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Pinselstrich für Pinselstrich fügt Halise Adsan ihr riesiges Gemälde am neuen Rewe-Markt zusammen. Die muntere Eselparade im Vordergrund bildet die Vorlage.

Tierischer Hingucker

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Lich (nab). Neun Esel ziehen seit Tagen alle Blicke auf sich. Im Vorübergehen beginnen die Passanten zu tuscheln, meist lachen sie. Das Leben ist schön. So ist auch der Titel des Kunstprojekts, das zurzeit Halise Adsan an der großen grauen Mauer neben dem neu gebauten Rewe-Markt realisiert. Grau ist die Mauer auf einer Fläche von 15 Metern Breite und sechs Metern Höhe genau genommen nicht mehr: Sie ist giftgrün, mittendrin prangen die Eselsköpfe. In wenigen Tagen will Adsan (Ruken’s Gallerie, Marburg) mit dem Bild fertig sein - das Werk ist ein Vorbote der "Kunst in Licher Scheunen" am 7. und 8. September. Ideengeber der Eselparade ist der 2018 verstorbene Initiator des Kunst-Events, Dr. Erhard Roth.

Erste Station eines Kunstweges

"Wir hatten schon länger darüber nachgedacht, etwas Bleibendes zu installieren", berichtet Paul-Martin Lied von der verantwortlichen Arbeitsgemeinschaft "Fahr nach Lich". Das Projekt soll der Beginn eines Kunstweges sein, der jährlich im Rahmen von "Kunst in Licher Scheunen" um eine Station erweitert wird. "Das Gemälde ist sozusagen ein Pilotprojekt, denn weitere Bilder oder Installationen sollen in Lich Kunst im Alltag erlebbar machen", fügt Lothar Liebermann hinzu. Möglich wurde dies durch Spenden Licher Unternehmen und Privatpersonen und durch Förderung des Kultusministeriums und der Kulturförderung des Landkreises Gießen. "Für nächste Projekte freuen wir uns auf viele Vorschläge und Ideen von Lichern", erläutert Lied.

Für die Künstlerin aus Marburg, die 2017 im Hessischen Landtag ausstellte, ist die Dimension des Gemäldes neu. Und eine Herausforderung, denn das Malen in schwindelerregender Höhe auf dem Gerüst hat so seinen Tücken. Doch die Esel sind ihre Lieblinge; die Vierbeiner haben zudem eine besondere Bedeutung. In Adsans kurdischer Heimat sind sie Schutzwesen, die Menschen vor Gefahren bewahren sollen. Wenn man einen weißen Esel gesehen hat, bringt es beispielsweise Glück und positive Energie. Und die soll auch dieses Bild vermitteln.

Wenn Adsan ausstellt, spendet sie auch immer einen Teil der Einnahmen an soziale Projekte. Gerade die Verständigung von Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft liegen ihr am Herzen. Genauso wie die Faszination für Farben. Denn am Ende wird man keineswegs nur graue Esel auf der Wand sehen. Schon jetzt trägt einer von ihnen eine Sonnenbrille. Und auch die Farben werden nach und nach noch wechseln, von Blau zu Pink. Wer weiß, was sich Adsan noch einfallen lässt. Das Ergebnis kann man schon in wenigen Tagen begutachten.

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