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Autobahnbaustelle

Bis Ende des Jahres in Linden alle Brücken (fast) fertig

  • Patrick Dehnhardt
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Seit März 2018 werden bei Linden vier Brücken für die Autobahn 485 neu gebaut - und das während des laufenden Straßen- und Bahnverkehrs. Nun ist das Ende der Baustelle in Sicht.

Unter der Brücke ist es ruhig geworden. Im Schatten sind zwei Bauarbeiter dabei, Randsteine zu setzen. Ein paar Meter weiter steigt ein Arbeiter mittels Hubarbeitsbühne an der Seitenwand der Widerlager hoch. Mit dem Spachtel kratzt er überstehende Betonreste ab. Direkt neben ihm leuchtet in der Wand eine Jahreszahl: 2020 - das Fertigstellungsdatum der Brücke.

Bei Linden sind die Bauarbeiten an vier neuen Brücken für die Autobahn 485 auf der Zielgeraden. Zunächst wurden die Brücken in Fahrtrichtung Süden, dann deren Zwillinge in Fahrtrichtung Norden durch Neubauten ersetzt.

Im Moment sind Dutzende Arbeiter damit beschäftigt, die Brücke über die Landesstraße fertigzustellen. Die Brückenkappen werden gegossen, die Übergangskonstruktionen zwischen Brücke und Widerlager eingebaut, die Asphaltierungsarbeiten vorbereitet. Es herrscht ein großes Gewimmel.

Herr darüber ist Bauleiter Mario Schäfer. Der Neubau der Brücken sei eine anspruchsvolle Aufgabe gewesen, erklärt er. "Es sind kleine Bauwerke, daher auch die Baufelder klein." Zudem habe es einen engen Zeitplan gegeben. Während der Abriss und Neubau des Brückenzwillings über die Landesstraße recht unkompliziert vonstatten ging, sei es eine Herausforderung, eine Brücke über einer Bahnlinie abzureißen und neu zu bauen, die immer nur kurzzeitig gesperrt werden konnte.

Eine weitere Herausforderung war der Verkehr. Zwar ist es in über zweieinhalb Jahren Bauzeit zu keinen nennenswerten Verkehrsunfällen gekommen. Jedoch habe das Verhalten mancher Verkehrsteilnehmer die Bauarbeiter verzweifeln lassen.

Als etwa die Landesstraße zwischen Großen-Linden und Kleinlinden zur Einbahnstraße wurde, hätten zu Beginn immer wieder Autofahrer versucht, gegen die Fahrtrichtung die Baustelle zu passieren. Wenn ein Bauarbeiter einen Geisterfahrer stoppte, wurde er nicht selten beschimpft.

Auch das in der Baustelle auf der Landesstraße geltende Tempolimit von 30 km/h hätten nicht alle Fahrer eingehalten. Teils seien Laster mit 80 km/h nur einen Meter hinter den Bauarbeitern durchgeschossen. "Das war für unsere Mitarbeiter nicht angenehm", findet Schäfer moderate Worte. Probleme hätten auch Radler und Fußgänger gemacht, die alle Absperrungen ignoriert und mitten durch die Baustelle gefallen seien.

Wilhelm Nusch, Teamleiter bei der Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil, kennt das Problem. "Die Verkehrsteilnehmer sollten sich in die Lage derer versetzen, die da arbeitet", fordert er zu einem Perspektivwechsel auf. Wenn es durch eine Baustelle zu einem Stau komme, müsse nicht gleich geschimpft werden - schließlich profitieren alle davon. "Nur sonntags wird sich gefreut, dass auch am Wochenende geschafft wird."

Doch die Arbeiten neigen sich dem Ende entgegen. Zuerst wird es auf der Landesstraße zwischen Großen-Linden und Kleinlinden wieder freie Fahrt geben. Dort werden derzeit noch die Gehwege und die Entwässerung erneuert, weshalb die Landes- derzeit eine Einbahnstraße ist.

In der Zeit vom 22. bis 26. Oktober wird die Straße letztmals komplett gesperrt. Dann wird die Fahrbahn neu asphaltiert. Der alte Belag war schon vor den Bauarbeiten von Spurrillen und Rissen gezeichnet, die schweren Baumaschinen haben das nicht besser gemacht. "Wir müssen den Ursprungszustand wiederherstellen", sagt Nusch. Zum Glück bedeutet es in diesem Fall nicht, dass jemand mit der Spitzhacke über die neue Fahrbahn laufen und die alten Schlaglöcher wieder hineinhauen muss.

Bei der Autobahn selbst muss hingegen wieder ein Stück abgerissen werden. Die Fahrbahnen des Gießener Rings sind nach dem heutigen Sicherheitsmaßstab eigentlich zu schmal. Damit während der Brückenbauarbeiten alle vier Fahrspuren - zwei in Richtung Norden, zwei in Richtung Süden - auf einer Fahrbahnseite Platz finden konnten, mussten der Mittelstreifen asphaltiert und neben dem Seitenstreifen noch ein gutes Stück an die Autobahn angebaut werden.

Diese Erweiterungen müssen nun wieder weg. "Ansonsten hätte ein Ausbau geplant werden müssen", erklärt Nusch die Rechtslage. Zudem gibt es auch einen pragmatischen Grund: "Die vorhandene Entwässerung schafft die auf der breiten Fahrbahn anfallenden Wassermassen nicht." Bis Frühling 2021 werden sie zurückgebaut.

Sobald die jetzigen Arbeiten an der Brücke über die Landesstraße fertig sind, bekommt die Autobahn im Bereich der Baustelle in Fahrtrichtung Norden noch eine neue Asphaltdecke. Danach kann der Verkehr wieder auf seiner jeweiligen Fahrbahnseite rollen - was voraussichtlich Ende dieses Jahres der Fall sein wird.

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