Vom Gehirn-Besitzer zum Gehirn-Benutzer

Lich (keh). Der Titel klingt verheißungsvoll: »5 Wege zu einem perfekten Gedächtnis«. So ist der Online-Kurs tituliert, den Gedächtnistrainer Helmut Lange am 20. März an der Kreisvolkshochschule geben wird. Dank der fünf Merktechniken können die Teilnehmer ihr Gedächtnis um 300 Prozent steigern, sagt der Diplom-Pädagoge. Und das in nur sieben Stunden, so lange nämlich dauert das Seminar.

Doch was ist überhaupt ein perfektes Gedächtnis? »Das, was man aus seinem eigenen Gedächtnis herausholen kann. Egal, mit welchen Voraussetzungen man kommt«, sagt der Coach. Dazu setzt Lange bestimmte Lern- und Merktechniken ein. Mnemotechniken werden sie genannt. Vereinfacht gesagt sind es Techniken, um seine Gedächtnisleistung zu steigern. Lernhilfen wie Merkverse etwa. Den meisten sind sie nicht bekannt, im schulischen Unterricht finden sie bis heute kaum Anwendung. Dabei, sagt Lange, sind sie überaus effektiv. Er selbst habe sich irgendwann einmal gefragt, wie Gedächtnis-Weltmeister arbeiten und sei so zu den Mnemotechniken gekommen.

Gedächtnissportler können die Zahl Pi mit 70 000 Nachkommastellen auswendig lernen oder sich innerhalb einer Viertelstunde 200 Namen und Gesichter merken. »Das Interessante ist, man muss das nicht üben, sondern nur die Techniken anwenden.«, sagt Lange. Übungen sind fester Bestandteil des Seminars, sie helfen den Teilnehmern, in nur sieben Stunden ihr Gedächtnis zu verbessern. »Wir lernen Einkaufslisten, 60 Vokabeln, Namen und Gesichter - dabei wenden wir die ganzen Techniken an«, sagt Lange.

Ein Großteil funktioniere über Fantasie und Bilder. Als Beispiel führt er die Einkaufsliste an. Man nummeriert die Artikel durch, danach verknüpft man jede Zahl mit einem Bild. Wenn als erstes Kartoffeln auf der Liste stehen, merkt man sich dazu etwa eine Kerze. »Man stellt sich beispielsweise vor, wie man die Kartoffel über der Kerze röstet«, erklärt Lange. Dann habe man den Artikel, den man einkaufen möchte und ein Bild dazu vor Augen. Als nächstes verknüpft man Artikel und Bild gedanklich. Über die entstandene Verknüpfung kommt man dann zur jeweiligen Nummer und danach zu dem Artikel. »Hört sich kompliziert an, aber funktioniert von Anfang an. Es macht so gut wie keiner einen Fehler.«

Nun behaupten viele, sie hätten kein gutes Gedächtnis. Da könne man nichts machen. Lange aber sagt: »Ich glaube schon, dass wir alle gute Voraussetzungen für ein perfektes Gedächtnis haben. Aber wir müssen mehr vom Gehirn-Besitzer zum Gehirn-Benutzer werden. Wir benutzen es oft falsch und glauben deshalb, es funktioniert nicht richtig.«

Mit der richtigen Technik könne man sogar im Sekundentakt Vokabeln pauken. Auch das lehrt Lange in seinem Kurs, dabei kommt die sogenannte Schlüsselwortmethode zum Einsatz. Auch hier wird bewusst mit Bildern gearbeitet, diese verknüpft man mit der Übersetzung des Wortes. Möchte man sich beispielsweise die englische Vokabel für Löwe, also »lion« merken, sucht man sich ein Wort im Deutschen, das ähnlich klingt. Dieses Schlüsselwort baut man in einen Satz ein, der dann ein Bild im Kopf erzeugt: Im Zoo kann man einen »Löwen« »leihen«. Schon ist die Eselsbrücke geschaffen.

Nun sind viele des Englischen mächtig. Deswegen demonstriert Lange die Methode in seinen Kursen bewusst in Französisch. Beherrscht man die richtige Technik, sagt er, kann man alle 10 Sekunden eine neue Vokabel lernen.

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