Die Energie, die von Yvonne Mwale auf der Bühne ausgeht, findet ihren Weg zu den Zuhörern. Auch, wenn coronabedingt nicht getanzt werden darf. FOTO: USW
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Die Energie, die von Yvonne Mwale auf der Bühne ausgeht, findet ihren Weg zu den Zuhörern. Auch, wenn coronabedingt nicht getanzt werden darf. FOTO: USW

Übersprudelndes Temperament

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Lich(usw). Schwungvoller hätte der Auftakt der Reihe "Sommermusikwelten" am Mittwochabend in Lich nicht ausfallen können: Die Sängerin und Komponistin Yvonne Mwale aus Sambia und ihre Band elektrisierten die Zuschauer im Kino Traumstern mit ihrer ausgewogenen Mischung aus Tribal Music, Pop, Jazz und Funk. Es war ein ganz fein abgeschmecktes Programm. Mwales übersprudelndes Temperament setzte dem Ganzen noch die Krone auf.

"Es ist das erste Konzert in einem geschlossenen Raum seit einem halben Jahr, das wir uns wieder zu organisieren und anzubieten trauen", sagte Peter Damm vom Veranstalter "KünstLich" bei der Begrüßung. "Unser kleines Weltmusikfestival läuft jetzt im 14. Jahr, doch vor wenigen Wochen wussten wir nicht, ob wir es überhaupt würden durchführen können." Und so dankte Damm vor allem den Machern des Mittelhessischen Kultursommers, ohne deren - wie Damm es nannte - "großzügige Förderung" die Sommermusikwelten wohl ausgefallen wären.

Mwale, die in Deutschland lebende Musikerin, stellte an diesem Abend ihr aktuelles Album "Free Soul" vor, spielte aber auch Titel aus anderen ihrer vier CDs. Vor allem hatte sie ihre Band dabei: Nico Hering (Keyboard), Tilmann Höhn (Gitarre), Andreas Neubauer (Schlagzeug), und Matthias Deisenroth (Bass). Das Quartett sorgt vom ersten Moment an für eine exzellente musikalische Grundlage, federnd im Rhythmus und druckvoll im Groove, und agierte dabei mit amtlicher Geschlossenheit. Dass der Abend gar nicht schiefgehen konnte, wusste man vom ersten Ton an, so viel Energie steckte im Geschehen.

"Kommunikation mit Menschen, von Seele zu Seele" ist Mwales Credo, und daran lässt sie von Beginn an keinen Zweifel. Schon der Opener "Wela Soti" zieht mit rockigem Jazz die Zuhörer mit, schwer funky ist das und geht direkt ins Blut. Im zweiten Titel "Akumba" groovt sich die Band in einen komplexen Rhythmus ein. Hier schon zeigt sich ein wesentliches Element dieser Musik, die Integration verschiedenster Musikstile. Mwales Stimme fließt zwischen afrikanischen Elementen, Soulphrasen und einfach schönem Gesang mühelos hin und her.

Das Ziel ist eine immer tanzbare Synthese. Mwale selbst verkörpert das einleuchtend. Wie eine wildgewordene Tänzerin zischt sie über die Bühne, nutzt den Raum, und verbindet in ihrer Choreografie unterschiedlichste Gesten, Stimmungen und Stile; sie scheint im Wesentlichen aus Gummi zu bestehen. Und aus guter Laune.

Yvonne Mwale musste diverse Konzerte absagen und zeigt nun unverhüllt ihre Freude am Musik machen. Abwechslung bieten die Kompositionen, die häufig überraschende stilistische Wechselwirkungen enthalten. Mwale redet oft mit dem Publikum, erklärt kurz - ihr Deutsch ist nicht so fließend - worum es geht. In einem Song etwa "um Oma und Opa", einen anderen kündigt sie einfach als "Dance Song" an.

Zwar darf man leider bei diesem Konzert ausdrücklich nicht tanzen, doch die Energie, die von der Bühne ausgeht, findet ihren Weg zu den meisten Zuhörern: Heftig bewegen sie sich in den Sesseln, die Füße zucken und nicht selten wird mitgeklatscht. Der Beifall am Ende fällt dann auch sehr lange und sehr intensiv aus.

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