Sandra Elischer, Julia Ballin und Anka Hirsch (v. l.) begeistern das Publikum mit ihrer Musizierlaune. FOTO: JOU
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Sandra Elischer, Julia Ballin und Anka Hirsch (v. l.) begeistern das Publikum mit ihrer Musizierlaune. FOTO: JOU

Zauberhaft und stimmungsvoll

  • vonSascha Jouini
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Lich(jou). Im Rahmen des mittelhessischen Kultursommers hat das Trio "Acht Ohren" die Besucher im voll besetzten Biergarten der Kinokneipe am Sonntagabend mit auf eine musikalische Reise durch Europa genommen. Verstärkt wurde das Ensemble bei seinem Programm "Unter 12 Sternen" durch Schauspielerin Uta Nawrath, die Texte zur Kulturgeschichte des Kontinents vortrug.

Auf charmante Art wusste das Ensemble die Hörer für sich einzunehmen. Zum besonderen Erlebnis machte das Konzert die Vielseitigkeit der Musikerinnen: Julia Ballin beherrschte Saxofone diverser Stimmlagen ebenso souverän wie die Violine oder Klarinette, Anka Hirsch spielte gleichermaßen virtuos Cello und Akkordeon. Sandra Elischer, die Dritte im Bunde, bediente sich unterschiedlichster Perkussionsinstrumente, vom Becken über Cajón bis hin zur Vasentrommel.

Klezmer-Zugabe rundet Abend ab

Bereits beim stimmungsvollen Auftaktstück lieferte sie ein farbiges Schlagzeugfundament, als weitere Ebene kamen schlichte Cello-Dreiklangsbrechungen hinzu. Darüber spielte Ballin auf der Violine effektvolle Pizzicati, wenig später eine zauberhafte Melodie.

Urwüchsig-folkloristisch mutete das folgende, nach Südosteuropa führende Lied an. Im Kommentar, den Uta Nawrath dazu las, zeigte sich, dass die geografische Zuordnung einer Volksweise schwierig sein kann, wenn verschiedene Nationen, von Griechenland bis zur Türkei, diese für sich in Anspruch nehmen und jeweils mit anderem Text unterlegen, sodass aus dem Liebeslied mit einem Mal ein Kriegslied wird.

Insgesamt lockerten die von Anka Hirsch ausgewählten Schriftstücke das Programm mit interessanten Hintergrundinformationen auf. So wurde die politische Dimension eines französischen Liedes über Missstände wie Reglementierungswahn und Umweltverschmutzung gut nachvollziehbar.

Teilweise wiesen die Kompositionen über die Grenzen Europas hinaus: Bei einem Stück mit improvisatorischem Saxofonpart über wuchtigen Vasentrommelrhythmen wurde es regelrecht orientalisch. Ein anderes Stück des berühmten Lautenvirtuosen Anouar Brahem versetzte nach Tunesien.

Unbeschwerte Heiterkeit verströmte nach der Pause ein altes Trinklied. Der "Tanz der Marktleute" geriet besonders lebhaft, umso mehr als Nawrath hier die Tanzschritte demonstrierte. Weiter ging es unter anderem ins maurische Spanien bei einem Paartanz sowie nach Finnland bei einem herzergreifend melancholischen Tango. Alle Arrangements gefielen durch gezielten Einsatz der gestalterischen Mittel; da schien nichts dick aufgetragen.

Die Musizierlaune steckte die Besucher immer mehr an - viele klatschten mit, einige tanzten. Den kurzweiligen Abend rundete die Klezmer-Zugabe "Schön wie der Mond" aus Israel ab.

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