Eigentlich ist Marcel als Straßenkünstler unterwegs. Aber es gibt von ihm auch Zeichnungen auf Papier, die nun in der "Savanne" in Lich gezeigt werden. FOTO: PAD
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Eigentlich ist Marcel als Straßenkünstler unterwegs. Aber es gibt von ihm auch Zeichnungen auf Papier, die nun in der "Savanne" in Lich gezeigt werden. FOTO: PAD

Vom Zeichnen fasziniert

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Lich(pad). Seine Bilder sind gewaltig, detailreich, fantasievoll - und meist sehr kurzlebig: Marcel ist Straßenkünstler, und dies seit über 35 Jahren. In dieser Zeit hat er praktisch alles an Wettbewerben gewonnen, was man in der Szene gewinnen kann. Nun stellt er im Kulturrestaurant "Savanne" in Lich einen Teil seiner Werke aus.

Marcel, der eigentlich Dietmar Heinzelmann heißt, war schon als kleines Kind vom Zeichnen fasziniert. Er habe lieber gemalt als gespielt, sagt er. "Ich habe aber nie wie ein Kind gemalt." Schon früh habe er versucht, räumliche Perspektiven in den Bildern darzustellen, habe sich auf die Details fokussiert.

Kunst für wenige Tage

Mit 29 entschied er sich, als Straßenkünstler zu arbeiten. Zunächst kopierte er die Werke alter Meister wie Rembrandt und Co, über die Jahre wurde er mutiger, entwickelte seinen eigenen Stil, zeichnete seine Ideen auf die Platten der Fußgängerzonen.

Es sind große "Leinwände", die er mit seinen Werken füllt: Für einen Wettbewerb zeichnete er 2001 das Bild "Märchen und Legenden spiegeln die wahre Seele des Menschen, nicht Computer oder Handys" - es war 24 Quadratmeter groß. Da in der "Savanne" nicht so viel Platz ist, stellt er dort Zeichnungen auf Papier aus. Auch diese sind teils großformatig.

Der große Feind der Straßenkünstler ist der Regen. Der 66-Jährige berichtet, wie er einmal mit einem befreundeten Künstler auf der Domplatte in Köln die "Nachtwache" aufmalte. "Dann regnete es kurz vor der Fertigstellung. Es war frustrierend." Doch damit muss man in diesem Kunstzweig leben: "Wenn sie den Regen nicht abkönnen, dann dürfen sie keine Straßenmalerei machen. Beim ersten Mal tut es noch weh, beim zweiten Mal weniger."

Marcel erzählt gerne eine Geschichte über Picasso. Dieser ging einst am Strand entlang, malte mit einem Stock in den Sand. Ein Zuschauer kam vorbei, sah es - und war schockiert, als eine Welle alles fortwusch. "Wie können Sie nur?", fuhr er vor Entsetzen den Künstler an - dessen Antwort nicht überliefert ist. "Straßenmalerei ist auch Kunst für wenige Tage", sagt der 66-Jährige.

Die Werke sind bis zum 15. November zu den Öffnungszeiten der "Savanne" zu sehen.

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