Vielfältig und kontrastreich

  • schließen

Einer schwierigen Aufgabe stellte sich die Marienstiftskantorei gemeinsam mit der Capella Instrumentalis und hervorragenden Solisten am Karfreitag in der stark besuchten Marienstiftskirche: Die "Matthäus-Passion" zur Leidensgeschichte Jesu gilt als anspruchsvollstes Oratorium Johann Sebastian Bachs. Immens ist die Vielfalt musikalischer Formen, sie reicht von schlichten Chorälen über kontemplative Arien bis hin zu virtuosen Chorsätzen. Als besondere Herausforderung erwies sich die doppelchörige Konzeption, die es Bach etwa erlaubt, Dialoge anschaulich hervorzuheben. Kantor Christof Becker trieb Sänger wie Instrumentalisten zu einer rundum hörenswerten Interpretation.

Einer schwierigen Aufgabe stellte sich die Marienstiftskantorei gemeinsam mit der Capella Instrumentalis und hervorragenden Solisten am Karfreitag in der stark besuchten Marienstiftskirche: Die "Matthäus-Passion" zur Leidensgeschichte Jesu gilt als anspruchsvollstes Oratorium Johann Sebastian Bachs. Immens ist die Vielfalt musikalischer Formen, sie reicht von schlichten Chorälen über kontemplative Arien bis hin zu virtuosen Chorsätzen. Als besondere Herausforderung erwies sich die doppelchörige Konzeption, die es Bach etwa erlaubt, Dialoge anschaulich hervorzuheben. Kantor Christof Becker trieb Sänger wie Instrumentalisten zu einer rundum hörenswerten Interpretation.

Überzeugende Solisten

Feinfühlig baute das in der historischen Aufführungspraxis versierte Orchester in der Einleitung weihevolle Atmosphäre auf, gleichermaßen hingebungsvoll, zudem mit guter Textverständlichkeit sang die Kantorei den Eingangschor "Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen"; bereits hier macht Bach raffiniert von der Dialogform Gebrauch.

Tenor Bernhard Scheffel als Evangelist deklamierte die Rezitative prägnant und gefiel durch seine leuchtkräftige Stimme. Ebenso überzeugten die weiteren Solisten: Altistin Martina Borst sang die Arie "Buß und Reu knirscht das Sündenherz entzwei" voller religiöser Ehrfurcht; Traversflöten bildeten hier eine klanglich warme, die Stimmung intensivierende Untermalung. Sopranistin Sabine Götz beeindruckte in dem Rezitativ "Blute nur, du liebes Herz" durch musikalische Eleganz; sehr ansprechend zur Geltung kam hier die markante Seufzermotivik. Mit ausgeprägter Fantasie beeindruckte auch Bassist Burkhard Zass, stellenweise hätte man sich bei ihm indes eine sauberere Aussprache gewünscht.

Über einen besonders reichen Erfahrungsschatz verfügte Bassist Matthias Weichert als Jesus. An seinem Solo "In dieser Nacht werdet ihr euch alle ärgern an mir" ist gerade die bewegliche, für lebendigen melodischen Fluss sorgende Tempogestaltung zu loben.

Becker dirigierte mit Sinn fürs große Ganze, achtete etwa bei den Chorälen auf runde musikalische Bögen und vermittelte in sich stimmig die strenge Dramaturgie.

Einen Höhepunkt des Konzerts bildete die Menschlichkeit herüberbringende Tenorarie mit Chor "Ich will bei meinem Jesu wachen". Voller Spannung steckte die Sopran- und Altarie "So ist mein Jesus nun gefangen" mit dem scharfen Kontrast zwischen ruhigem Sologesang und vehementen Choreinwürfen. Von ungeheurer Wirkung war der anschließende Chor "Sind Blitze, sind Donner in Wolken verschwunden?"

Ein weiteres Glanzlicht markierte die Sopranarie "Aus Liebe will mein Heiland sterben", derart tief empfunden mutete die kristallene Interpretation an. Auch im Verlauf bezauberten immer neue gestalterische Details, bei dem berühmten Choral "O Haupt voll Blut und Wunden" beispielsweise setzte die Kantorei die zweite Strophe durch die Zurücknahme der Tonstärke nuanciert von der ersten ab.

Unter den Barockinstrumenten der Capella Instrumentalis faszinierten am meisten die Oboen mit ihrem reizvoll näselnden Ton sowie die klanglich intime Gambe. Bis hin zum Schlusschor "Wir setzen uns mit Tränen nieder" folgten die Hörer der Aufführung gebannt und spendeten lang anhaltenden Beifall.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare