In Lich (Foto) und Gießen existieren Volkshochschulen. Die FDP will sie zusammenlegen.
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In Lich (Foto) und Gießen existieren Volkshochschulen. Die FDP will sie zusammenlegen.

Kommunalwahl

FDP will Volkshochschulen zusammenlegen - »Landkreis verzettelt sich«

  • VonPatrick Dehnhardt
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Die FDP will bei der Kreistagswahl Sitze dazugewinnen. Unter anderem will sie die Ausstattung der Schulen verbessern und die Probleme bei der Sperrmüllabfuhr angehen.

Gießen (pad). Eine bessere digitale Ausstattung der Schulen, mehr Stellen im Gesundheitsamt, die Zusammenlegung der Kreisvolkshochschulen sowie die Einrichtung eines Kompetenzzentrums ländlicher Raum - mit einem breitgefächertem Programm zieht die FDP in den Wahlkampf. Kreisvorsitzender Dennis Pucher gab auf einer Pressekonferenz am Dienstag als Ziel aus, mindestens einen Platz mehr im Kreistag einnehmen zu wollen. Derzeit haben die Liberalen vier Sitze inne. Zudem will man nach über zehn Jahren die Oppositionsrolle verlassen.

FDP will mitregieren

»Die aktuelle Koalition hat sich überlebt und will nicht mehr so zusammenarbeiten«, sagt er. Ein deutliches Zeichen dafür sei erst vor wenigen Tagen der Streit über den Termin zur Landratswahl gewesen. Einen eigenen Kandidaten dafür wollen die Liberalen übrigens nicht aufstellen. »Wir haben an der Amtsführung von Landrätin Anita Schneider keine Kritik.«

Anders verläuft der Blick auf die Arbeit von Schuldezernentin Dr. Christiane Schmahl. »Sie hat nie richtig versucht, die Opposition mitzunehmen - im Gegensatz zur Landrätin«, sagt Spitzenkandidat Harald Scherer. Zumal die FDP Defizite im Schulbereich ausmacht.

Rücker: Schulen zu wenig digitalisiert

Vanessa Rücker, auf Listenplatz drei kandidierend, sieht etwa große Probleme im Bereich Digitalisierung. Dies habe die Pandemielage deutlich vor Augen geführt. »Die Schul- und Lehrkonzepte werden auf digitale Wege umgestellt, aber die Gegebenheiten dafür sind vor Ort nicht vorhanden. Es bedarf eines Schulentwicklungsplans, um digitale Bildung zu ermöglichen.«

Im Bereich Erwachsenenbildung gebe es mittlerweile zahlreiche Online-Angebote, die in Konkurrenz zur klassischen Volkshochschule stehen. Dass sich der Landkreis und die Stadt Gießen gleich zwei Einrichtungen - eine in Lich, eine in Gießen - mit jeweils eigener Leitung leisten und parallel Angebote zu gleichen Themen entwickelt werden, hält Rücker für überholt: »Man kann überlegen, die Volkshochschulen zusammenzulegen und Synergieeffekte zu nutzen.«

Landkreis habe zu viele Organisationen

Generell nutze der Landkreis zu wenig Synergieeffekte, sagt Pucher: »Wir haben das Gefühl, dass er sich schnell bei seinen Tätigkeiten verzettelt.« Es gebe wie viele Organisationen und Unterorganisationen, teils mit nur zwei bis drei Mitarbeitern, die sich erst einmal um Strukturen und Finanzierung kümmern würden und sich selbst beschäftigen müssten. Beispiele seien die Klimaschutz- und Energieagentur, aber auch das Regionalmanagement Gießener Land.

Würde man diese Organisationen alle zusammenfassen, könnten sich die Mitarbeiter effektiver um ihre eigentliche Aufgabe kümmern, sagte Pucher. Eine Möglichkeit sei, die Regional- und die Kulturförderung sowie den Breitbandausbau in einem »Kompetenzzentrum für den ländlichen Raum« zu bündeln.

Gesundheitsamt »ausgehungert«

Das Problem mangelnder Bündelung sieht Konstantin Heck, Listenplatz fünf, auch in einem anderen Bereich: dem Leben im ländlichen Raum. Es gebe viele Angebote, jedoch keine zentrale Anlaufstelle. Auch diese Aufgabe könne das Kompetenzzentrum übernehmen. Zudem müsse der Kreis mit seinen Beteiligungen, etwa bei der Sparkasse, darauf hinwirken, dass in jedem Ort eine ausreichende Bargeldversorgung gewährleistet ist.

Das Gesundheitsamt sei personell ausgehungert und unterfinanziert, kritisiert Christian Krauss, Kandidat auf Listenplatz vier. Erst in den vergangenen Monaten sei auf diese Missstände reagiert worden, habe die Bundeswehr helfen müssen. »Das Gesundheitsamt wurde nicht so aufgestellt, dass es mit Ereignissen wie einer Pandemie umgehen kann. Die Führung hat jahrelang gefehlt«, übt Pucher Kritik an den Strukturen. Die FDP fordert eine dauerhaft gute personelle Ausstattung. Zudem müsste auch dort das Arbeiten in Teilzeit möglich sein.

Sperrmüllabfuhr zu kompliziert

Ein anderes Thema, das die FDP umtreibt, ist die Sperrmüllabfuhr. Mit dem jetzigen System sei man unzufrieden, es sei zu bürokratisch. Die individuelle Sperrmüllanmeldung sei »deutlich teurer als die herkömmliche Abfuhr mit Sammelterminen«, so Pucher. Daher sollte zum alten System mit festen Abholterminen zurückgekehrt werden. »Das ist für den Bürger einfacher.«

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