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Rund 500 Menschen kommen in den Bürgerpark, um sich die Positionen der drei Kandidaten anzuhören. Einige stellen selbst Fragen.

Lich hat die Wahl

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Soll Lich weiter wachsen? Wie könnte eine Lösung für das städtische Verkehrsproblem aussehen? Und wie stehen Peter Blasini, Christian Knoll und Julien Neubert eigentlich zur Langsdorfer Höhe? Antworten gaben die drei Bürgermeisterkandidaten bei einer Podiumsdiskussion dieser Zeitung.

Leicht bedeckter Himmel. Angenehme 20 Grad. Dazu eine sanfte Brise. Ideale Bedingungen für eine Veranstaltung im Freien. Doch die Witterung war es nicht, die rund 500 Menschen am Sonntagvormittag in den Licher Bürgerpark zog. Die Gießener Allgemeine Zeitung und das Licher Wochenblatt hatten anlässlich der Bürgermeisterwahl zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Um den Lichern Orientierung zu geben, wofür die drei Kandidaten Peter Blasini (parteilos), Christian Knoll (CDU) und Dr. Julien Neubert (SPD) stehen. Zweieinhalb Stunden lang fühlten ihnen die Moderatoren Ulla Sommerlad und Burkhard Bräuning sowie die Zuhörer auf den Zahn. Dabei ging es nicht nur um die derzeit viel diskutierte Langsdorfer Höhe (siehe Bericht unten), sondern unter anderem auch um die Positionen der Bewerber in Sachen Verkehr, Siedlungsentwicklung oder Straßenbeiträge.

Was Letztere betrifft, sind die Herren unterschiedlicher Auffassung. Während Neubert und Knoll die maßnahmenbezogene Erhebung beibehalten wollen, weil es die gerechteste (Knoll) beziehungsweise verträglichste (Neubert) Lösung sei, will Blasini alle gleichermaßen zur Kasse bitten, Stichwort: Solidargemeinschaft. "Die Straßen werden von allen genutzt, dann müssen die Kosten auch alle gemeinsam übernehmen."

Von den Kosten zur Benutzung: In Lich ist der Verkehr seit Jahren ein Dauerbrenner. Doch wie die Problematik, insbesondere zu Stoßzeiten, lösen? "Ich will mehr Menschen von vier auf zwei Räder bringen", erklärte Blasini, der sich außerdem für eine verstärkte Nutzung des ÖPNV und einen zweiten Bahnhaltepunkt aussprach. Für alternative Mobilitäten sind auch Neubert und Knoll. Der Sozialdemokrat verspricht sich in diesem Zusammenhang viel vom gerade entstehenden Verkehrskonzept, auch im Dialog mit den Bürgern. Knoll sicherte zu, als Verwaltungschef erstmal die notwendigen Abstellmöglichkeiten für Fahrräder zu schaffen.

Ein weiteres wichtiges Thema: die Siedlungsentwicklung. Stehen die Bewerber für neue Baugebiete oder eher ein Ende des Wachstums? Blasini positionierte sich dazu klarer als seine Mitbewerber: "Das kann in diesem Maße so nicht weitergehen", erklärte der 59-Jährige, der sein Alter und seine Parteilosigkeit für einen Vorteil und sich trotz fehlender Erfahrung in der Kommunalverwaltung für gerüstet hält. Blasini: "Zuerst muss die notwendige Infrastruktur geschaffen werden." Außerdem will er die Ortskerne verdichten sowie mehr kleinere, barrierefreie Wohnungen schaffen.

Die Ortskerne hat auch Knoll in den Fokus genommen, der "untypische" Christdemokrat, der für die Kommunalpolitik brennt, wie er sagt. Außerdem will er in den Stadtteilen kleinere Neubaugebiete entwickeln. Für Licher, nicht für Externe. Seitens der Stadt, nicht von einem Investor. Auch Neubert, der kreative Youngster, der sich für "frisch, ausdauernd und fachlich gerüstet" für den Job hält, plädiert für eine Entwicklung der Ortskerne, meint aber auch, dass man den Siedlungsdruck auf die Stadt damit allein nicht auffangen kann.

Mit einer möglichen Alternative, die gleichzeitig für viele das Problem Logistikzentrum lösen würde, wurden die Drei von einer Zuhörerin konfrontiert: die Entwicklung eines neuen Wohnviertels auf dem Gelände der Langsdorfer Höhe nach Hungener Vorbild. Für alle drei Kandidaten keine Option. Aus Blasinis Sicht ist dies nicht möglich. Knoll hält es mit Blick auf die Nachbarschaft von Gewerbe und Industrie für bedenklich. Neubert befürchtet in diesem Fall eine Ghettoisierung, da die Menschen von der sozialen Infrastruktur Lichs abgehängt wären. (Foto: ti)

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