+

Lichtblicke im Vereinsleben

  • vonPatrick Dehnhardt
    schließen

2020 war für die meisten Vereine ein hartes Jahr. Jedoch gab es nicht überall Stillstand: Es wurden kreative Lösungen für Veranstaltungen gesucht, mancher Verein hat nach diesem Jahr sogar mehr Helfer oder eine neue Abteilung.

Vereinsleben im Jahr 2020? Das ist seit März vielerorts unmöglich. Egal ob beim Sportverein oder den Kaninchenzüchtern, Sängern oder Tanzclubs - die klassischen Angebote mussten allesamt ausfallen. Bei einigen Gruppen, etwa manchen Chören, ist die Frage, ob sie nach der Pandemie überhaupt wieder an den Start gehen können. Alles nur negativ? Zum Glück nicht. Es gibt auch Gegenbeispiele von Vereinen, bei denen sich trotz oder auch wegen Corona etwas bewegt hat.

Einer davon ist der TSV Oberkleen. Dort wurde im Sommer eine neue Abteilung gegründet: die "Bergsportfreunde". Der Verein hatte zuvor die Oberkleener befragt, welche Sportangebote sie sich wünschen, sagt Julien Reusch, der für die neue Abteilung verantwortlich ist. Dabei wurde häufig Wandern genannt. Der Wunsch wurde aufgegriffen, mit weiteren Bergsportangeboten wie Klettern und Skifahren kombiniert.

"Am 6. September war es soweit, zum ersten Mal hatten die Bergsportfreunde Kleebachtal zum "Wandern im TSV" eingeladen", erinnert sich Reusch. Das Angebot wurde sehr gut angenommen, 44 Wanderer waren bei der Premiere mit dabei. Zudem war es ein Angebot, was alle Altersgruppen erreichte, die Teilnehmer waren zwischen einemJahr und 75 Jahren alt.

Höhepunkt 2020 war der "Gewaltmarsch" vor wenigen Wochen: 44 Kilometer wurden vom Feldberg nach Oberkleen gewandert. Zehn Stunden hat das gedauert, die Teilnehmer waren danach zwar müde, aber glücklich, berichtet Reusch. 2021 soll es nach Ende des Lockdowns wieder Wandertermine geben, auch Fahrten in die Berge sind in Vorbereitung.

In Bellersheim stand der TSV vor der Frage, ob und wie man das 90-jährige Bestehen des Vereins feiern kann. "Das wurde im Vorstand kritisch diskutiert", sagt Hans-Otto Schäfer. Letztlich plante der Verein ein Fest unter besonderen Vorzeichen: "Während viele andere Sport- oder Kulturveranstaltungen in diesem Jahr ausgefallen sind oder ins Jahr 2021 verschoben wurden, wollten wir ein Zeichen setzen."

Der Festakt fand Openair auf dem Sportplatz statt, zwischen jedem Besucherplatz lagen mehrere Meter Abstand. "Bereits während der Veranstaltung, aber auch danach haben wir viele positive Rückmeldungen von Besuchern, anderen Vereinen des Dorfes, von Vereinsmitgliedern oder auch von offizieller Seite erhalten", sagt Schäfer. Der Verein habe zeigen können, welches kreative Potenzial in ihm steckt. "Das zeigt, was in der ehrenamtlichen Vereinsgemeinschaft möglich ist und was unbedingt erhalten bleiben muss."

Für den Villinger Obst- und Gartenbauverein brachte 2020 ebenfalls einen Höhepunkt: Bei der Apfelversteigerung im Herbst gab es so viele Teilnehmer wie schon lange nicht mehr. Da liegt die Vermutung nahe, dass mehr Menschen die freie Zeit genutzt haben, um selbst Obst zu ernten.

"Die Pandemie kann da eine Nebenrolle gespielt haben", sagt Ottmar Schad. "Ich denke aber, dass es sich auch um einen Trend zum naturbelassenen Obst handeln könnte." Der Verein konnte sich zudem über zwei neue Helfer freuen, die nun die Arbeit tatkräftig unterstützen.

Während die Obstbauern im Sommer dank niedriger Coronazahlen sehr viel machen konnten, ist es für die Karnevalisten ein harter Winter: Umzüge, Sitzungen oder nur das Training von Gardetanzgruppen sind nicht möglich. Doch es gibt Lichtblicke.

Beim Karnevalverein Harmonien Linden etwa wurde aus der Not eine Tugend gemacht: Erstmals gab es den Kampagnenauftakt online. Über eine Stunde lang wurde ein Programm gesendet, gemischt aus Live-Elementen und verschiedenen Einspielerfilmchen. Die Resonanz überraschte selbst die Organisatoren. "Das ist sehr gut angenommen worden", sagt Sitzungspräsident Stefan Jung. "Es waren mehr Zuschauer, als wir uns erhofft haben."

Über 70 Computer und Smartphones waren eingeloggt, teilweise saßen ganze Familien verkleidet im heimischen Wohnzimmer und feierten vor der Webcam den Fasching. "Jede Sitzung, jede Kampagne steht und fällt mit dem Publikum, das mitmacht", sagt Jung. Dass ein Großteil die Webcam anhatten, sorgte darum für ordentlich Stimmung.

Beim Karnevalverein Harmonien laufen nun die Vorbereitungen für den nächsten närrischen Online-Termin: Am Faschingswochenende soll es wieder ein Programm geben. Jung sieht darin einen wichtigen Weg, damit der Verein die Pandemiejahre übersteht: "Präsenzveranstaltungen gehen auch im Frühjahr 2021 nicht. Wir müssen den Mitgliedern aber etwas bieten, damit sie den Verein nicht aus den Augen verlieren."

Das Vereinsleben nicht ganz verkümmern zu lassen, sei dabei nicht nur eine Aufgabe für die Karnevalisten, sondern alle Vereine. Denn wenn es einmal über Monate hinweg eingeschlafen ist, wird es kompliziert. Jung sagt: "Etwas wiederzubeleben, was tot ist, ist zehn Mal schwerer."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare