Zwischen Kirchboden und der Kreisstraße nach Birklar sollen in Muschenheim 35 neue Bauplätze entstehen. FOTO: US
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Zwischen Kirchboden und der Kreisstraße nach Birklar sollen in Muschenheim 35 neue Bauplätze entstehen. FOTO: US

Verträgt Muschenheim noch mehr Verkehr?

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Lich(us). Ein Neubaugebiet in Muschenheim: Als sich die städtischen Gremien im vergangenen Jahr mit diesen Plänen eines privaten Projektierers beschäftigten, war die Zustimmung groß. Schon länger waren in den Stadtteilen Befürchtungen laut geworden, dass die Dörfer von der Entwicklung der boomenden Kernstadt abgehängt werden könnten. Da kamen die geplanten 35 Bauplätze für Einfamilien- und Doppelhäuser zwischen Kirchboden und Birklarer Chaussee wie gerufen. Ortsbeirat, Bauausschuss und schließlich das Stadtparlament sprachen sich für die Aufstellung des notwendigen Bebauungsplanes "Im Kirchboden - Teil 2" aus.

Rechenexempel: 200 Fahrten mehr

In diesem Frühjahr, bis Juni, waren die Unterlagen öffentlich ausgelegt. Alle Interessierten konnten Einsicht nehmen und sich zu den Plänen äußern. Auch Reimund Marx, der stellvertretende Vorsitzende der Demokratischen Bürgerliste Lich, hat das getan. Sein Fazit: Gegen das Baugebiet an sich sei nichts einzuwenden. Aber es müsse anders erschlossen werden. In einer Informationsveranstaltung, zu der die DBL am Freitag eingeladen hatte, forderte Marx eine Zufahrt von der Birklarer Chaussee. Der Bebauungsplanentwurf aber enthält eine andere Variante, nämlich die Erschließung durch eine Ringstraße, die über den Klosterweg und den Kirchboden zu erreichen ist. Alle, die künftig ins Neubaugebiet wollen, müssen durch den alten Ortskern von Muschenheim fahren.

Den rund 25 Besuchern in der Sport- und Kulturhalle machte Marx ein Rechenexempel auf: Für jeden der 35 Bauplätze seien zwei Stellplätze vorgesehen. Macht zusammen 70 Autos, die pro Tag einmal aus dem Baugebiet raus und wieder rein fahren. Zusammen mit Besuchern und Lieferverkehr kommt der DBL-Mann auf rund 200 zusätzliche Fahrten, die der enge und jetzt schon ziemlich zugeparkte Ortskern mit seinen schmalen Bürgersteigen künftig verkraften muss. Das ließe sich über eine Anbindung an die Kreisstraße nach Birklar vermeiden. Marx: "Wir wollen eine Verkehrsberuhigung für Muschenheim erreichen."

Josef Benner, der Ortsvorsteher von den Freien Wählern, widersprach. Eine Zufahrt an der Kreisstraße würde das Problem nicht wesentlich entschärfen. Ein Teil des Verkehrs aus dem Neubaugebiet würde von dort weiter durch den alten Ortskern fließen, dann eben nicht durch den Klosterweg, sondern über Klausenberg und Schulstraße. Zudem sei der DBL-Vorschlag nicht zu realisieren, denn außerhalb des Ortseingangspunktes dürfe die Stadt keine Zufahrt bauen. Ähnlich hatte sich der damalige Bürgermeister Bernd Klein bereits im Juni 2019 im Bauausschuss geäußert: Einer Anbindung an die Kreisstraße werde Hessen Mobil nicht zustimmen. Marx aber will das nicht so einfach akzeptieren. Man müsse es wollen. Seine Vermutung. "Es geht nur ums Geld." Als Gegenbeispiel nannte er das Baugebiet an der Fasanerie in Lich: Die Zufahrt befindet sich außerhalb der Ortslage.

Ortsbeiratsmitglied Ralf Becker warnte davor, gleich ein Horrorszenario zu entwerfen. Er setzt auf die Verkehrswende. "Corona hat so viel verändert." Künftig werde es mehr Homeoffice und damit weniger Berufsverkehr geben. "Wir sollten uns lieber um Glasfaser kümmern."

Neben zusätzlichem Verkehr gibt es am geplanten Neubaugebiet noch weitere Kritikpunkte. "Wir werden Probleme mit der Entwässerung bekommen", warnte Manfred Weil. Auch städtebauliche Fragen kamen zur Sprache. Der Bebauungsplan erlaubt eine zweigeschossige Bauweise, Flachdächer und Staffelgeschosse. Wer alles ausreizt, kann einen richtig hohen Kasten hinsetzen. Passt das aber zu einem Dorf wie Muschenheim?

Manche finden: Nein. Im mehr als 20 Jahre alten Baugebiet im Kirchboden war das noch anders. Damals mussten sich die Bauherren mit eingeschossiger Bauweise begnügen, anfangs sogar noch ohne Kniestock. "Viel zu rigide, eine Fehlplanung sondergleichen", meint Stadtrat Dieter Hartmann-Harbusch, der selbst dort wohnt. "Aber städtebaulich ein Segen", lautet die Gegenmeinung.

Auch Ortsbeirat will informieren

Beim Baugebiet "Im Kirchboden - Teil 2" ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Ehe das Stadtparlament über den Satzungsbeschluss entscheidet, müssen die eingegangenen Anregungen und Bedenken abgewogen werden, darunter auch Reimund Marx’ Forderung nach einer zweiten Zufahrt. Und die Muschenheimer sollen eine weitere Gelegenheit bekommen, sich über das Projekt auszutauschen. Der Ortsbeirat will zu einer Informationsveranstaltung mit dem Planer einladen.

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