Videokamera überführt den Täter

  • vonConstantin Hoppe
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Lich/Gießen(con). Der junge Rumäne wird in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Er wirkt gefasst und ruhig, als ihm die Anklageschrift verlesen wird, dabei wiegen die Vorwürfe schwer: Am 22. Februar dieses Jahres soll der 23-Jährige in Lich eine Frau angegriffen und vergewaltigt haben. Seit Dienstag muss er sich dafür vor dem Gießener Landgericht verantworten. Er schwieg allerdings zu den Vorwürfen.

Das 60-jährige Opfer war an besagtem Abend in einer Gaststätte in Lich. Gegen 21.30 Uhr verließ sie das Bistro und machte sich auf den Nachhauseweg. Dabei wurde sie laut Anklage von dem 23-Jährigen verfolgt. In der Nähe des Licher Schlosses attackierte der Angeklagte die 60-Jährige, warf sie zu Boden, zog sie in ein Waldstück und setzte sich auf sie. Als sich die Frau wehrte und um Hilfe schrie, hielt er ihren Mund zu, würgte und bedrohte sie: "In einer Minute bist du tot, wenn du nicht still bist", soll der Täter in gebrochenem Deutsch gesagt haben. Im Anschluss vergewaltigte er die 60-Jährige.

Da das Opfer sich aber weiterhin wehrte, würgte und bedrohte er sie noch mehrere Male. Schließlich konnte sich die Frau nach mehreren Minuten befreien und fliehen. Sie trug Verletzungen am ganzen Körper davon.

Seit Kurzem Vater

Während der Verhandlung am Dienstag wollte sich der Angeklagte vor Gericht nicht zu den Vorwürfen äußern, gab jedoch Auskunft über seine Lebensverhältnisse. Der 23-jährige Rumäne stammt aus ärmlichen Verhältnissen und lebt derzeit den größten Teil des Jahres in Deutschland, um hier zu arbeiten - etwa bei der Spargelernte oder in der Fleischverarbeitung. In Rumänien hat er eine Partnerin, im vergangenen Oktober wurde das erste Kind des Paares geboren. Im Januar kehrte er zurück nach Deutschland. Im Februar wurde er von seiner Firma nach Lich geschickt, um in einem fleischverarbeitenden Betrieb zu arbeiten.

Zu eventuellen Vorstrafen in Rumänien äußerte sich der 23-Jährige nicht, auch auf die Frage der Staatsanwältin, ob er in seiner Schulzeit eine Fremdsprache erlernt hat, gab er keine Antwort. Vor Gericht ist ihm ein Dolmetscher zugeteilt. In Deutschland liegt nur ein Eintrag gegen den jungen Mann vor - eine Busfahrt ohne Ticket.

Auch das Opfer sagte am Dienstag vor Gericht aus - zum Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Der 23-Jährige wurde anhand von Videoaufzeichnungen der Gaststätte identifiziert, bei den weiteren Ermittlungen erhärtete sich dann der Tatverdacht. Derzeit befindet er sich in Untersuchungshaft in der JVA Gießen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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