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Sommer-Musik-Welten in Lich mit dem Ensemble Sistanagila im Kulturzentrum Bezalel-Synagoge. (pm)

Sommer-Musik-Welten mit sehr viel Emotion

Lich – Fast voll besetzt war das Kulturzentrum Bezalel-Synagoge, als Koordinator Peter Damm am Samstag die Besucher im Rahmen des Festivals Sommer-Musik-Welten "zu einem ganz besonderen Konzert in einem besonderen Raum" willkommen hieß. Unter den Gästen weilten neun Teilnehmer einer Begegnungswoche, Kinder und Enkel jüdischer Überlebender des Holocaust.

Völkerverbindende Züge barg auch die von israelischen und iranischen Musikern gebildete Gruppe "Sistanagila": Sängerin Nitsan Bernstein, Pianist Ido Spak, Gitarrist Hemad Darabi, Flötistin Michal Tikotzki und Perkussionist Jawad Salkhordeh.

Intensive Atmosphäre zauberte gleich zu Beginn ein sephardisches Lied in den Saal. Erst sang Bernstein andächtig über farbigen Gitarrentremoli, dann traten die anderen Musiker hinzu. Bei einem vom Pianisten arrangierten iranischen Lied sang Salkhordeh ganz dezent, in sich versunken, und verbreitete in Begleitung des Ensembles melancholische Stimmung. Von den ersten Takten an orientalischen Zauber entwickelte auch das instrumentale "Herbst"-Stück.

Virtuos-leichte Flamenco-Gitarrenelemente mit ohrwurmhaften Rhythmen und schlichtem, auf unmittelbare Wirkung zielendem Gesang verband eine Komposition der iranischen Folkloregruppe "Dastan".

Schon die Besetzung des Ensembles mit orientalischen und westlichen Instrumenten kennzeichnete kulturübergreifenden Charakter; die hierzulande wenig bekannte Bechertrommel Tombak unterstützte vorzüglich Klavier, Gitarre und Querflöte. Besonders reizvoll ein iranisches Stück, das raffiniert andalusische Stilmomente in der Gitarre mit arabischen, in der Tonstärke fein differenzierten Trommelrhythmen verknüpfte; als Bindeglied fungierte hier das Klavier.

Aufbegehren im hohen Norden

Das Konzert bot nicht erst, wie angekündigt, zum Schluss eine Synthese traditioneller wie moderner Ausdrucksformen verschiedener Provenienz, sondern von Anfang an. Am meisten berührte das jüdische Lied "Friede sei mit euch" mit ruhiger Klaviereinleitung und harmonischem, erbaulich aufs Gemüt wirkendem Gesang. Eine beschauliche Untermalung lieferte die warme, schattierungsreiche Flötenmelodie. Für den begeisterten Applaus dankte die Gruppe mit zwei Zugaben.

Finnen können ja so charmant sein – vor allem, wenn sie musizieren: Am Freitag präsentierten die "Love Agents" im Rahmen des Festivals Sommer-Musik-Welten in der voll besetzten Kinokneipe "Statt Gießen" ihren ganz eigenwillige Musikstil, den "Reindeer-Beat". Der hörte sich höchst interessant an, zumal die vier Musiker (Lasse, der Finne, Bobby, Igor Molotov und Frank the Tank), die in Gießen leben, im Sound der 1960er Jahre Surfmusik und Humpakracher sowie echte finnische Schlager spielten und damit die Zuhörer faszinierten. Rock ’n’ Roll, Gesang auf Finnisch, Schwermut und nordische Lebensfreude wechselten dabei in einer interessanten Mischung ab. Sänger und Frontmann Lasse Löytynoja studierte in Helsinki Musik und lebt seit mittlerweile acht Jahren in Deutschland.

Passend zum Konzert hatte das Kino "Traumstern" zuvor den Kultfilm "Populärmusik aus Vittula" gezeigt. Der vor zehn Jahren verfilmte Roman des schwedischen Autors Mikael Niemi stimmte passgenau auf die Musik ein, handelt er doch von zwei Jugendfreunden, die in einem abgelegenen Ort in der Grenzregion zwischen Schweden und Finnland in den 1960ern rebellieren und eine Rock-’n’-Roll-Band gründen. S. Jouini/nab

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