommen. Katharina Koch aus Calden, »das Gesicht des Handwerks«, sei dabei, außerdem der Vorsitzende der Fleischsommeliers. »Die haben eher einen Ruf zu verlieren als wir, was Qualität und Tierwohl angeht.«

Noch keine Gießener Metzger bei MeatApp – Das soll sich ändern

Metzger aus dem Gießener Land wurden noch nicht in das Portal aufgenommen. Das soll sich in den kommenden Wochen ändern, kündigen die Existenzgründer an.

Könnten sich die Gründer von MeatApp auch vorstellen, vegane Alternativen zu Fleisch über ihr Portal zu vertreiben? Darüber müsse man diskutieren, sagt Konieczny. »Meine persönliche Meinung ist: Ja, das müssen wir machen.« Auch weil die ersten Betriebe beginnen, sich damit auseinanderzusetzen und er hochwertige vegane Alternativen kennengelernt habe. »Es gibt mittlerweile fleischfreie Metzgereien. Ich glaube, wir sollten den Trend bedienen.«

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