Barbara Lang
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Barbara Lang

"Veränderungen besonders gravierend bei Trauerfällen"

  • Armin Pfannmüller
    vonArmin Pfannmüller
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Lich(pd). Die Corona-Pandemie hat den Alltag aller auf den Kopf gestellt. An dieser Stelle werden in den kommenden Tagen Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen Einblicke in ihren neuen Alltag gewähren. Heute: Barbara Lang, Pfarrerin der Licher Marienstiftsgemeinde.

Frau Lang, wie verläuft Ihr Tag normalerweise?

Eigentlich sehr abwechslungsreich, kein Tag ist wie der andere. Es beginnt mit der Zeitungslektüre - auch die ist wichtig für eine Pfarrerin - und geht weiter mit der Vorbereitung von Veranstaltungen, Schule, Konfi-Unterricht und Gottesdiensten. Selbstverständlich gehören auch Mails und Telefonate zum normalen Arbeitstag. Es gibt Begegnungen mit Menschen, wenn es um Taufen oder Sterbefälle geht, und ich spreche mit Paaren,die getraut werden wollen.

Und wie sieht Ihr Alltag jetzt aus?

Die Zahl der Telefonate und Mails hat natürlich zugenommen. Neu dazugekommen sind Videokonferenzen. Einmal pro Woche praktizieren wir das mit den Konfirmanden. Das ist nicht so gut wie sich tatsächlich zu sehen, aber es ist besser als gar nichts voneinander zu hören. Besonders gravierend spüre ich die Veränderungen bei Trauerfällen. Ganz am Anfang der Corona-Maßnahmen war die Verunsicherung bei den Angehörigen sehr groß. Das hat sich mittlerweile gelegt. Die Betroffenen akzeptieren, dass Trauerfeiern im Freien und mit maximal 15 Personen stattfinden. Viele Menschen haben ein großes Bedürfnis, sich mitzuteilen. Manche Telefonate sind deutlich länger als früher. Mir ist es in solchen Gesprächen wichtig, mit Ruhe und Vernunft zu argumentieren und zu zeigen, dass es keinen Anlass zur Panik gibt. Selbstverständlich sind wir in einer Ausnahmesituation, doch verglichen mit der Lage vieler Menschen auf der Welt ist unsere Situation relativ sicher.

Was vermissen Sie am meisten?

Ich vermisse die echten Kontakte, das lockere und entspannte Zusammensein mit Menschen. Mir fehlen auch die kulturellen Veranstaltungen, die ich moderiere und besuche. Auch das gemeindliche Leben kommt in Gruppen derzeit nicht vor. Mir fehlt auch das Singen in der Kantorei - das tut der Seele gut. Am meisten vermisse ich aber meine Tochter Johanna. Sie ist vor fünf Wochen mit einer Freundin nach Neuseeland geflogen. Vor zwei Wochen wurde ihr Rückflug gecancelt. Jetzt wartet sie auf die Rückholaktion der Bundesregierung.

Und was ist positiv?

Mir und vielen anderen wird bewusst, wie gut es uns prinzipiell in Deutschland geht. Wir haben ein Gesundheitssystem, das vielen Menschen aus anderen Ländern so nicht zur Verfügung steht. Wir sind versorgt mit fast allem. Darüber sollten wir uns auch sonst im Klaren sein. Momentan wird zudem viel Kreativität freigesetzt. Man wagt, auch Dinge auszuprobieren, für die einem sonst die Zeit fehlt. Viele Menschen versuchen, so gelassen wie möglich zu bleiben, den Humor nicht zu verlieren. Viele nehmen bewusst die Schönheit der Natur wahr und richten den Blick auf die kleinen Dinge des Lebens. FOTO: PM

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