ti_kjg_hist1_081121_4c_1
+
Mit Nachdruck vertritt der angetrunkene Kanoniker (Horst Kächler, rechts) gegenüber dem Dechanten (Elmar Sandhofen) seine Meinung.

Weltmittelpunkt für zwei Tage

  • VonKarl-Josef Graf
    schließen

Lich (kjg). Ob er widerrufen will? Das mit dem Ablass, das ist doch alles Beutelschneiderei, klang es im Gespräch zwischen dem Stiftsdechanten Johann Nopp (Elmar Sandhofen) und dem angetrunkenen Kanoniker Hermann Gulden (Horst Kächler) von der Bühne des Licher Don-Bosco-Saals. Der Anlass: das historischen Spiel »Wo geht’s hier nach Worms?« Unter der Regie von Gerhard Pappe, der auch das Stück geschrieben hatte, fand am Samstag die Aufführung statt.

Zuvor hatte jeder, der über 100 Besucher, sein Impfzertifikat gezeigt und sich entweder mit der Luca-App eingelockt oder handschriftlich eingetragen.

Worum es bei dem Theaterstück geht? Die Reise Martin Luthers vor 500 Jahren nach Worms. Laut einem Furierzettel, der im Archiv des Marienstifts gefunden wurde, soll Luther damals mit 22 Personen und 89 Pferden in Lich übernachtet haben. Diese Begebenheit hat Pappe zum Anlass genommen, um nach entsprechendem Quellenstudium darüber ein historisches Spiel zu schreiben, das am Historischen Markt in Lich aufgeführt werden sollte. Da dieser pandemiebedingt ausgefallen war, hatten die »Kircheblazzgaugler« entschieden, das Spiel, das sich auf Luthers Reise im Jahr 1521 nach Worms bezog, im Don-Bosco-Saal der katholischen Pfarrgemeinde aufzuführen.

Die »Kircheblazzgaugler« ließen das Publikum hautnah miterleben, was vor 500 Jahren in Lich passiert und wie die kleine Stadt an zwei Tagen »Mittelpunkt« der Welt gewesen sein könnte. Es waren allerdings die »kleinen, nicht geschichtlich relevanten Dinge, die in Lich passierten.

Da steitet sich ein Ehepaar über die Ankunft Luthers in Lich. Luthers Begleiter rätseln, in welcher Stadt sie sich befinden und ob sie hier sicher sind. Auch im Marienstift macht man sich Gedanken über Luthers Schriften und seine Reise nach Worms. Das kommt auch in dem Gespräch zwischen zwei Licher Bauern zum Ausdruck, die sinnieren, was in Worms passieren könnte - ob Luther in Freiheit bleibt, eingesperrt wird oder Worms nicht überleben wird. Auch Graf Philipp zu Solms-Lich und der Theologe treffen zu einem Gespräch zusammen, in dem Letzterer sein religiöses Verständnis anhand seiner Schriften erläutert, und der Graf dies aus seiner Sicht als theologisch interessierter, aber eben weltlicher Amtsträger kommentiert.

Man darf heute schon auf das neue Stück der »Kircheblazzgaugler« gespannt sein: Der »Holzklau in Langsdorf« wurde von Hendrich Dörmer angekündigt und soll auf dem Historischen Markt 2022 aufgeführt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare