Mehr Idyll geht nicht: das Waldschwimmbad in Lich. ARCHIVFOTO: THORSTEN NOLL
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Mehr Idyll geht nicht: das Waldschwimmbad in Lich. ARCHIVFOTO: THORSTEN NOLL

Nur befristete Genehmigung für 2020

Warum die Zukunft des Waldschwimmbads in Lich gefährdet ist

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Für die Badesaison 2020 will der Landkreis eine befristete Genehmigung erteilen. Doch wie es mit dem Waldschwimmbad in Lich danach weitergeht, steht in den Sternen. Soviel ist klar: Wer das Bad langfristig absichern will, muss ordentlich Geld in die Hand nehmen.

Die gute Nachricht zuerst. Die Badesaison 2020 im Licher Waldschwimmbad scheint gesichert. "Es ist beabsichtigt, im Frühjahr erneut eine auf ein Jahr begrenzte Erlaubnis zu erteilen", teilte Kreispressesprecher Dirk Wingener auf Nachfrage mit. Damit sind der Betreiberverein SEK und alle Freunde des idyllischen Badesees zunächst aus dem Schneider. Doch wie es weitergeht, steht in den Sternen.

Längerfristig ist der Fortbestand des Waldschwimmbads alles andere als gesichert. Ein Sachstandsbericht, den die Stadtverwaltung auf Anfrage der SPD-Fraktion erstellt hat, lässt kaum einen anderen Schluss zu. Der Report listet gleich vier neuralgische Punkte auf: Wasserversorgung, Wasserqualität, Bau- und Naturschutzrecht sowie Abwasserbeseitigung. Das Thema steht schon länger auf der Agenda: Laut Wingender befindet sich der Landkreis seit Erteilung der letzten Erlaubnis "in einem intensiven Austausch mit der Stadt Lich, um die Rahmenbedingungen für eine länger- oder unbefristete Erlaubnis zu erörtern."

Das Waldschwimmbad ist einzigartig im Kreis Gießen. Viele Generationen Licher Kinder haben hier ihre Sommer verbracht, und auch bei auswärtigen Besuchern genießt der mitten im Grünen gelegene Badesee Kultstatus. Vor zehn Jahren war das Idyll schon einmal in seiner Existenz bedroht. Wegen der hohen finanziellen Belastung und weil sich kein zuverlässiger Pächter fand, drohte der damalige Bürgermeister Bernd Klein 2010 mit der Schließung. Damals gründete sich quasi über Nacht der Verein SEK - das Kürzel steht für Sport, Erholung, Kultur - , der das Bad seither mit großem Engagement betreibt.

Über 200 000 Euro hat die Stadt nach Angaben der Verwaltung seit 2007 in das Bad gesteckt. Arbeitsleistung und Investitionen des SEK sind da noch nicht eingerechnet. Um das Bad zukunftssicher zu machen, müsste weiter Geld in die Hand genommen werden. Und zwar nicht gerade wenig. Auf rund 200 000 Euro schätzt die Verwaltung den Bau eines Brunnens, der die Wasserversorgung dauerhaft sichern könnte.

Die Einspeisung aus dem Albach wird von den Behörden aus zweierlei Gründen kritisch betrachtet. Zum einen, weil der Bach im heißen Sommer 2018 trocken gefallen ist, was aus Gründen des Gewässerschutzes nicht sein darf. Zum anderen, weil die Gefahr der Verschmutzung des Badesees mit Keimen besteht. Ungemach droht aber auch von anderer Seite: dem Bau- und Naturschutzrecht. Derzeit ist die Nutzung des Bades rechtlich nicht abgesichert. Abhilfe könnte nur die Aufstellung eines Bebauungsplanes bringen.

Aber wer soll den bezahlen? Fürst Solms als Eigentümer? Die Stadt? Auf jeden Fall müssten Naturschutzbelange berücksichtigt werden. Ob und wie sie mit dem Badebetrieb und vor allem mit verschiedenen Veranstaltungen kollidieren, ist ebenfalls eine offene Frage. Schließlich ist auch die Abwasserbeseitigung nicht zufriedenstellend geklärt. Die neue Grube, die die Stadt für 36 000 Euro gebaut hat, ist so klein, dass sie bei Badebetrieb täglich geleert werden muss.

Langfristig kann nach Ansicht der Verwaltung nur der Anschluss ans Kanalnetz am Breuerbergsweiher Abhilfe schaffen. Geschätzte Kosten auch hier 200 000 Euro. Die Eigentumsverhältnisse machen die Sache nicht leichter. Das Gelände gehört dem Fürsten Solms, der Pachtvertrag läuft noch rund vier Jahre.

Beim Betreiber des Waldschwimmbads, dem Verein SEK, ist man sich der schwierigen Situation bewusst. "Wir stehen mit dem Fürst, der Stadt und dem Landkreis im Gespräch", sagt Vorsitzender Joachim Siebert. Obwohl die Einleiteerlaubnis noch nicht erteilt ist, laufen die Vorbereitungen für die kommende Saison. Der Verein investiert aktuell nicht nur in die Abdichtung des Damms, sondern auch in neue Spielgeräte und in aufwendige Baggerarbeiten am Badesee. Kostenpunkt: bis zu 40 000 Euro, die der SEK aus eigenen Mitteln und aus Spenden finanziert.

Auch die Planungen fürs Veranstaltungsprogramm sind angelaufen. Neben Klassikern wie dem kultigen Triathlon oder dem Familie-im-Takt-Festival soll es im Juni etwas Neues geben: ein mehrtägiges Yoga-Festival zur Sommersonnenwende.

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