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Oktay Eser (l.) wird von Polizeipräsident Bernd Paul ausgezeichnet. FOTO: CSK

Enkeltrick

So ließ ein Hüttenberger Taxifahrer Enkeltrick-Betrüger auffliegen

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Oktay Eser ist Taxifahrer. Was er am 15. Februar erlebte, waren anderhalb fast schon filmreife Stunden. Am Ende klickten die Handschellen. Und Eser wurde nun für seinen Einsatz nun geehrt.

Erst klingelt das Telefon, dann klicken die Handschellen. Dazwischen liegen anderthalb fast schon filmreife Stunden. Täglich jede Menge Anrufe zu erhalten, das gehört für Oktay Eser zu seinem Job. Denn der 58-Jährige ist Taxifahrer bei einem Wetzlarer Unternehmen. Was ein vermeintlicher Kunde am 15. Februar von ihm verlangte, machte Eser aber ziemlich schnell stutzig. In Rechtenbach solle er ein dringend benötigtes Päckchen bei einem älteren Mann abholen, um es in Gießen wenig später der Tochter des Absenders persönlich zu übergeben, erklärte der Anrufer.

"Das sind einige der schäbigsten Straftaten", sagt Polizeipräsident Bernd Paul, als er Eser dieser Tage bei einer Feierstunde im Polizeipräsidium Mittelhessen für seine Zivilcourage ehrt. In dem Paket waren nämlich nicht etwa staubige Akten oder harmlose Dokumente, wie Eser zunächst vermutete. Sondern 10 000 Euro in bar. Das heißt: Die stolze Summe hätte darin sein sollen. Denn der 83-jährige Absender hatte tags zuvor einen mysteriösen Anruf erhalten. Am anderen Ende der Leitung gab sich ein Betrüger als enger Verwandter aus und klagte über eine finanzielle Notlage. So wollte er Bargeld von dem Senior ergaunern. Ein Taxifahrer hole das Geld ab und überbringe es ihm, dem Pseudo-Verwandten.

Vermeintliche Tochter wartet

Nach Rücksprache mit einem Freund hatte der ältere Herr jedoch rasch erkannt, dass er gerade im Begriff war, Opfer des sogenannten Enkeltricks zu werden. Noch am selben Abend informierte er die Polizei - und die stellte dem Täter eine Falle. Kaum hatte Eser den Auftrag des Betrügers bekommen, meldeten sich deshalb auch schon die Ermittler. "Fahren Sie langsam", habe eine Polizistin ihn mehrfach telefonisch angewiesen, erinnert sich der 58-Jährige, dem der Täter während der Fahrt den Übergabeort mitgeteilt hatte. Im Schiffenberger Tal, unweit einer Fast-Food-Filiale, warte die "Tochter" des Rentners bereits auf das Paket.

Wie fühlt sich das eigentlich an, eben noch normal seiner Arbeit nachgegangen zu sein und jetzt abwechselnd die Polizei und einen Kriminellen in der Leitung zu haben? Nur einmal sei es wirklich etwas brenzlig geworden, antwortet Eser. Der Trickbetrüger hatte gemerkt, dass das Telefon im Taxi während der vermeintlichen Kurierfahrt eine Zeit lang besetzt gewesen war. "Ich bekomme halt immer wieder Anrufe aus der Zentrale", habe er geantwortet, sagt Eser. Man ahnt, wie ruhig und überzeugend das geklungen haben muss.

Dann klickten die Handschellen

Jedenfalls schöpfte der Täter keinen Verdacht. Bis die Handschellen klickten. Zivilfahnder und Streifenpolizisten nahmen am Übergabeort eine 27-jährige Frau und einen 33-jährigen Mann fest. So sahen bei diesem Enkeltrick-Betrug am Ende nur die Täter alt aus. Seither habe er keinen Kontakt mehr zu Polizei oder Staatsanwaltschaft gehabt und auch bisher nicht als Zeuge ausgesagt, berichtet Eser.

Als Dank für seinen Einsatz gegen die Kriminalität zählt er zu den 13 Personen aus der gesamten Region, die bei der Feierstunde ausgezeichnet werden.

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