Nora Pleil, Joe Bonica und JJ Fischer. FOTO: USW
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Nora Pleil, Joe Bonica und JJ Fischer. FOTO: USW

Black Coffee in Lich

Überbordende Spielfreude beim Auftritt von "Black Coffee" 

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Zum Weihnachtskonzert hatte Black Coffee in die Traumstern-Kinokneipe eingeladen.

Lich(usw). Einmal kommt der Weihnachtsmann, und jedes Jahr spielt JJ Fischers "Black Coffee" nach dem Fest zwei Konzerte mit Sängerin Nora Pleil in der Traumstern-Kinokneipe. So ist das nun mal in der Region. Die Konzerte sind immer rappelvoll und stets ein Volltreffer. Neu waren dieses Jahr ein weiterer Auftritt am zweiten Feiertag in der Waggonhalle in Marburg und eine deutlich höhere Qualität.

Ein flotter Groove

Schon beim Opener "Tune 88" war die Welt plötzlich in besserer Ordnung als sonst: Ein flotter Groove, elegant und funky, der einfach den Saal füllte und immer intensiver wurde. Großartige Geschlossenheit, gepaart mit einer überbordenden Spielfreude, schlugen das Publikum in den Bann, ehe man es begriff. Es war einfach nicht genau dieselbe Band wie letztes Jahr - es war eine bessere.

Neu dabei war Altsaxofonist Stefan Koch. Der stellte sich als exzellente Ergänzung nicht nur der Bläser heraus, nämlich Ron Faust (Bariton- und Tenorsaxofon) und Andreas Jamin an der Posaune, was einen glänzenden, kraftvollen Satz ergab. Zuweilen hörte man richtige Bigbandsounds. Shanaka Perera agierte etwa in "Fragile" leichtfüßig und originell an den Keyboards, Martin Gniess präzise und mit diskreter solistischer Energie am Bass, Joe Bonica brillierte hochengagiert am Schlagzeug, und JJ Fischer sang und spielte nicht selten beseelt Gitarre.

Hypnotisches Timbre

Allein wie Nora Pleil ihren ersten Titel "Angel eyes" gestaltete, gefühlvoll und mit Top-Timing, war wieder eine Überraschung. "I’ve got to see you again", genüsslich verschleppt, umschmeichelte die Zuhörer, Faust kuschelte sich sensibel an die Stimme, während Pleil ein hypnotisches Timbre an den Tag legte.

Dem Ensemble sah und hörte man die massive Spiellust deutlich an. "It don’t mean a thing" etwa rauschte mit einem Rhythmus los, bei dem definitiv jeder mitmusste. Es gab allerdings nur Freiwillige. Fischer verblüffte an diesem Abend mit geradezu gepflegtem, angenehm emotionalem Tenor als Kontrast zur gewohnten stimmungsvollen Rauheit.

Nächstes Glanzlicht war Pleils Fassung von "Misty", das sie lyrisch, ja lieblich und mit frischen neuen Höhen interpretierte, unterstützt von einem kongenialen Bläserschmusen; einfach großartig, der Beifall wurde immer länger. Ebenso vorzüglich sang sie Robert Palmers sanftes "Don’t explain", sehr stimmungsvoll eingeleitet einigen wunderbar ominösen Tomtom-Akzenten von Bonica. Abwechslung war ein durchgehender Bestandteil des Repertoires, das man weise auf zwei Sets mit Pause verkürzt hatte.

Band in Bestform

Auch der "Coffee"-Standard "To serve somebody" klang irgendwie anders, und damit war die erste Hälfte schon um. Die Band agierte traumhaft fließend, in einem außergewöhnlich sensiblen Zusammenspiel. Pleil wiederum hat inzwischen eindeutig eine höhere Ebene erreicht und überzeugte durch sichere Gelassenheit und deutlich mehr Facetten und Emotion im Gesang. Den ausgezeichnet transparenten und ausgewogenen Saalsound mischte Volker Seidler.

Höhepunkt des Abends war Pleils Wiedergabe von Stings "Roxanne", in der sie ihre Fähigkeiten erneut vollends zur Geltung brachte und selbst den erfahrenen Zuhörer berührte. Ein weiterer goldener Standard im Programm ist das Lied der Schlange Ka, "Trust in me", aus dem Film "Dschungelbuch". Man präsentierte eine neue, eleganter gleitende Fassung, genau wie "A day in the life" mit neuen Ideen vitalisiert erklang.

Es war das bisher beste Konzert der Formation überhaupt, die hier mit umwerfender Geschlossenheit, neuen Ideen und seelenvoller Hingabe agierte. Dem wollte sich keiner der Zuhörer entziehen. Enormer Beifall, man erbat nachdrücklich und erhielt zwei Zugaben.

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