+
"Barockfestlich" mit imposantem Schlussakkord: Christof Becker (r.) und die Camerata Vocale Hessen in der Marienstiftskirche.

Die volle Pracht barocker Musik

  • schließen

Lich (usw). Einen heimelig-warmtönenden Konzertabend erlebten die Besucher des Abschlusskonzerts der Reihe "Barockfestlich" am Sonntag in der Marienstiftskirche mit Werken von Bach, Bertali und von Biber. "Trösterin Musik" hieß das Programm, das die Camerata Vocale Hessen, die Cappella Instrumentalis und vier Solisten präsentierten. Kantor Christof Becker leitete souverän die Gestaltung und führte das Ganze zum sanften Erfolg.

"Trost und Hoffnung in der Trauermusik" war der Untertitel des Programms mit Werken von Johann Sebastian Bach (1685-1750), Antonio Bertalli (1605-1669) und Heinrich Ignaz Franz von Biber (1644-1704). Bedauerlich, dass eine fehldisponierte Bläserstimme die Harmonie nachhaltig beeinträchtigte.

Der Auftakt mit "O Jesu, meins Lebens Licht", der Motette für Chor und Orchester, fiel sanft getragen und mit schönem instrumentalem Intro gelungen aus. Angenehm, dass Chor und Instrumente hier gleichwertig balanciert waren: ein attraktiver Klang-Aspekt und Vorteil der kleineren Besetzung, in der die Transparenz deutlicher ausfiel. Ein sanftes Wiegen herrschte und ein gemessener Duktus, hier war alles wohlbedacht.

Becker schien den Klang seines Ensembles gleichsam mit den Armen, ja dem ganzen Körper zu gestalten und machte das Mitschwingen einfach. Zumal die Akustik der Kirche auch diese barocke Form des Musizierens begünstigt. Die etwas fragilere Klangstruktur, die auch durch den Gebrauch originaler Instrumente, etwa Gamben, zustande kam, führte so zu einem erfreulichen Zuwachs an Transparenz.

Überzeugende Solisten

Antonio Bertalis "Sonata Suablationis" begann mit einem strahlend gedachten Bläserintro und überzeugte mit vollem Ensembleklang bei fast monumentalem Duktus. Zugleich waren aber auch weniger durchsetzungsstarke Instrumente wie das Cembalo gut zu vernehmen - schön war das, untadelig differenziert ausgeführt. Auch hier wie schon im Auftaktkonzert kamen fröhliche tänzerische Aspekte zum Vorschein, wunderbar leicht musiziert, durchaus ein Glanzlicht.

Von Bibers Requiem à 15 A-Dur in sieben Sätzen mit lateinischem Text bildete den Hauptteil des Abends. Becker ("Ein österreichischer Komponist des Frühbarock, unbedingt wiederzuentdecken") begann mit großem Ansatz, wobei man gute Tiefen genoss: sehr rund und ästhetisch klang das überaus sichere Ensemble. Das Werk ist im Ganzen mit sinnfälliger progressiver Dynamik gestaltet. Bibers Musik erwies sich im Verlauf des Konzerts als weniger traurig oder gar bedrückt, sondern als betont feierlich, ja Eindruck heischend - durchaus unterhaltsam also und im eingängigen A-Dur.

Hier zeigte sich eine besonders konstruktive, im Ganzen stimmige Musizierweise, besonders bei Bässen und Bläsern, die dem Hörer mit exzellenter Stimmmodulation besonderen Genuss bereitete, hinzukamen vorzügliche, zarte Abschlüsse.

Die Solisten - Ralf Petrausch (Tenor), Niklas Romer (Countertenor), Daniel Starke (Bass) und Eva Be Yauno-Janssen (Sopran) - agierten sicher und inhaltlich überzeugend. Besonders emotional und anrührend musizierten sie im Agnus Dei. Mit einem ganz reinen, leuchtenden, gänzlich überzeugenden Schlussakzent rundete man dann den Abend im Communio.

Anhaltender, sehr engagierter Beifall des Publikums war die angemessene Reaktion.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare