Ausgrabungen an der nordwestlich von Muschenheim gelegenen "Arnesburg". FOTO: PM
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Ausgrabungen an der nordwestlich von Muschenheim gelegenen "Arnesburg". FOTO: PM

Auf den Spuren der "Arnesburg"

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Lich(pm). Nordwestlich von Muschenheim liegt im Tal der Wetter ein uralter Siedlungsplatz. Durch archäologische Grabungen in den Jahren 1993 und 2014 bis 2018 konnten vielfältige Einblicke in die bewegte Geschichte dieses Fleckens Erde gewonnen werden. Neueste Erkenntnisse der Ausgrabung dieses erstaunlichen Siedlungsortes wird am heutigen Donnerstag ein Vortrag von Michael Gottwald auf Einladung des Heimatkundlichen Arbeitskreises Lich vermitteln. Gottwald referiert um 19 Uhr im Stadtverordnetensitzungssaal des Licher Rathauses, Eingang Hüttengasse. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Fundstücke belegen, dass hier bereits seit der Altsteinzeit, später in der Jungsteinzeit, der Bronze- und Eisenzeit gesiedelt wurde. Vielfältige Spuren hat ein kleines Dorf hinterlassen, das in der Epoche der Kelten bestand. In der Zeit um Christi Geburt ließen sich germanische Siedler hier nieder. Auch von den Römern, die um 100 n. Chr. auf dem gegenüberliegenden Ufer der Wetter ein Kastell zum Schutz des Limes errichteten, fanden sich Zeugnisse. Nach ihrem Abzug lebte "Auf dem Weiher" erneut eine germanisch geprägte Bevölkerung.

Eine sehr dichte Besiedlung bestand im frühen und hohen Mittelalter zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert. Im untersuchten Teilgebiet konnten bereits 30 einräumige Grubenhäuser entdeckt werden, die etwas in den Boden eingetieft, vor allem für verschiedene handwerkliche Zwecke genutzt wurden. Bemerkenswert ist auch ein Steinbau des 11. oder 12. Jahrhunderts, denn in dieser Zeit wurden auf dem Land in der Regel reine Holz- bzw. Fachwerkbauten errichtet.

Enge Beziehung von Burg und Siedlung

Der mittelalterliche Ort erscheint in den Jahren 1151 und 1174 unter dem Namen "Arnesburg" in zeitgenössischen Schriftquellen. Er lag nur 250 Meter südlich der gleichnamigen Burg auf dem Plateau des "Hainfeldes". Diese Wehranlage war bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts ein Hauptsitz der Herren von Hagen und Arnsburg, die sich später nach der von ihnen um 1150 begonnenen Burg Münzenberg benannten. Der gleichlautende Name Arnsburg weist auf eine enge Beziehung von Burg und Siedlung hin. Die Fundzusammensetzung mit Reitzubehör und Waffen, Eisenverarbeitung in größerem Umfang sowie die Zahl der handwerklich genutzten Grubenhäuser machen eine Funktion der "Arnesburg" als Wirtschaftshof der benachbarten Burg sehr wahrscheinlich. Bemerkenswert ist der Fund von Reitersporen, die nicht zum alltäglichen Fundgut ländlicher Siedlungen gehören. Der Ort scheint also bereits in der Zeit der karolingischen und ottonischen Herrscher, also etwa vom 8. bis zum 10. Jahrhundert, eine nicht unwichtige Rolle gespielt zu haben. Möglicherweise gründeten die Besitzer eines Herrenhofs "Auf dem Weiher" später die Burg auf dem "Hainfeld". Womöglich übten diese "Herren" in herrschaftlichem Auftrag Verwaltungsfunktionen in der Region aus.

1174 schenkte Kuno I. von Münzenberg, ein enger Vertrauter von Kaiser Friedrich I. Barbarossa, "Arnesburg" Zisterziensermönchen aus der Abtei Eberbach im Rheingau, die in der Folge das in der Nähe gelegene Kloster Arnsburg errichteten. Im Zusammenhang mit diesem Besitzerwechsel mussten die Einwohner den Ort verlassen: Äcker und Wiesen traten seitdem an seine Stelle.

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