Wenn das Huhn zur Ziege zieht

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  • Patrick Dehnhardt
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Der Name passte perfekt zum Wetter: Über tausend Besucher erlebten einen warmen und sonnigen Tag auf dem Nieder-Bessinger Sonnenhof, und sie blickten hinter die Kulissen des Hühnermobils und des Hofladens.

Der Name passte perfekt zum Wetter: Über tausend Besucher erlebten einen warmen und sonnigen Tag auf dem Nieder-Bessinger Sonnenhof, und sie blickten hinter die Kulissen des Hühnermobils und des Hofladens.

Landwirt Alexander Gottuck erklärte bei zwei Führungen zu den Hühnermobilen stets einer sehr großen Gruppe interessierter Besucher, wie es überhaupt zur Idee mobiler Hühnerställe gekommen war. "Viele kennen es noch von früher, dass der Auslauf von Hühnern einer Mondlandschaft glich", erklärte Gottuck. Der Kot der Tiere würde die Fläche überdüngen, zudem bilden sich schneller Keime. "Mit dem Hühnermobil fahren wir dem Problem davon." Denn durch den regelmäßigen Standortwechsel können sich die Flächen erholen.

Die Idee selbst ist nicht neu: Schon früher habe man beispielsweise die Hühner mit dem Leiterwagen auf abgeerntete Getreidefelder gefahren, damit sie dort Nachlese halten. Als in den 1980er Jahren der Trend jedoch zu billiger Massentierhaltung ging, geriet dies in Vergessenheit. Da seit einigen Jahren das Tierwohl wieder mehr in den Vordergrund gerückt ist, wollen immer mehr Menschen Eier aus Freilandhaltung haben – die Chance für die Hühnermobile. Gottuck erklärte, dass der Platz pro Huhn rund 100 Euro teurer als in stationärer Bodenhaltung sei. Dennoch sei der Zehnerkarton aus Bodenhaltung nur rund einen Euro billiger als der aus Freilandhaltung.

Speisen aus regionaler Herkunft

Anekdoten aus dem Hühneralltag brachten die Besucher zum Schmunzeln: Etwa das man die jungen Hühner an ihrem ersten Tag im Hühnermobil abends erst einmal auf die Stange setzen muss, damit sie kapieren, dass es ihr Schlafplatz ist. Oder die Tiere lauthals protestieren, falls sich die automatische Tür zur Wiese einmal nicht öffnet. Dort begleiten zwei Ziegen die 250 Hühner: Sie schützen vor Habichtattacken. Abends gehen die Hühner übrigens von selbst bei Einbruch der Dunkelheit zurück ins Hühnermobil – mit einer Ausnahme. "Wir haben ein Huhn, das ist bei den Ziegen eingezogen."

Landrätin Anita Schneider hatte am Morgen den "Tag des offenen Hofes" zusammen mit Manfred Paul, dem Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes und Margot Schäfer (Abteilung ländlicher Raum beim Lahn-Dill-Kreis) eröffnet. Schneider freute sich, dass die Menschen sich wieder mehr dafür interessieren würden, woher ihre Lebensmittel kommen. Dies komme der heimischen Landwirtschaft zugute.

Bei den Speisen des Hoffestes wurde ebenfalls auf regionale Herkunft geachtet: Es gab Eis von Görlach aus Eberstadt, Schnitzel und Würstchen stammten von den Schweinen des Hofs. Die Kutschfahrten durch die Felder waren ebenso wie die Strohhüpfburg bei den kleinen Besuchern beliebt. Der Tag war eine gelungene Werbung für die heimische Landwirtschaft.

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