Sein Holzwürfelsteckspiel hat der 88-jährige Friedrich von Fuchs aus Leihgestern als Gebrauchsmuster schützen lassen.
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Sein Holzwürfelsteckspiel hat der 88-jährige Friedrich von Fuchs aus Leihgestern als Gebrauchsmuster schützen lassen.

Erfindung

Große Pläne mit Spielzeug: 88-Jähriger lässt Erfindung schützen

  • vonLena Karber
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Im Alter von 88 Jahren hat Friedrich von Fuchs ein Holzwürfelsteckspiel gebaut und schützen lassen. Er hofft, dass der zweitgrößte Spielzeugkonzern der Welt damit in Produktion gehen will.

Mit bedächtigen Bewegungen holt Friedrich von Fuchs die 25 bunten Würfel aus der Verpackung, die er am Vortrag selbst aus Pappe zusammengebastelt hat, und legt los. »So kann man dann etwas bauen, etwa einen Turm oder eine Kirche«, erklärt er, während er die Würfel mithilfe von kleinen Holz-Pins zusammensteckt. Als er aufschaut, wirkt er stolz. Schließlich handelt es sich bei dem Holzsteckspiel um seine eigene Erfindung. Kürzlich hat er sie sogar erfolgreich beim Deutschen Patent- und Gebrauchsmusteramt (DPMA) schützen lassen. Denn der 88-Jährige aus Leihgestern hat mit dem Spiel noch große Pläne.

Entstanden ist die Idee für das Spiel zu Beginn des Jahres. Von Fuchs, der vor allem für seine Reineke-Fuchs-Sammlung bekannt ist, die mittlerweile im Museum in Bad Arolsen bestaunt werden kann, arbeitete an dem Holzspiel zunächst in der Reiskirchener Seniorenwerkstatt. Dort ist er einmal wöchentlich tätig. Wegen Corona musste er sein Werk dann ab März jedoch zu Hause fortführen.

Die vier mal vier Zentimeter großen Würfel, die er aus einer zwei Meter langen gehobelten Holzstange aus dem Baumarkt geschnitten hatte, versah der Rentner mit einem Sechsmilimeterbohrer an allen Seiten mit Löchern und färbte sie ein. »Mit verschiedenen Farben, damit es mehr Spaß macht«, erklärt er.

„Ich habe niemanden gehabt, der mir geholfen hat.“

Eine besondere Herausforderung stellte dann die Anmeldung beim DPMA dar. »Ich habe niemanden gehabt, der mir geholfen hat, keinen Patentanwalt und nichts«, berichtet von Fuchs und schlägt einen Ordner auf, in dem neben zahlreichen Formularen auch aufwendige Fachzeichnungen mit technischen Angaben zu finden sind, die er in München eingereicht hat. Mit Erfolg: Sein Spiel ist mittlerweile als Gebrauchsmuster eingetragen.

Das war für den gelernten Goldschmied, der immer wieder mit neuen kreativen Projekten - etwa mit Werken aus ausrangierten Drahtkleiderbügeln und Hasendraht - auf sich aufmerksam macht, wichtig. Schließlich ist er bereits auf der Suche nach einem Hersteller, der sein Holzwürfelsteckspiel produzieren und vertreiben will. Dazu hat er eine Liste mit Firmen erstellt, die in Frage kommen - anfragen möchte er sie jedoch nacheinander. »Ich möchte ja nicht mehrgleisig unterwegs sein«, erklärt er.

Die erste Anfrage hat der Senior bereits versendet. Sie ging in die USA, an Matell, und damit an den zweitgrößten Spielzeughersteller der Welt. Von Fuchs schmunzelt. »Ich will nicht zum Schmidtchen gehen, ich gehe gleich zum Schmidt«, sagt er.

Bei seinem Holzwürfelsteckspiel hat von Fuchs auch auf die Sicherheit geachtet und alle Kanten gründlich geschliffen. Schließlich soll das Spiel bereits für Kinder ab drei Jahren geeignet sein. Allerdings nicht nur: »Das Spiel ist auch für Senioren oder für Behindertenwerkstätten geeignet«, sagt von Fuchs und erklärt: »Es ist nicht kompliziert und funktioniert auch mit zitternden Händen.« Dann räumt der 88-Jährige die Würfel konzentriert und mit ruhiger Hand zurück in den selbstgebauten Karton.

Was ist ein Gebrachsmuster?

Bei einem Gebrauchsmuster handelt es sich nach Angaben des Deutschen Patent- und Markenamts um ein »ungeprüftes Schutzrecht«. Da Neuheit, erfinderischer Schritt und gewerbliche Anwendbarkeit nicht im Vorfeld der Eintragung, sondern nur im Falle eines Löschungs- oder Verletzungsverfahrens nachträglich geprüft werden, ist es einfacher, schneller und kostengünstiger zu erlangen als ein Patentschutz. Zudem kann ein Gebrauchsmuster maximal zehn Jahre lang aufrechterhalten werden, ein Patent hingegen zwanzig Jahre.

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