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Um Leben und Tod geht es auch an Heiligabend: Marcus Stütz arbeitet regelmäßig an Feiertagen in der Notaufnahme der Asklepios-Klinik. SRS

Heilig Abend

Warum Marcus Stütz gerne an Weihnachten arbeitet

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Marcus Stütz ist einer von vielen Menschen im Kreis, die an Weihnachten arbeiten. Der 32-Jährige ist pflegerischer Leiter der Notaufnahme an der Licher Asklepios-Klinik und kann dem Fest der Besinnlichkeit nicht viel abgewinnen.

Weihnachten, das Fest der Besinnlichkeit, bricht an. Für Marcus Stütz beginnt um sechs Uhr derweil ein fast völlig normaler Arbeitstag. Um Leben und Tod geht es eben auch an Heiligabend. Der 32-Jährige begrüßt Patienten, misst ihren Puls und den Blutdruck und entscheidet innerhalb weniger Momente, ob sofortiger Handlungsbedarf besteht oder wie lange der Patient maximal warten kann, bis ein Arzt ihn behandelt. Stütz ist pflegerischer Leiter der Zentralen Notaufnahme an der Licher Asklepios-Klinik.

Weihnachten als Verpflichtung

Stütz arbeitet jedes Jahr gerne an Weihnachten. Er könne den Feiertagen nicht viel abgewinnen, sagt er. "Kollegen nennen mich deshalb auch den Grinch." Im Gegensatz zu der bekannten literarischen Figur will Stütz allerdings keinem das Fest vermiesen. "Weihnachten stört mich nicht", sagt er. "Ich bin nur nicht so euphorisch wie andere." Als Kind hat er in seiner Heimat in Mühlhausen in Thüringen das Fest klassisch mit Eltern und Großeltern gefeiert. Vor der Bescherung hat er Gedichte aufgesagt und Lieder gesungen. Heute hingegen nehme er Weihnachten zunehmend als Verpflichtung wahr, sich an einem festgelegten Datum einen netten Abend machen zu müssen. "Familien können das doch auch regelmäßig das ganze Jahr über tun."

Stütz läuft in blauer Kluft über die Flure der Notaufnahme. Er untersucht einen Patienten mit geschwollenem Knöchel, überprüft dabei auch seinen Gang und den von Schmerz verzerrten Gesichtsausdruck. Kurz darauf steht Stütz einem Mann gegenüber, der über stechende Schmerzen und ein Druckgefühl in der Brust klagt. Die Aufgabe des gelernten Gesundheits- und Krankenpflegers und seiner Kollegen ist, die Dringlichkeit eines jeden Falls zu erfassen. Der zweite Patient mit den stechenden Schmerzen in der Brust hat möglicherweise einen Herzinfarkt und muss sofort behandelt werden.

Ziel: Den Patienten ein gutes Gefühl geben

80 Menschen suchen jeden Tag die Notaufnahme auf. Am späten Nachmittag kurz vor Heiligabend wird der Strom der Patienten indes langsam abnehmen, weiß Stütz aus Erfahrung. "Dann haben wir vielleicht die Ruhe, um uns noch stärker als sonst um einige ältere Patienten zu kümmern und ihnen ein gutes Gefühl zu geben."

Weihnachtliche Lieder werden am Abend leise durch die Notaufnahme dringen. Einige Pfleger tragen rot-weiße Weihnachtsmützen. "Natürlich gibt es Patienten, die sich darüber ärgern, dass sie im Krankenhaus sind, während die restliche Familie zuhause am Weihnachtsbaum sitzt", erzählt Stütz. "Die Patienten tun einem dann natürlich leid."

Wenn Bratenstücke aus der Luftröhre befreit werden müssen

An Heiligabend, berichtet er, suchen unterdessen auch viele Menschen die Notaufnahme auf, die über Entzündungen der Magenschleimhaut und der Bauchspeicheldrüse klagen. "An Weihnachten wird eben sehr viel Fetthaltiges gegessen." Außerdem gebe es regelmäßig Patienten, die beim Festmahl zu hastig Teile des Bratens verschlucken. "Das betrifft auch überraschend oft junge Menschen." Mit Endoskopie müsse man dann die Bratenstücke aus der Luftröhre befreien. "An Weihnachten kommt das bei uns mindestens einmal vor."

Unter den Kollegen der Notaufnahme gehe es unterdessen familiär zu, berichtet Stütz. Mitarbeiter mit kleinen Kindern können auf jeden Fall zuhause feiern. "Wir hatten auch schon mal eine Kollegin, die unbedingt an Heiligabend Spätdienst machen wollte." Schmunzelnd fügt er hinzu: "Damit sie nicht mit ihren Schwiegereltern Weihnachten feiern musste."

Wie der "Grinch" dann doch noch Weihnachten feiert

Kurz nach 14 Uhr wird Stütz in den Feierabend gehen. Ausgerechnet er, der mit Weihnachten nicht viel anfangen kann, wird dann am Abend noch einmal zur Asklepios-Klinik zu seinen Kollegen des Spätdiensts in die Notaufnahme fahren. Er wird zwei Kochplatten in einem Pausenraum anwerfen und kochen. "Vermutlich Fisch", sagt er. "Wir wollen einfach nochmal einen schönen Moment verbringen." Und so wird der "Grinch" am Ende selbstlos und weihnachtlich im kleinen Kreis irgendwie doch noch Heiligabend feiern.

Die Kirmes ist ihm heilig

Ruhe und Ausgleich abseits der Tätigkeit in der Zentralen Notaufnahme in Lich findet Marcus Stütz mit Freunden, beim Sport – und bei einem außergewöhnlichen Hobby: Der 32-Jährige richtet alte Sportschuhe wieder her, kauft sie vorher günstig an. Auf die Frage, wie viele Paare Sneakers er besitzt, schweigt er einen Moment, dann sagt er schmunzelnd: "60. Für einen Mann sind das schon viel." Feiertage wie Weihnachten bedeuten ihm nicht viel, eine Woche im Jahr im Spätsommer hält er sich aber meistens frei: für die Kirmes in der thüringischen Heimat.

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