Passen perfekt zusammen - und nicht nur, weil beide nach alter Rechtschreibung mit "ph" geschrieben werden: Stephan Geiger und sein Saxophon. Nun hat er im Studio eine eigene CD mit 14 Titeln aufgenommen. FOTO: FOTOWERKSTATT LICH
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Passen perfekt zusammen - und nicht nur, weil beide nach alter Rechtschreibung mit "ph" geschrieben werden: Stephan Geiger und sein Saxophon. Nun hat er im Studio eine eigene CD mit 14 Titeln aufgenommen. FOTO: FOTOWERKSTATT LICH

Musiker aus Muschenheim

Stephan Geiger und sein Saxophon

  • vonPatrick Dehnhardt
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Stephan Geiger und sein Saxophon sind eins. Er hat auch vor dem Kaisergespielt und vor Tausenden von Konzertbesuchern. Nun hat der 57-Jährige Muschenheimer eine neue CD veröffentlicht.

Wenn Stephan Geiger zum Saxophon greift, ist dies stets ein besonderer Moment. Schon der erste Ton lässt einen den Alltag vergessen, beim zweiten ist man in einer anderen Welt. Es ist pure Magie, einfach unvergesslich schön. Die Entscheidung, Musiker zu werden, sagt er, habe er nie bereut.

Der Dirigent mit Wahlheimat Muschenheim wurde am 20. Oktober 1963 in Offenburg geboren. Die Musik spielte in seiner Familie stets eine Hauptrolle: "Mein Vater spielte Klarinette und Saxophon im Rundfunkorchester in Budapest." Er leitete mehrere Musikvereine und brachte auch seinem Sohn sowie den vier Geschwistern das Musizieren bei.

Musiker bei der Bundeswehr

Trotzdem war Stephan Geiger der einzige, der Musik studierte: an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf. Dazu hatte er sich als Musiker bei der Bundeswehr verpflichtet. "Wenn du damals über die Bundeswehr studierst hast, bekamst du deine Besoldung, und die Bundeswehr finanzierte das Studium", erklärt er. "Dafür gab es keine Semesterferien."

Zunächst war er zwei Jahre im Heeresmusikkorps 5 in Koblenz, dann vier Jahre im Ausbildungsmusikcorps der Bundeswehr. Schließlich wurde er nach Gießen versetzt. Ein befreundeter Musiker vermittelte ihm damals eine Mietwohnung in Muschenheim: "Ein absoluter Glücksfall." Ihm und seiner Frau gefiel es im Dorf so gut, dass er auch seinen Traumjob ablehnte: Berufssoldat im Luftwaffenmusikcorps in Karlsruhe. "Das haben wir aber nie bereut", sagen beide. 1998 haben sie schließlich ein Haus gebaut.

Die Arbeit als Musiker für die Bundeswehr war abwechslungsreich. "Wir haben unter anderem für Königin Silvia und den japanischen Kaiser gespielt."

Im Fernsehen und auf der Couch

Stephan Geiger erinnert sich, wie er einmal morgens vor der Villa Hammerschmidt in der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn bei einem Staatsempfang spielte und abends dann mit seinem kleinen Sohn auf dem Sofa saß und sich selbst in der "Tagesschau" sah. Für das Kind war das unbegreiflich: "Wie kannst du auf der Couch sitzen und gleichzeitig im Fernsehen sein?" Zudem spielte er nebenbei in Bands, die Tony Marshall, Bill Ramsey und Graham Bonney begleiteten.

1992 wurde das Heeresmusikcorps in Gießen aufgelöst. Geiger absolvierte eine Ausbildung zum Bürokaufmann, arbeitete in Frankfurt, Eschborn und in Butzbach. In dieser Zeit spielte er bereits im Kurorchester in Bad Homburg. 2009 fiel dann die Entscheidung: Mit 46 Jahren wagte er den Schritt in die Selbständigkeit, konzentrierte sich auf die Arbeit als Musiker. Es war ein Schritt, den er ebenfalls nie bereut hat. Mit Ensembles reiste er nach Südafrika, Namibia und Bahrain, um dort Konzerte zu spielen. Seit sieben Jahren geht es jedes Jahr mit der Band "Blechsauga" im Oktober auf Spanientournee, nach Valencia, Zaragoza, Bilbao. "Wir treten dann vor 6000 bis 8000 Zuschauern auf." Dieses Jahr fiel die Konzertreise wegen Corona aus.

Auch als Dirigent bekannt

In der Region ist Geiger allerdings nicht nur als Saxophonist, sondern auch als Dirigent bekannt. 1990 leitete er zunächst den Musikverein Elbtal. Später übernahm er den Musikzug Holzheim, den Musikzug Bellersheim und leitete fast 15 Jahre die Bigband Steinbach.

Beim Musikzug Muschenheim engagiert er sich seit 1990. Zunächst in der Jugendarbeit, seit November 2014 leitet er das Orchester. "Ich bin mit der Entwicklung des Musikzugs sehr zufrieden." Gerade jetzt in Zeiten von Covid-19 habe sich gezeigt, wie gut die Gruppe zusammenhält, und wie groß die Motivation ist. Zudem sei es eine talentierte Gruppe: "Wenn wir jetzt ein Stück in der Probe wiederholen, das wir vor Jahren gespielt haben, sitzen sofort 70 Prozent. Wir könnten direkt ein kleines Konzert spielen."

Sowohl beim Musikzug als auch mit "Blechsauga" oder als Solo-Künstler unter dem Titel "Sax Emotions" sind Stephan Geiger 2020 reihenweise Auftritte ausgefallen. In der Zwangspause blieb er jedoch nicht untätig. Zum einen spielte er viele ehrenamtliche Auftritte, trat kostenlos unter anderem im Licher Krankenhaus, im Butzbacher Seniorenzentrum Evergreen oder der Diakonie in Laubach auf. Er erinnert sich, wie er für eine auf dem Balkon stehende Seniorin ein Ständchen spielte: "Sie hatte Tränen der Rührung in den Augen. Da spielst du gerne."

In den vergangenen Monaten hat er zudem an einer eigenen CD mit 14 Titeln gearbeitet. Sie trägt den Titel "Smile", kostet 15 Euro und ist bei Stephan Geiger erhältlich; Telefon 0 64 04/35 72 oder 01 78/29 71 988 sowie per E-Mail an sgeiger-lich@t-online.de.

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