Tief empfunden und virtuos gespielt

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Was als "Hauskonzert" im Programm der Licher Kulturtage angekündigt war, erwies sich als Musikerlebnis auf höchstem Niveau. Dazu mit Informationsgehalt für die Klassikfreunde: Mendelssohn und Grieg sind zwar geläufige Namen, aber ihre Kompositionen für Cello und Klavier gehören zu den weniger oft gehörten Werken. Und wenn dann zwei junge Musiker mit herausragendem Können auftreten, dann wird ein schlicht als Hauskonzert angekündigter Termin zum exquisiten Bonbon für die Ohren.

Was als "Hauskonzert" im Programm der Licher Kulturtage angekündigt war, erwies sich als Musikerlebnis auf höchstem Niveau. Dazu mit Informationsgehalt für die Klassikfreunde: Mendelssohn und Grieg sind zwar geläufige Namen, aber ihre Kompositionen für Cello und Klavier gehören zu den weniger oft gehörten Werken. Und wenn dann zwei junge Musiker mit herausragendem Können auftreten, dann wird ein schlicht als Hauskonzert angekündigter Termin zum exquisiten Bonbon für die Ohren.

So war es am Sonntagnachmittag in der Mengesstraße 11, wo Gastgeberin Christiane Hofmann den Cellisten Jan Ickert und den Pianisten Dmitry Ablogin willkommen hieß. Die Musik hat hier seit Jahren ein Zuhause im eigens dafür konzipierten Raum, wo nunmehr das neunte Konzert im Rahmen der alljährlichen Kulturtage stattfand.

Kraftvoll und klar strukturiert

Der jugendlich wirkende Cellist Jan Ickert, 1977 in Friedberg geboren, hat seine Lorbeeren auf Konzertpodien und in Orchestern gesammelt, ist überdies ein gefragter Pädagoge und seit 2017 an der Frankfurter Musikhochschule Professor in seinem Fach.

Dimitry Ablogin, gerade 30 Jahre alt geworden, stammt aus Moskau und hat dort die berühmte Gnessin-Akademie mit Auszeichnung absolviert, ist vielfacher Preisträger und gastiert auf internationalem Parkett.

Der Nachmittag in dem intimen Rahmen war Werken von Felix und Fanny Mendelssohn Bartholdy sowie Edvard Grieg gewidmet, und Ablogin gab einführende Erklärungen dazu.

Zu Beginn wurde als Visitenkarte von fein abgestufter sanglicher Klangschönheit des Cellos und mit souveräner Klavierbegleitung Felix Mendelssohns Lied ohne Worte D-Dur op. 109 präsentiert. Es folgte Fanny Mendelssohns Capriccio in As-Dur, das die ältere Schwester von Felix als hochrangige Komponistin zeigt: Dem melancholischen Beginn schloss sich ein feuriges Presto an mit markanten Oktavsprüngen des Cellos und bruchlos geführten Übergängen bis hin zum überschwänglichen Schluss.

Kraftvoll und klar strukturiert musizierte das hochkarätige Duo Felix Mendelssohn Bartholdys Sonate B-Dur op.4. Der machtvolle dunkle Ton des Cellos, ein Instrument von Giovanni Cavani (Modena) aus dem Jahre 1870 mit herrlich vollem Klang, trat in spannungsreichen Dialog mit dem perlend-virtuosen Zugriff des Pianisten.

Ickert und Ablogin schufen hochromantische Bilder mit immer wieder frischem Einsatz. Der energievollen Coda des Eingangssatzes folgte ein Andante, dem die Pizzicato-Einschübe eine gespenstische Note verliehen. Stimmungsvolle Legati und quirlige Passagen stehen im Schluss-Allegro nebeneinander.

Noch höher sind die Anforderungen in Edvard Griegs Sonate a-Moll op. 36, dem die Solisten Griegs Allegretto E-Dur voranstellten: Verhaltene Melancholie, volkstümlich-tänzerische Rhythmik, Schwelgen in den höchsten Lichtsphären – das sind hier die Stichworte zum Kosmos des skandinavischen Romantikers.

Seine Sonate stellt enorme Ansprüche an Technik und Musikalität der Ausführenden. Der Wechsel von düsterer Dramatik und schwingender Leichtigkeit in kunstvoll verflochtenem Ineinandergreifen der Motive steigerte sich im Zugriff der Musiker zu rhapsodischer Wucht.

Oder darf es ein Hauch Wagnerischer Stimmung sein? So zum Beginn des Andante, das mit lebendiger Zwiesprache beeindruckte. Im Schlussallegro zauberte besonders der Pianist mit virtuosem Impetus ein ganzes Orchester herbei. Immer wieder die Rückkehr zum folkloristischen Thema, Staccati auf den Tasten, Pizzicati am Cello – Hochspannung bis zum Schluss!

Entsprechend enthusiastisch war der Beifall im intimen Konzertraum, und die Interpreten stellten ihre Stilsicherheit mit zwei Zugaben (Mendelssohn, Grieg) nochmals auf sympathische Art unter Beweis.

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