Licher Schüler senden live

  • VonChristina Jung
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Texten, schneiden, moderieren und live senden – acht Schüler der DBS Lich haben die Möglichkeit, das zu lernen. Mithilfe von professionellem Equipment produzieren sie eigene Sendungen, die auf dem Schulhof zu hören sein werden. Heute geht die erste Produktion live »on air«.

Hey Madlen, bist du heute gut aus dem Bett gekommen? Klar, antwortet die Befragte und schickt auf die folgenden Fragen gleich noch hinterher, was sie als neu gewählte Sprecherin der Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS) als erstes vorhat, welche Rolle Sport in ihrem Leben spielt oder was sie mit auf eine einsame Insel nehmen würde. Zu hören ist der Beitrag auf dem Schulhof. Es ist die erste Livesendung von »bonni.fm«, dem neuen Schulradio. Sieben Mädchen und ein Junge gehen ab heute alle zwei Wochen freitags in der ersten großen Pause auf Sendung, die Beiträge bereiten sie im Rahmen des Wahlpflichtkurses »Schulradio an der DBS – Projekt school.fm« vor. In den vergangenen drei Tagen lernten sie unter professioneller Anleitung zu recherchieren, texten, schneiden, moderieren, senden.

Die Licher ist eine von insgesamt sechs hessischen Schulen, die für die Teilnahme am Schulradiowettbewerb »school.fm« ausgewählt wurde. Die erste im Landkreis Gießen. Ein Jahr lang produzieren die acht Schüler, betreut von den Lehrkräften Dominic Tamme und Sebastian Block, ihre eigenen Sendungen. Mithilfe von professionellem Equipment, denn die notwendige Hard- und Software wird vom Hessischen Rundfunk zur Verfügung gestellt, der das Projekt im Rahmen des Netzwerkes Rundfunk und Schule gemeinsam mit dem Kultusministerium zum dritten Mal durchführt.

»Versuch mal, den Satz etwas pointierter zu fassen.« Die 14-jährige Nele ist gerade dabei, die Fragen für ein Interview zusammenzustellen. Tipps dazu gibt es von Ariane Wick. Seit 20 Jahren ist sie Moderatorin bei HR3. Im Rahmen von school.fm gibt sie ihr Wissen an die jungen Radio-Macher weiter. »Ich zeige ihnen, wie Radio funktioniert, berichte aus der Praxis. Eben, wie wir hinter den Kulissen arbeiten«, so die Expertin. Neben journalistischem Handwerkszeug vermittelte sie den 14- bis 16-Jährigen auch den korrekten Umgang mit der Technik.

Zunächst wurden unterschiedliche Beitragsformen erläutert, eine Redaktionskonferenz abgehalten, Inhalte für die erste Sendung ausgewählt, diese geplant und strukturiert. Und dann ging es ans Eingemachte, also das praktische Arbeiten: Interviews wurden geführt, Umfragen gemacht, Musikstücke ausgewählt, Anmoderationen getextet, am Laptop alles geschnitten und schließlich zu einer Sendung zusammengeführt. Die erste, wie gesagt. In dieser erfahren die Zuhörer, wer genau sich hinter »bonni.fm« verbirgt, was Lehrer und Schüler von den zahlreichen Durchsagen im Haus halten, wer die neue Schulsprecherin ist und was Direktor Peter Blasini zum Thema Radio zu sagen hat. Dazwischen läuft Musik.

Die Inhalte stellt die Gruppe selbst zusammen, nimmt über Instagram aber auch Wünsche und Anregungen von Mitschülern entgegen. Wick: »Die Schüler können ganz kreativ sein. Sie machen wirklich ihre eigene Sendung.« Allerdings bedeutet das auch, dass sie sich über die beiden Unterrichtsstunden pro Woche hinaus engagieren müssen, denn in zwei Schulstunden ist die umfangreiche Arbeit nicht zu schaffen.

Den Jugendlichen macht das offenbar nichts aus. Im Gegenteil: Sie sind begeistert bei der Sache. Alle hören in ihrer Freizeit Radio. Ob morgens vor der Schule oder am Nachmittag beim Hausaufgaben machen oder Lesen. Wegen der Musik und der guten Beiträge, sagt Tabita. »Außerdem werden da immer die neuesten Klamottentrends und Apps vorgestellt, und es gibt Kinotipps.« Jetzt zu erfahren, wie all das entsteht, findet die 15-Jährige toll. Vor allem deshalb, weil sie vielleicht selbst einmal etwas mit Journalismus machen will. Ähnlich geht es auch Sophia. »Man hört ja immer irgendwo Radio, aber wie es gemacht wird, weiß man nicht. Deshalb hat mich der Kurs total interessiert«, erklärt die 14-Jährige, die zur Chefin vom Dienst auserkoren wurde. So wie sie hat jeder im Team seine Rolle gefunden. Es gibt die Moderatorin, den Techniker, die Musikredakteurin und das Redaktionsteam.

Ziel von »school.fm« ist es, dass die Schulen auch über den Projektzeitraum hinaus Radio machen, sagt Wick. Und am Ende winkt vielleicht sogar ein toller Preis, denn die teilnehmenden Schulen bewerben sich mit einer ihrer Sendungen beim »school.fm«-Wettbewerb. Auszeichnungen gibt es etwa für die beste Moderation oder Redaktion. Ab auch das beste Schulradio wird gewählt. Der Sieger wird weiterhin mit dem vollständigem Radio-Equipment ausgestattet.

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