age_a485_8969a_270421_4c_1
+
Die Bauarbeiten auf der A 485 bei Linden sollen Mitte Mai abgeschlossen sein.

Baustelle

A485 bei Gießen: Autobahnbrücken werden mehrere Millionen Euro teurer als geplant

Seit mehr als drei Jahren ist die A485 zwischen Gießen und Linden eine Dauerbaustelle. Nun liegen die Arbeiten in den letzten Zügen. Zeit für eine erste Bilanz.

Gießen/Linden – Ein altes Sprichwort besagt: »Was lange währt, wird endlich gut.« Diese Weisheit trifft durchaus auch auf die Autobahn 485 zu. Der Abschnitt zwischen dem Gießener Südkreuz und dem Dreieck Bergwerkswald ist seit dreieinhalb Jahren Baustelle. Nun sind die Arbeiten auf der Zielgerade - und werden rund zehn Millionen Euro teurer als ursprünglich geplant. Die letzten Brückenbauarbeiten sind seit November 2020 beendet, sagte Anke Bruch von der Autobahn GmbH. Derzeit laufen die Arbeiten zum Rückbau der Baustellen-Verkehrsführung, bis 15. Mai sollen diese abgeschlossen sein.

Die Baustelle hat eine lange Geschichte: Bevor es überhaupt losgehen konnte, musste der Gießener Ring in Höhe Linden provisorisch verbreitert werden. Sonst wäre er zu schmal gewesen, um während der Bauzeit allen vier Fahrspuren Platz zu bieten.

A485 bei Gießen: Bahnbrücke wurde „Sorgenkind“

Im März 2018 begannen die Neubauarbeiten für die Brücke über die Landesstraße von Großen-Linden nach Kleinlinden und für die Brücke über die Bahnstrecke Gießen-Friedberg in Fahrtrichtung Süden. Ab Herbst 2019 wurden die Brückenzwillinge in Fahrtrichtung Norden durch Neubauten ersetzt.

»Sorgenkind« der Bauarbeiter wurde der Brückenzwilling über die Bahnstrecke Gießen-Friedberg in Fahrtrichtung Süden. Da die Oberleitung nicht beschädigt werden durfte, konnte die aus dem Jahr 1969 stammende Brücke nicht auf herkömmliche Weise abgerissen werden. Stattdessen musste sie längs in etwa 50 Zentimeter breite Streifen mit einer riesigen Kreissäge zerteilt und anschließend von einem leistungsstarken Kran Stück für Stück herausgehoben werden - so jedenfalls die Idee.

Klappte nur nicht: Die Kreissäge blieb immer wieder in kreuz und quer verlaufenden Armierungseisen stecken. Schließlich blieb den Bauarbeitern nichts anderes übrig, als eine langsamere Seilsäge zu verwenden - der ursprüngliche Zeitplan war dadurch nicht mehr zu halten.

Bauarbeiten auf der A845 bei Gießen: Verzögerungen durch Sperrpausen

Ein weiteres Problem war, dass die Brückenteile nur dann ausgehoben werden konnten, wenn kein Zug fuhr. Die Streckensperrungen mussten monatelang im Voraus beantragt werden, eine kurzfristige Verlängerung bei Verzögerungen war nicht möglich. Die kurzen, nächtlichen Arbeitszeitfenster wurden zudem mehrfach aufgrund von Zugverspätungen verschoben, sagte Bruch. Zuletzt wurde der Fahrbahnbelag auf 1,2 Kilometern erneuert. Zum Abschluss wird nun die provisorische Verbreiterung des Gießener Rings zurückgebaut. Zudem wird die Abbiegespur nach Linden in Fahrtrichtung Butzbach in ihren Ursprungszustand zurückversetzt.

Dass die Verzögerungen und aufwendigen Abbrucharbeiten das Projekt teurer machen würden, hatten bereits viele Lindener erwartet. Beim Start waren 28,8 Millionen Euro Baukosten geplant gewesen, im letzten Sommer rechneten die Straßenbauer auf Nachfrage dieser Zeitung mit 30,1 Millionen Euro Kosten. Nun legte die Autobahn GmbH eine Abschlussrechnung vor: Mit 38,9 Millionen Euro fällt diese 10,1 Millionen Euro höher aus als ursprünglich erwartet. Die nächste Großbaustelle ist derweil bereits absehbar: Zwei Jahre lang wird auf der A480 bei Gießen saniert. (keh)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare