»Therapierbar, aber nicht heilbar«

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Lich (pm). Dass das Jubiläum ausgerechnet auf den 4. März fällt, ist natürlich nur dem Zufall geschuldet. Aber so eine runde Zahl macht sich dann doch ganz gut. Der 4. März nämlich ist der Weltadipositastag. Da passt es, dass in Adipositaschirurgie der Licher Klinik der 100. Patient operiert wird.

Vor einem Jahr ist die Sektion gegründet worden, Dr. Jens Albrecht leitet sie. Und Albrecht wird nicht müde zu betonen, wie wichtig Aufklärung und auch Verständnis für dieses Krankheitsbild sind.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts sind zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen in Deutschland übergewichtig. Ein Viertel der Erwachsenen ist stark übergewichtig, auch adipös genannt.

Bei Adipositas handelt es sich um eine chronische Krankheit, die mit eingeschränkter Lebensqualität und hohem Risiko für Folgeerkrankungen einhergeht. Dabei leiden Betroffene nicht nur unter den körperlichen Folgen, sondern auch unter der Stigmatisierung durch Mitmenschen.

Aufgrund der mannigfaltigen Begleiterkrankungen finden sich adipöse Patienten nahezu überall im Gesundheitswesen, sei es beim Orthopäden, beim Diabetologen und natürlich beim Hausarzt. Viel zu selten, so heißt es in einer Pressemitteilung der Klinik, werden diese Patienten konstruktiv beraten. Dies rühre nicht zuletzt daher, dass sich der Mehraufwand, der bei der Betreuung schwer Adipöser betrieben werden muss, nicht rechne. »Adipositas ist eine chronische Erkrankung, die Ursachen sind meist sehr komplex und reichen von genetischen über psychologische und soziokulturelle bis zu ökonomischen Faktoren. Nicht selten liegt eine Kombination von Ursachen zugrunde, die durch eine ausführliche Anamnese erkannt werden müssen«, sagt Experte Albrecht.

Apfeltyp besonders gefährdet

Krankhaftes Übergewicht führt zu zahlreichen Folgeerkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck oder Fettleber. Entscheidend für das Risiko einer Folgeerkrankung ist die Fettverteilung am Körper. Bei einer bauchbetonten Adipositas, hier spricht man vom sogenannten Apfeltyp, ist das Risiko am größten. Fettpolster an Gesäß und Beinen sind weniger schädlich.

»Sollten die kritischen Werte beim BMI überschritten sein und sich bereits Folgeerkrankungen realisiert haben, empfehle ich dringend eine ärztliche Behandlung«, sagt Albrecht. Doch wie läuft diese ab? Begonnen wird mit einer konservativen Behandlung aus Ernährungsberatung und Bewegungstherapie. Auch psychologische Angebote gehören dazu. Sollten das nicht zum Erfolg führen, wird ein chirurgischer Eingriff erwogen. Dabei gelten der Magenbypass und der Schlauchmagen als Standardoperationen. Während beim Bypass eine Umleitung um den noch vorhandenen Magen gelegt wird und die Nahrung nicht mehr vollständig verwertet und aufgenommen werden kann, werden beim Schlauchmagen etwa 80 Prozent des Magenvolumens entfernt.

Die OP, so betont Albrecht, sei aber nur einen Pfeiler der Therapie. Die Erkrankung bedürfe einer nachhaltigen Veränderung des Lebensstils, »denn Adipositas ist therapierbar, aber nicht heilbar.«

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