+
Marie und Clara Becker haben viel gemeinsam, ganz besonders die Liebe zur klassischen Musik auf dem Klavier. Gemeinsam wollen sie die Konzertbühnen dieser Welt erobern. 

Klassische Musik

Zwillinge am Klavier: Mit vier Händen zum Erfolg

  • schließen

Schon als Jugendliche hörten sie lieber Franz Schubert als Justin Bieber. Heute ist die klassische Musik ihr Leben. Die Zwillinge Clara und Marie Becker sind zwar erst 22 Jahre alt, aber als Klavier-Duo schon jetzt sehr gefragt. Am 7. März spielen sie in Lich.

Sie reisen und kochen gerne. Sie haben denselben Geschmack, was Mode und Musik angeht. Den größten Teil ihres Lebens verbringen sie gemeinsam. Seit sieben Jahren wissen die Zwillinge auch, dass sie beruflich dasselbe Ziel haben. Clara und Marie Becker wollen ein professionelles Klavier-Duo werden. Schon heute ist das mehr als ein Acht-Stunden-Job.

Aufgewachsen in Muschenheim, kamen die Töchter des Marienstiftskantors Christof Becker schon früh mit klassischer Musik in Kontakt, erhielten bereits im Alter von fünf Jahren privaten Klavierunterricht. Dass dieses Instrument auch mal ihre Berufswahl sein würde, daran dachten die heute 22-Jährigen lange nicht. "Wir hatten zwar Spaß am Spiel, aber das Interesse war nicht übermäßig", erinnert sich Clara Becker. Folglich war das regelmäßige Üben denn auch eher lästige Pflicht statt Wunschkonzert.

Keine guten Erinnerungen an frühere Solokonzerte

Für die Schwestern steht fest: Wären sie nach ihrem Umzug ins rheinland-pfälzische Kirchheimbolanden nicht 2010 Birgitta Lutz begegnet, hätten sie wohl nie ihren jetzigen Berufswunsch ins Auge gefasst. Frühere Solokonzerte haben beide nicht in besonders guter Erinnerung. "Alleine zu spielen, hat uns nicht motiviert", sagt Marie Becker. Erst die Pianistin und Komponistin stellte die Begabung der Mädchen für das gemeinsame Klavierspiel fest und unterstützte sie dabei. Aus einer Stunde Probe täglich wurden schnell mehrere. "Während des Abiturs sind wir zwei Stunden vor der Schule aufgestanden, um zu üben. Nach der Schule kamen weitere fünf Stunden dazu", erzählen die Zwillinge. Zeit für andere Hobbys blieb da nicht, ebenso wenig für Verabredungen. "Die anderen gingen in der Mittagspause zu McDonald’s, wir nach Hause zum Klavierspielen", sagt Clara Becker und lacht. Aber das war von den Schwestern so gewollt. Auch was Partys mit Freunden angeht, "hatten wir nie große Ambitionen". Kein Wunder, schwärmten die Zwillinge doch schon damals für andere Idole: Franz Schubert und Claude Debussy statt Justin Bieber und Ed Sheeran. Mittlerweile haben sich die jungen Frauen eine umfassende Literatur für ein und zwei Klaviere erarbeitet, ihr Repertoire umfasst Werke von der Barockzeit bis hin zu zeitgenössischer Musik. Zurzeit studieren Clara und Marie Becker in Florenz und Paris, außerdem arbeiten sie eng mit dem Komponisten und Pianisten Mathias Christian Kosel zusammen, was einen großen Stellenwert in ihrem Schaffen einnimmt.

Der Hamburger hat den Musikerinnen ein Stück für zwei Klaviere und Orchester gewidmet und dabei auch die unterschiedlichen Charaktere der jungen Pianistinnen berücksichtigt. Und die sind - trotz überragender Ähnlichkeit und denselben Neigungen - sehr verschieden. "Ich bin eher extrovertiert, lasse mich schnell begeistern, aber auch aus der Ruhe bringen", sagt Marie Becker. "Clara ist die ruhigere, ausgeglichenere von uns beiden." Deshalb spielt Marie in der Regel auch die solistische obere Lage, während Clara die rhythmisch bestimmende Basis im Bass übernimmt.

Nicht so allerdings bei ihrem neuesten Projekt. Die beiden haben sich an ein gigantisches Werk von Olivier Messiaen ("Visions de l’Amen") gewagt, das er für sich und seine Frau geschrieben und den solistischen Part untypischer Weise dem zweiten Klavier gegeben hatte. 50 Minuten dauert das Spiel, drei Jahre haben sich Clara und Marie Becker für das Einstudieren Zeit genommen. Clara Becker: "Das ist sehr intellektuelle Musik, so etwas kann man nicht von heute auf morgen."

Projekte wie dies sind für die beiden Motivation, ihren eingeschlagenen Weg weiter zu gehen. Denn der fordert ihnen auch einiges ab, allen voran Fleiß und Disziplin. Neun Stunden sitzen sie täglich am Klavier, ein gutes Dutzend Konzerte spielen sie pro Jahr, dazu das Studium.

Intuitive Verständigung

"Wir sind viel unterwegs", erzählen sie. Mit einer 40-Stunden-Woche ist das nicht machbar. "Man muss es lieben, sonst funktioniert das nicht", sagt Marie Becker. Und natürlich brauchen sie zurzeit noch Unterstützung, denn bis sie von ihrem Beruf leben können, wird es wohl noch etwas dauern. "Unsere Eltern halten uns den Rücken frei. Dafür sind wir sehr dankbar", sagt Clara Becker.

Zwillingen wird oft eine besondere Bindung nachgesagt. Haben Clara und Marie Becker diese und ist sie beim Spielen von Vorteil? "Ich denke schon. Wir sind uns sehr nahe", sagt Marie Becker. Dinge, die andere Klavier-Duos erst einstudieren müssen, sind bei den Schwestern einfach da. "Körperliche Absprachen wie das Einsätzegeben laufen bei uns intuitiv und nicht offensichtlich ab", so Clara Becker. Auch privat sind die beiden ein ständiges Team, gehen zusammen ins Kino, shoppen oder ins Café. Marie Becker: "Wir machen so viele Dinge gemeinsam. Für uns ist es unnatürlich, uns für eine längere Zeit zu trennen."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare