Kein schöner Anblick beim Sonntagsspaziergang durch den Busecker Schlosspark und dennoch harmlos im Vergleich zu manch anderen Überresten nächtlicher Zusammenkünfte hier oder in anderen Kommunen.
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Kein schöner Anblick beim Sonntagsspaziergang durch den Busecker Schlosspark und dennoch harmlos im Vergleich zu manch anderen Überresten nächtlicher Zusammenkünfte hier oder in anderen Kommunen.

Kommunen auf Lösungssuche

Eskapaden von Jugendlichen im Kreis Gießen: „Werden das nie ganz abstellen“

  • VonChristina Jung
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Jugendliche müssen zu Hause raus, unter sich sein, gemeinsam abhängen und manchmal auch Dummheiten machen. Dass dies mitunter mit dem Genuss von viel Alkohol oder sogar Drogen einher geht und am Ende immer wieder auf Kosten anderer geschieht, ist im Kreis Gießen vielfach ein Problem - die Suche nach Lösungen schwierig.

Lich – In der Mehrheit gut frequentierte Jugendräume. Eine rege Beteiligung an den Angeboten der Jugendpflege. Eine aufsuchende Jugendarbeit, die regelmäßig in der Stadt unterwegs ist. Das Bild, das Christian Rastert in der jüngsten Sitzung des Licher Ausschusses für Wirtschaft, Soziales, Digitalisierung, Tourismus, Sport und Kultur in seinem Bericht zeichnete, hinterließ einen positiven Eindruck. Erst nach Rückfragen und Anmerkungen von Mandatsträgern wurde klar: Die Realität sieht nicht ganz so rosig aus.

Peter Blasini (FDP) berichtete von Vandalismus durch alkohol- und drogenkonsumierende Jugendliche an der von ihm geleiteten Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS) abends und an Wochenenden, ebenso im Bürgerpark. Bürgermeister Dr. Julien Neubert bestätigte: »Da ist viel passiert, was nicht passieren sollte.« Auch die Erich-Kästner-Schule (EKS) ist betroffen, laut Sascha Ott (FW) seit vielen Jahren immer mal wieder beliebter Treffpunkt von Jugendlichen.

Kreis Gießen: Nächtliche Randale an Schule in Lich

Schulleiter Jürgen Vesely kann davon ein Lied singen. Auf GAZ-Anfrage berichtet er von »regelmäßigen Besuchen nach Einbruch der Dunkelheit«. Es würde »unglaublich viel Alkohol getrunken und dann randaliert« - Wände besprüht, Gegenstände zerstört, Flaschen zertrümmert. Vor den Sommerferien sei es an einem Morgen so schlimm gewesen, »da haben wir die Kinder nicht über den Schulhof gehen lassen«.

Bei der Polizei weiß man um die Problematik. »Der Bürgerpark sowie die Gelände und das erweiterte Umfeld der Dietrich-Bonhoeffer- und Erich-Kästner-Schule sind als beliebte Treffpunkte von Jugendlichen bekannt«, berichtet Pressesprecher Guido Rehr auf Nachfrage.

Polizeiliche Einsätze dort »reichen von präventiver Bestreifung über Ermahnungen nach Lärmbelästigungen bis hin zur Aufnahme von Strafanzeigen«. Dabei träfen die Beamten in der Regel auf Jugendliche oder Heranwachsende die Musik hörten und/oder alkoholische Getränke konsumierten, Ruhestörungen seien die Folge. Mitunter komme es auch zu Streitigkeiten oder konkreten Straftaten wie Sachbeschädigungen, Bedrohungen und Körperverletzungen. Vor allem, wenn Alkohol im Spiel sei. In wenigen Fällen würden geringste Mengen Betäubungsmittel sichergestellt.

Ein Licher Phänomen? Mitnichten. Ebenso wenig ein neues. Was in Lich DBS, EKS und Bürgerpark sind, sind in Hungen der Bahnhof, das Wäldchen hinter dem Freibad oder die Grundschule, in Buseck Fun- und Schlosspark sowie die Grundschule.

»Im Grunde sind unter anderem Bushaltestellen, Bahnhöfe, Schulhöfe oder Parks in Städten oder größeren Kommunen die beliebten Treffpunkte von Jugendlichen und jungen Menschen«, sagt Polizeipressesprecher Guido Rehr. »Meist geht es darum, eine Örtlichkeit zu finden, an der sie sich ungestört bzw. unbeobachtet fühlen. Auf dem Land, in den kleineren Ortschaften, kommen die Jugendlichen an abgelegenen Orten wie Grillhütten zusammen.«

Kreis Gießen: Gespräche mit Jugendlichen sollen helfen

Was aber tun? Noch mehr Kontrollen? Den Zugang zu solchen Orten durch bauliche Maßnahmen erschweren wie etwa das an der Erich-Kästner-Schule jüngst installierte höhere Eingangstor? Guter Rat scheint teuer, denn die Problematik ist vielschichtig. Weil sich Gruppen in wechselnden Konstellationen treffen. Weil die jungen Menschen mitunter gar nicht in der Kommune zu Hause sind. Weil sie schon älter sind und deshalb von der aufsuchenden Jugendarbeit gar nicht mehr erreicht werden.

Das Erreichen etwa über soziale Medien oder persönliche Ansprache aber ist einer der wichtigsten Punkte auf dem Weg zum Erfolg. Vielleicht der wichtigste. Deshalb hatte die Stadt Lich zusätzliche Honorarkräfte für die aufsuchende Jugendarbeit eingestellt. Deshalb widmet sich in der Nachbarkommune Hungen sogar ein Hauptamtlicher überwiegend eben jener Kontaktpflege. »Um zu erfahren, was die jungen Menschen bewegt und wo der Schuh drückt«, sagt Schäferstadt-Bürgermeister Rainer Wengorsch.

In Lich holt Kollege Neubert zudem nun alle betroffenen Parteien an einen runden Tisch. Vertreter von Polizei, Schulen, Sozialarbeit, Ordnungsamt und Jugendpflege kommen Anfang November zusammen, um Lösungsansätze zu erarbeiten. Eines ist für den Licher Verwaltungschef mit Blick auf die Eskapaden mancher Jugendlicher aber schon jetzt klar: »Wir werden das nie ganz abstellen.« (Christina Jung)

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