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Welt ein bisschen besser machen

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Von: Ursula Sommerlad

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, Wuppertal, Berlin und immer volle Pulle. Auch wenn sich Franz Müntefering 2013 aus der Bundespolitik zurückgezogen hat, so ist er noch immer viel auf Achse: als Präsident des Arbeiter-Samariterbundes, als Buchautor, als Zugpferd der SPD. Am Sonntag bescherte der frühere Minister, Vizekanzler und SPD-Bundesvorsitzende seinen Licher Genossen beim Neujahrsempfang ein volles Haus und zufriedene Gäste. Nicht nur altgediente Sozis seufzten »schade«, als der bald 77-Jährige nach 50 Minuten das Ende seiner Rede ankündigte.

, Wuppertal, Berlin und immer volle Pulle. Auch wenn sich Franz Müntefering 2013 aus der Bundespolitik zurückgezogen hat, so ist er noch immer viel auf Achse: als Präsident des Arbeiter-Samariterbundes, als Buchautor, als Zugpferd der SPD. Am Sonntag bescherte der frühere Minister, Vizekanzler und SPD-Bundesvorsitzende seinen Licher Genossen beim Neujahrsempfang ein volles Haus und zufriedene Gäste. Nicht nur altgediente Sozis seufzten »schade«, als der bald 77-Jährige nach 50 Minuten das Ende seiner Rede ankündigte.

Der neue Vorsitzende des SPD-Ortsverbands, Dr. Julien Neubert, hatte Müntefering nach Lich geholt. Er kennt den prominenten Parteifreund von Recherchen für seine Doktorarbeit und musste wegen des Neujahrsempfangs nicht lange fragen. »Der Franz hat gleich Ja gesagt.« Acht Monate vor der Bundestagswahl schwor Müntefering seine Zuhörer auf den sozialdemokratischen Dreiklang ein: Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität. Und er machte deutlich, dass die Menschen jeweils ihre eigenen Antworten auf die Frage der Zeit finden müssen. »1989/90 hatten wir das Gefühl, dass wir gewonnen haben. Dass sich Frieden, Demokratie und die soziale Marktwirtschaft durchgesetzt haben. Heute wissen wir: Es ist nicht so.« Inzwischen habe die Welt den Finanzkapitalismus kennengelernt und gemerkt, dass das Primat der Politik jenseits des Nationalstaats an seine Grenzen stoße. Dennoch dürfe man nicht aufgeben. Schon gar nicht, wenn es um Europa gehe. »Es ist noch nicht verloren. Wir müssen retten, was zu retten ist.« Doch auch in Deutschland sei einiges zu tun; Stichwort soziale Gerechtigkeit, Stichwort demografischer Wandel. Gegen die Ungleichheit der Lebensverhältnisse (»Duisburg-Marxloh und Düsseldorf-Süd, das ist wie zwei verschiedene Länder«) hilft nach Ansicht des Redners vor allem eines: Bildung. Und notfalls auch präventive Sozialarbeit. »Das ist teuer, aber billiger, als wenn wir hinterher die Probleme haben.« Sozialer Ungerechtigkeit möchte Müntefering staatliches Handeln entgegensetzen. Wenn der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank so viel verdiene wie 600 Krankenschwestern, dann sei das mit nichts zu rechtfertigen. »So gut kann ein Mensch gar nicht sein.« Solche Millionengehälter dürften für die Unternehmen, die sie zahlen, nicht auch noch steuerfrei sein. Und angesichts der ungleichen Verteilung von Reichtum weltweit fordert der frühere Vizekanzler: »Die Transaktionssteuer muss kommen.« Die größten Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte sieht Müntefering jedoch im Wachsen der Weltbevölkerung. Die Migrationsbewegungen der vergangenen Jahre seien erst der Anfang. Wer nun argumentiere, dass man nicht allen Menschen helfen könne, der mache es sich zu einfach. »Das ist zwar richtig, kann aber nicht heißen, dass man überhaupt keinem hilft.« Den Willen, die Welt ein bisschen besser zu machen, dürfe man sich nicht nehmen lassen. »Wir sind nicht allmächtig, aber ohnmächtig sind wir auch nicht.« Den musikalischen Part des Neujahresempfangs im Kultursaal des Bürgerhauses bestritt der Gospelchor »Last 5 Minutes« unter Leitung von Astrid Platen. Spenden, die bei der Veranstaltung gesammelt wurden, kommen der Arbeit des »Forums für Völkerverständigung« zugute.

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