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Auf den Wiesen am Licher Stadtrand wartet der erste von insgesamt 21 Sprüngen auf die Reiter.

Reitsport

Warum Füchse bei der Fuchsjagd keine Angst haben müssen

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Der Ritt geht über querliegende Bäume und Gräben: In Lich lud der Reit- und Fahrverein nun zur Fuchsjagd ein. Dabei müssen Füchse keine Angst haben.

Die Jagdhörner der Gruppe Hubertus erklingen. Auf dieses Signal haben nicht nur die Zuschauer an der Licher Ziegelgasse, sondern auch die 31 Reiter gespannt gewartet: Nun beginnt die Fuchsjagd des Reit- und Fahrvereins Lich. Über rund 18 Kilometer führt der Geländeritt durch Wald und Flur.

Am Sonntag stand der Traditionstermin auf dem Kalender. Trotz starken Regens waren bereits beim Start hunderte Zuschauer dabei, wollten miterleben, wie Reiter und Kutschen auf die Strecke gehen. Dafür wurden sie nicht nur mit dem Anblick des Reiterfeldes belohnt, sondern konnten auch zuschauen, wie die Pferde die ersten der 22 Hindernisse und vier Gräben überwanden.

Reiten durch herbstliche Idylle

Die Zuschauer können sich über spektakuläre Sprünge freuen. Doch was macht den Reiz einer Fuchsjagd für die Reiter aus? Bei dieser Frage bekommt Dr. Christiane Solms leuchtende Augen. "Als Reiter hat man ein herrliches Herbsterlebnis, kann gemeinsam durch das leuchtende Waldidyll streifen", schwärmt sie. "Es geht nicht ums Siegen oder Verlieren, sondern um die Freude an der Natur und dem eigenen Pferd." Solms ist sonst stets bei den Fuchsjagden mit dabei. Nur dieses Jahr musste sie aussetzen: Ihr Pferd ist nach einer Sehnenverletzung im Frühjahr noch auf dem Genesungsweg. Für den anspruchsvollen Ritt im Gelände sollte ein Pferd jedoch fit sein.

Der Weg führt in einem großen Bogen zunächst Richtung Nieder-Bessingen. Unterwegs warten immer wieder Sprünge. An jedem Hindernis gibt es eine Art Notausgang: Wenn der Reiter merkt, dass dieser Sprung oder der Wassergraben nichts für sein Pferd ist, kann er problemlos daran vorbereiten.

Damit es bei solch einem Ausweichmanöver keine Kollision gibt, fordert das Jagdreiten viel Disziplin. Der Reiter muss etwa seine Position im Feld einhalten, das Überholen des Fuchses ist verboten, erklärt Hans-Heinrich Walz, Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins Lich. Für Ordnung im Feld sorgt der Jagdherr - am Sonntag war dies Till Schmidt. Unterstützt wird er von zwei sogenannten Pikören, quasi Ordnern im Reiterfeld.

Begleitfahrzeug: Kutsche

In Lich haben die Pferde eine Gruppe besonderer Begleitfahrzeuge im Schlepptau: das Kutschenfeld. Jürgen Damasky führt es mit seinem Planwagen an. Seit vielen Jahren unternimmt er mit seinen Pferden - Schwarzwälder und Polnisches Kaltblut - Ausfahrten. Auch als Rückepferde im Wald oder bei der Ernte kommen sie zum Einsatz. "Ich habe keine Angst vorm Dieselfahrverbot, ich kann mein Heu auch mit den Pferden machen", sagt Damasky schmunzelnd.

Die Kutschen bleiben bei der Fuchsjagd auf den Wegen und müssen auch keine Hindernisse überwinden. Jedoch steuern sie die Sprünge an. Denn die Mitfahrer wollen vor allen Dingen zuschauen, wie das Reiterfeld diese überwindet.

Füchse werden nicht gejagt

Um bösen Briefen von Tierschützern vorzubeugen: Füchse können in Deutschland den Jagdreitern ganz beruhigt entgegenblicken. Bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts führt ein Reiter mit angeheftetem Fuchsschwanz das Feld an. In Lich ist dies stets jener Reiter, der sich im Vorjahr beim Fuchsschwanzgreifen den Titel sichern konnte.

Auch am Sonntag bildete das Fuchsschwanzgreifen in Lich den traditionellen Abschluss der diesjährigen Jagd. Vorjahressieger Gerhard Sauerwein versuchte dabei, seinen Titel zu verteidigen. An der rechten Schulter wurde ihm ein Fuchsschwanz angebracht. Die anderen Reiter konnten nun versuchen, in der vorgegebenen Zeit diesen zu erbeuten. Damit es nicht zu leicht wird, darf man den "Fuchs" allerdings nur von links angreifen. Die Reiter müssen also versuchen, ihm über die Schulter zu greifen, um den Fuchsschwanz zu erbeuten. Das gelang diesmal niemanden, sodass Sauerwein seinen Titel verteidigte. Wenn im nächsten Jahr in Lich das Jagdhorn erschallt, wird er also wieder an der Spitze reiten dürfen.

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