Am 20. August war die Jury nach Lich gekommen, um die Ober-Bessinger Pforte in Augenschein zu nehmen. FOTO: US
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Am 20. August war die Jury nach Lich gekommen, um die Ober-Bessinger Pforte in Augenschein zu nehmen. FOTO: US

Vorbildliche Sanierung

  • vonred Redaktion
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Lich/Wiesbaden(bf). Das ganz große Tamtam in Schloss Biebrich blieb gestern zwar aus. Coronabedingt ist es derzeit nicht anders möglich. Doch auch so bot jener prachtvolle Barockbau in Wiesbaden das passende Ambiente für die Verleihung des diesjährigen Hessischen Denkmalschutzpreises. Aus Kreissicht war die Veranstaltung ohnehin von besonderem Interesse, immerhin gehört die Ober-Bessinger Pforte zu den ausgezeichneten Projekten.

Platz drei in der Kategorie "Öffentliche Bauten" ging an die Licher. Das ist zwar ein Preis ohne finanziellen Obolus, doch darum ging es ihnen ohnehin nicht.

"Ich glaube, dass der Preis für Ober-Bessingen sehr wichtig ist. Die Pforte ist der iden-tifikationsstiftende Ort im Dorf", sagte Lichs Bürgermeister Julien Neubert. "Es wurde sogar ein Verein für die Pforte gegründet." Die Menschen im Ort seien seit Beginn der Planung sehr stark in das Projekt eingebunden, sagte Neubert noch. "Das zeigt, dass Denkmalschutz gar nicht weit weg von den Menschen sein muss, sondern zusammen mit ihnen leben kann."

All das waren auch Punkte, die die Jury pries. Sie lobte die behutsame Gesamtinstandsetzung. Sie sei, so heißt es in einer Stellungnahme, "dem hohen Engagement aller am Bau Beteiligten und Bürger zu verdanken".

Einstimmig wurde die Sanierung als "vorbildlich" gewertet, da sie Rücksicht auf die historische Raumstruktur nehme Die teilweise schiefen Decken und Wände seien beibehalten und mit Lehm und Kalk denkmalgerecht saniert worden, die ausgetretenen Stufen der beiden steilen Holztreppen nur dort ergänzt worden, wo es zwingend notwendig gewesen sei. Auch die Haustechnik konnte mit minimalen Eingriffen in die Substanz realisiert werden.

Und ebenso wie Neubert zeigte sich die Jury "beeindruckt" von der Gründung des Vereins "Pforte 1782 Ober-Bessingen", der sich auch in Zukunft darum kümmern wird.

1782 war die Ober-Bessinger Pforte als Torhaus errichtet worden und überspannt seitdem als prägnanter und städtebaulich wirksamer Querriegel die Ortsstraße. Sie gehört zu den wenigen noch erhaltenen Torhäusern in Hessen und wurde in ihrer langen Geschichte als Rathaus, Schule, Feuerwehrhaus und zuletzt zu Wohnzwecken genutzt. Diese unterschiedlichen Nutzungen hatten Eingriffe in die Substanz zur Folge, außerdem hatte jahrelanger Leerstand im Bereich der Tragkonstruktion des Dachreiters und der Deckenbalkenlagen große Schäden verursacht.

Die historische Fachwerkfassade und das Dach wurden instand gesetzt und von störenden Altanstrichen befreit. Die Eingriffe in die Gebäudestruktur unter Berücksichtigung energetischer Gesichtspunkte wurden zurückgeführt und zugunsten einer modernen Nutzung auf das Nötigste beschränkt. Jetzt hat die Ober-Bessinger Pforte ihre neue Nutzung als Pilgerherberge auf dem Lutherweg, als Museum des Deutschen Roten Kreuzes Lich und als Versammlungsstätte gefunden.

Auch der der Förderverein zur Rettung des Bismarckturms in Gießen wurde prämiert. Mehr dazu auf Seite 19.

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