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Moderator Thorsten Büchner am Mikrofon mit (v. l.) Regisseur Reza Kamali, Chefarzt Michael Eckhard sowie den Protagonisten Achim, Milos und Vitali bei der Podiumsdiskussion. FOTO: JOU

Unbeugsamer Lebensmut

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Lich(jou). Sich in die Lage blinder Menschen versetzen - dazu regt Regisseur Reza Kamali in seinem Dokumentarfilm "Regenbogen" die Zuschauer an. Beim Alltagsporträt der Protagonisten Achim, Milos, Vitali und Pierre wird das Bild des Öfteren schwarz, und durch die Fokussierung aufs Akustische gewinnt man eine Vorstellung davon, wie schwer es ist, sich blind orientieren zu müssen. Viele Szenen stimmen nachdenklich, so fordert Vitali den Zuschauer indirekt auf, jeden Moment im Leben zu schätzen, wenn er fragt, was ein Sehender noch zu Gesicht bekommen wolle, wenn er nur noch für einen Tag sein Augenlicht besitze.

Benachteiligung bei der Wohnungssuche

Die stark besuchte Vorpremiere am Sonntag im Kino Traumstern beeindruckte das Publikum sehr. Regisseur Kamali hielt sich beim Publikumsgespräch zurück, überließ vielmehr Moderator Thorsten Büchner sowie den Protagonisten das Wort.

Vor und nach der Filmvorführung lieferte Vitali am Klavier eine musikalische Visitenkarte ab. Er stammt aus der Ukraine und siedelte mit seiner Familie als 14-Jähriger nach Deutschland über, weil sich die Eltern hier für ihn bessere Bildungschancen erhofften. 2005 begann er zunächst eine blindentechnische Grundausbildung bei der Blista in Marburg. In Lich berichtete er, er habe mittlerweile geheiratet und in Dortmund sein Zuhause gefunden.

Gleichermaßen optimistisch zeigten sich die weiteren Protagonisten - ihre Entschlossenheit, trotz Handicap den Lebensmut zu bewahren, blieb am meisten haften. So hat Pierre vor gut drei Jahren eine Partnerin kennengelernt; er will im Herbst sein Lehramtsstudium abschließen. Milos verlor mit 23 Jahren infolge einer Operation seine Sehkraft und sammelt immer noch mit leidenschaftlicher Hingabe Autos. Achim, der durch Diabetes erblindete und seine Tätigkeit als Landschaftsgärtner aufgeben musste, lässt sich nicht davon abhalten, weiterhin mit Axt und Motorsäge zu hantieren. Sein Arzt Michael Eckhard, Leiter des Universitären Diabeteszentrums Mittelhessen, wünschte sich, dass manch an Diabetes Erkrankter - einer häufigen Ursache für Erblindung - früher zur Behandlung komme, lehnte indes Schuldzuweisungen ab.

Dass Blinde zuweilen mit Vorurteilen zu kämpfen haben, verdeutlichte eine Zuschauerin, die auf deren Benachteiligung bei der Wohnungssuche hinwies. Mit Stereotypen sieht sich auch Vitali konfrontiert: Manche Leute würden denken, er sei taub. Der junge Mann ermutigte die Zuschauer, Blinde in Alltagssituationen zu fragen, ob sie Hilfe bräuchten. Vor wieder anderen Herausforderungen steht Achim. Er sucht einen passenden Blindenhund, zu dem er Vertrauen aufbauen kann.

Moderator Büchner lobte die Bereitwilligkeit der Protagonisten, sich vor der Kamera zu öffnen. Was Internist Eckhard an seinem Patienten Achim schätzt, gilt im Grunde für alle Protagonisten: Sie lassen sich durch eingeschränkte Sinneswahrnehmung nicht daran hindern, ein aktives Leben zu führen.

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