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Kostprobe: Philipp Gerschlauer (r.) mit Amine Mesnaoui (l.) und Thomas Sauernborn. Foto: nab

Auf die Zwischentöne kommt es an

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Lich(nab). Bis nahezu auf den letzten Platz besetzt war das Kino Traumstern, als sich am Sonntagmittag dort alles um den Saxofonisten Philipp Gerschlauer drehte. Mit Film, Gespräch und Konzert gelang dem Künstler vor allem eins: das Publikum mit seiner Begeisterung für Musik anzustecken. Allerdings wird es sehr theoretisch, wenn Gerschlauer über Musik spricht. Denn sein Steckenpferd ist die mikrotonale Jazzmusik. Diese nutzt die Töne, die zwischen den gängigen Tonstufen liegen und kleiner als ein Halbtonabstand sind. "Das eröffnet ganz neue musikalische Welten und unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten", erläuterte der 33-jährige.

Doku von Jakob Gengenbach

Einen guten Eindruck von dem musikalischen Kosmos, in dem sich Gerschlauer bewegt, lieferte zu Beginn der Matinée der einstündige Film "Auf der Suche nach den Zwischentönen". Die Dokumentation ist zugleich die Abschlussarbeit von Jakob Gengenbach, der wie Gerschlauer in Laubach aufgewachsen ist. Eine Woche hat er dafür Gerschlauer, der mittlerweile mit Freundin und kleiner Tochter in Berlin lebt, im Alltag begleitet und dessen spezielle Form der Musik vorgestellt.

Im Filminterview verrät Gerschlauer mit Blick auf Laubach, dass Heimat für ihn der Anker ist. Dort machte er die ersten musikalischen Gehversuche. Mit sieben Jahren begann er im Musikverein Saxofon zu spielen - ein Instrument, dessen Haptik und Mechanik ihn begeisterte. Doch dabei blieb es nicht. Mit zwölf Jahren entdeckte Gerschlauer durch seinen Stiefvater den New Orleans-Jazz für sich. Er spielte im Landesjugendjazzorchester Hessen, bevor er mit 15 Jahren parallel zur Schule an der Musikhochschule in Frankfurt eine klassische Saxofonausbildung begann. Weitere Stationen in Mainz, Berlin und New York folgten. Anfang 2020 geht er über ein Kompositionsstipendium für drei Monate nach Venedig.

Zurzeit sitzt Gerschlauer mehrmals die Woche nach Mitternacht in einer Kirche. Er hat die Orgel für sich entdeckt und übt fleißig, denn schon bald will er auch für sie mikrotonale Musik komponieren. Wer Ende August das Konzert des Laubacher Blueschors in der Stadtkirche erlebte, weiß, wie das klingen kann: Dort hatte Gerschlauer gleichzeitig Orgel und Saxofon gespielt und damit mächtig beeindruckt. Eindruck machte aber auch das Konzert im "Traumstern", bei dem Gerschlauer zusammen mit seinen langjährigen Weggefährten Thomas Sauerborn (Schlagzeug) und Amine Mesnaoui (mikrotonales Klavier) eine musikalische Kostprobe gab.

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