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Die Asphaltfräse hobelt die Fahrbahnoberfläche an der Brücke über die Landesstraße bei Großen-Linden ab.

Neubauten

A485 bei Linden: Halbzeit auf der Baustelle

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Der erste Teil des 30,6 Millionen Euro teuren Projekts auf der Autobahn 485 bei Linden ist abgeschlossen. Nachdem die Brücken in Richtung Süden erneuert sind, geht es nun an die Zwillingsbauwerke in Richtung Norden. Ein Ortstermin.

Sonnenstrahlen fallen durch den Spalt zwischen der alten und neuen Brücke bei Linden. Und dennoch ist es kein wirtlicher Ort, der Lärm ist ohrenbetäubend. Oben rauscht der Verkehr auf der Autobahn 485 in Richtung Gießen. Unten, auf der Bahnstrecke zwischen Gießen und Friedberg, rattert ein Güterzug vorbei - mehr als 30 Waggons, beladen mit Autos und Kesseln. Dagegen macht der kleine Bagger, der derzeit neben der Brücke bereits die Baugrube aushebt, nahezu liebliche Geräusche.

A485: 30,6 Millionen Euro teures Projekt

Auf der Autobahnbaustelle bei Linden hat sozusagen die zweite Halbzeit begonnen. Nachdem jeweils die Brücken über die Bahnlinie und die Landesstraße zwischen Großen-Linden und Kleinlinden in Fahrtrichtung Süden durch Neubauten ersetzt wurden, geht es nun an die Zwillingsbauwerke in Richtung Norden. Wobei Halbzeit nicht der richtige Begriff ist: Denn die zweite Hälfte soll erheblich kürzer werden. Seit März 2018 bis vor wenigen Wochen wurde am ersten Teil des 30,6 Millionen Euro teuren Projekts gebaut. "Wenn alles funktioniert, sind wir August 2020 mit der Bahnbrücke fertig", sagt Wilhelm Nusch, Teamleiter bei Hessen Mobil. Die neue Brücke über die Landesstraße soll sogar schon Anfang Juni fertig werden.

Die Asphaltfräse hobelt die Fahrbahnoberfläche an der Brücke über die Landesstraße bei Großen-Linden ab.

Damit dieser Zeitplan zu halten ist, legen sich die Bauarbeiter ins Zeug. Vergangene Woche wurde bereits die Fahrbahndecke auf der Brücke über die Landesstraße entfernt. Eine Asphaltfräse trug die obersten 25 Zentimeter ab. Das Material transportierte die Maschine auf bereitstehende Lastwagen. Es wird komplett wiederverwertet, erklärt Nusch: "Die Lkw bringen es ins Asphaltwerk. Dort wird es erhitzt, fehlendes Bitumen ersetzt, und dann kann es wieder als Fahrbahnbelag verwendet werden." Das ist nicht nur umweltfreundlich, sondern spart auch Kosten. Würde man die Brücke mit dem Asphalt abreißen, wäre die Entsorgung des Bauschutts aufwendiger und teurer.

A485: Auch Kampfmittelräumdienst eingebunden

Der Brückenabriss an dieser Stelle sollte relativ unkompliziert werden. Am Wochenende vom 11. bis 13. Oktober wird die Landesstraße gesperrt, das Bauwerk dann von mehreren Baggern und Bohrhämmern gleichzeitig zerlegt. Danach werden die Widerlager abgetragen und die Baugrube für die neuen Fundamente ausgehoben. Um hierbei keine bösen Überraschungen zu erleben, hat der Kampfmittelräumdienst das Areal bereits kontrolliert, erzählt Nusch: "Wir graben ein Loch. Da findet man im Gießener Raum manches."

Noch im Winter kann dann der Bau der neuen Brücke beginnen. Kühle Temperaturen machen dabei nichts aus. "Ein Viertelkubikmeter Beton friert einem Zuhause fest. Bei den großen Mengen, die wir verarbeiten, hilft uns aber die Hydratationswärme", erklärt Nusch. Dabei handelt es sich um die Wärme, die beim Abbinden des Betons entsteht. Auf die fertigen Widerlager werden per Krahn die Stahlträger aufgelegt, auf denen später Betonplatten und die Fahrbahn ruhen werden.

A485: Probleme mit Kreissäge

Komplizierter wird das Ganze beim Bau der Brücke über die Bahnstrecke. Ein Abriss an einem Wochenende ist hier nicht möglich, da die Gleise nicht so lange gesperrt werden können. Also muss die Brücke in Scheiben zerteilt und mit einem Krahn nach oben herausgehoben werden. Beim Abriss des Zwillingsbauwerks gab es dabei erhebliche Probleme, die Kreissäge blieb immer wieder in schräg verlaufenden Armierungseisen stecken. "Diese Erfahrung können wir aber jetzt berücksichtigen", sagt Nusch. Daher komme diesmal von Beginn an eine Seilsäge zum Einsatz.

Zwischen dem 25. November und 6. Dezember soll die Brücke dann stückweise herausgehoben werden. "Wenn das klappt, ist das doch ein echtes Nikolausgeschenk", sagt Nusch.

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