Die Vogelsbergbahn steht in der Kritik: Weil die Züge so unpünktlich sind, fordert die Reiskirchener Gemeindevertretung nun zusätzliche Busverbindungen. ARCHIVFOTO: JOL
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Die Vogelsbergbahn steht in der Kritik: Weil die Züge so unpünktlich sind, fordert die Reiskirchener Gemeindevertretung nun zusätzliche Busverbindungen. ARCHIVFOTO: JOL

Lieber Bus statt Bahn

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Saasen hat einen Bahnhof: Aber die Vogelsbergbahn ist so unzuverlässig, dass die Gemeindevertretung nun eine direkte Busverbindung zur Theo-Koch-Schule in Grünberg fordert.

Abfahrt 7.22 Uhr mit dem Zug in Saasen, Ankunft 7.28 Uhr am Grünberger Bahnhof. Von dort um 7.32 Uhr mit dem Bus weiter zur Theo-Koch-Schule. Ankunft dort um 7.40 Uhr und damit pünktlich zur ersten Stunde. Das ist die Theorie. Die Praxis sieht anders aus, wie Manfred Schmitt, der Ortsvorsteher von Saasen, weiß.

Wenn die Vogelsbergbahn Verspätung hat - und das hat sie öfter - haut die Verbindung nicht hin. Dann muss das Eltern- oder Großeltern-Taxi einspringen, um die Kinder nach Grünberg zu kutschieren. Oder die Schüler müssen zu Fuß vom Grünberger Bahnhof den halbstündigen Marsch zur TKS antreten, im Winter bei Dunkelheit, Nässe und Kälte.

"Die Eltern sind ständig in Sorge, ob ihre Kinder in der Schule ankommen", sagt SPD-Mann Schmitt. Damit die Schüler nicht weiter auf die Vogelsbergbahn angewiesen sind, plädieren er und seine Fraktion für einen Bus, der morgens von Saasen direkt zur Theo-Koch-Schule fährt.

Nicht nur in Saasen gibt es Probleme mit dem ÖPNV. Schmitts Ortsvorsteher-Kollegen aus Lindenstruth, Gerhard Albach von den Freien Wählern, ist ebenfalls unzufrieden mit der Situation. Auch er wünscht sich für die Schüler aus seinem Dorf eine bessere Anbindung an die Theo-Koch-Schule. Die momentane Verbindung nennt er "dürftig", eine bessere Taktung bereits zum kommenden Schuljahr sei dringend nötig.

FW wollen bessere Taktung der Busse

Diese Forderung war Teil eines Dringlichkeitsantrags, den die FW am Mittwoch in die Gemeindevertretung einbrachte und der einstimmig verabschiedet wurde. Der Gemeindevorstand soll nun mit den zuständigen Verkehrsträgern prüfen, wie bessere Busverbindungen für alle Ortsteile erreicht werden können. Insbesondere soll er sich in Gesprächen mit dem Kreis als Schulträger schon ab dem Schuljahr 2021/22 für eine bessere Anbindung von Reiskirchen, Lindenstruth und Saasen an die Theo-Koch-Schule einsetzen.

Der Vorstoß der Freien Wähler zielt insgesamt auf eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs für alle Ortsteile der Großgemeinde ab. Es geht um Verbindungen nach Gießen, Grünberg und Großen-Buseck, aber auch in die Kerngemeinde selbst. Fraktionsvorsitzender Albach legte in der Begründung des FW-Antrags seinen Fokus auf die Situation in Lindenstruth. Die Fahrplanänderung vom Dezember 2011 habe für den Ort gravierende Nachteile mit sich gebracht.

Albach vermisst nicht nur eine bessere Taktung der Busse Richtung Grünberg, sondern auch eine direkte Verbindung nach Großen-Buseck. Die nämlich gibt es gar nicht mehr. Man muss mit dem Bus wahlweise nach Reiskirchen oder nach Saasen fahren und dort in den Zug nach Buseck umsteigen. Für die sieben Kilometer lange Strecke braucht man, je nach Wartezeit beim Umsteigen, gut eine halbe oder auch mehr als eine ganze Stunde. "Es gibt viele Ältere, die in Buseck ihren Arzt oder Optiker haben. Sie können diesen umständlichen Weg nicht bewältigen", moniert Albach.

Einen ähnlichen Antrag wie den jetzt einstimmig verabschiedeten hatten die Freien Wähler bereits zu Jahresbeginn gestellt. Er wurde damals jedoch nicht verabschiedet, sondern zur Beratung in den Fachausschuss verwiesen. Verbesserungsvorschläge seien dort leider nicht vorgebracht worden, bedauert Albach. "Vier Monate wurden so untätig vertan."

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