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Erobern ihr Publikum im Traumstern: (v. l) Jeroen van Vliet, Markus Stockhausen, Jörg Brinkmann und Christian Thomé.

Trompete gibt Richtung vor

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Lich (usw). Ein herausragendes Konzert lieferte am Mittwoch im Traumstern die Markus-Stockhausen-Group. Das erfahrene Quartett um den Ausnahmetrompeter agierte als Ensemble von herausragender Konstruktivität im Zusammenspiel und ebensolchem Einfallsreichtum. Das Publikum im gut besuchten Kino war am Ende restlos hingerissen und zufrieden.

Man werde überwiegend Titel von der aktuellen Dreifach-CD »Tales« spielen, erklärte Stockhausen eingangs, um dann ohne Umschweife mit »Far into the stars« zu beginnen. Der Titelsong des gleichnamigen Albums von 2017 (»Eine Suite«) wies schon mal die Hauptrichtung.

Die dominante Trompete, elektronisch mit Harmoniestimmen versehen und in einen satten stereophonischen Hall gebettet, gab zunächst die Richtung vor. Das hatte einen Hauch von Sphärenmusik, von Weltraumanmutung. Schon hier zeigte sich wieder, dass Stockhausen ein begnadeter Klangmodulierer ist, der einen großen Sound minutiös zu gestalten und mit Details auszustatten versteht. Dabei macht er immer mal wieder ein paar Tanzschritte, schwingt im Rhythmus mit und hat Spaß.

Cello erzählt eine Geschichte

Das Klavier ergänzte mit einem einzelnen Grundton, während eine Interaktion zwischen Flügelhorn und Cello begann. Dann plötzlich ein schneller Rhythmus, man macht sozusagen Strecke, bis zum Finale. Ein ganz filigranes Ausklingen, nur mit Klavier und Percussion, souverän gestaltet - ein Glanzlicht als Aufmacher sozusagen. Sofort Riesenbeifall.

Das Quartett ist gerade auf einer Viertagestour durch Deutschland, es besteht aus Markus Stockhausen (Piccolotrompete, Trompete, Flügelhorn), Jeroen van Vliet (Piano, Keyboards), Cellist Jörg Brinkmann und Schlagzeuger Christian Thomé.

Das folgende »A smile« zeigte die Vielfalt der Formation auf. Phasenweise wurde etwa ohne Stockhausen wie im Trio musiziert, hier mit durchaus fröhlicher Lebendigkeit, eine starke Schlagzeugstrecke wurde integriert, klarer Abschluss.

Ironisch kündigte Stockhausen den nächsten Titel »Sunday morning« als »easy listening« an, gerade so, als habe man bis dahin schwere Kost serviert. Allerdings gab es ein eingängiges Metrum als Basis, das war eine Abwechslung.

Eine sanfte Eleganz prägte jetzt die Musik, während das Cello mal verfremdet tönte: Cellist Brinkmann hatte ein Schaltbrett vor den Füßen, das auch einem Gitarristen gehört haben könnte, und er wusste es einzusetzen. So addierte er oft mit aparten Klangverfärbungen substanzielle Akzente und Veränderungen zum Geschehen.

Im folgenden »Nicht umsonst« erwies sich Schlagzeuger Thomé unter anderem als äußerst effektbewusster Perkussionist, der mühelos hochsensibel jeder Nuance der Komposition folgte und sie hochwertig ergänzte, tatsächlich spielte er im Ganzen die vierte Stimme.

Attraktiv war die Duo-Aktion zwischen Trompete und Cello, eine ebenso direkte wie intime Kommunikation. Dann brachte Thomé den Titel ruhig in Bewegung. Stockhausen schlug insgesamt immer neue, unvorhersehbare Richtungen ein. Brinkmann überraschte im eingebetteten »Better world« dann mit einem Solo von fulminanter Musikalität.

Nicht erst im nächsten Triostück überzeugte Pianist de Vliet. Mit überzeugender Vielfalt leitete er ruhig und nachdenklich ein, um dann sensibel und konstruktiv überzuleiten, Das Schlagzeug redete mit, das Cello erzählte eine Geschichte - es war nicht mehr von dieser Welt. Es ging noch weiter, immer auf demselben hohen Niveau.

Der Veranstalter »künstLich« konnte zufrieden sein: Ein Top-Konzert und ein begeistertes Publikum, das gar nicht aufhören wollte zu applaudieren: zwei Zugaben.

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