ik_Roemerberg_171121_4c_2
+
Das Römerberg Quartett mit Michael Hahn, Andrea Seeger, Hildegard Singer und Ruth Sarrazin in der Marienstiftskirche.

So klingt die russische Seele

Lich (usw). »Die russische Seele« stand am Sonntag auf dem Programm der Marienstiftskirche. Es gastierte das Frankfurter Römerberg-Quartett mit Werken von Borodin und Tschaikowsky. Dazu las Thorsten Larbig Textstücke von Gorki, Tolstoi und Pasternak. Die Mischung erwies sich als sehr attraktiv und eingängig, auch wegen der hohen handwerklichen Qualität der Vorträge.

Larbig traf auf ein erwartungsvolles Publikum, als er mit einem ersten kurzen Text von Maxim Gorki aus »Meine Kindheit« begann. Die gute Übertragungsqualität brachte seine kultivierte Stimme bestens zur Geltung, während er Momente des Familienlebens aus kindlicher Sicht skizzierte

Walzer als Zugabe

So hieß es etwa beim Festmahl: »Alle aßen viel und seufzten schwer«, sagte er mit unbewegter Miene. Damit war ein Ablauf eröffnet, bei dem sich Textpassagen mit den Sätzen der musikalischen Werke abwechselten. Ehe man sich’s versah, freute man sich auf den jeweils nächsten Teil.

Los ging es mit Alexander Borodins Streichquartett Nr. 2 D-Dur in vier Sätzen. Die Gäste - Michael Hahn, Andrea Seeger (beide Violine), Hildegard Singer (Viola) und Ruth Sarrazin (Violoncello) - musizierten leicht und behände, doch auch verhalten. Vor allem aber mit inhaltlicher und emotionaler Geschlossenheit. Man spürte eine durchgehende Melancholie, aber mit tröstlichem Subtext. Sanfter Schwung im Notturno, absteigende Stimmung wie in der Dämmerung, sehr gut umgesetzt.

Eine Stärke des Ensembles kam hier deutlich zur Geltung, die zuweilen fast schmachtende Emotionalität. Das finale Andante vivace kam zunächst zurückgenommen, mit insgesamt fast bedrohlicher Tendenz, sehr expressiv.

Peter Ilyich Tschaikowskys Streichquartett op. 11 D-Dur wurde mit gleichermaßen wohlausgewogener Emotionalität hochdifferenziert realisiert. Ein Glanzlicht war der zweite Satz. Der geriet leichtfüßig und sensibel mit sehr schönen zarten Momenten. Insgesamt ein wohltuendes Konzerterlebnis voller Nuancen und in größter Transparenz realisiert. Das Finale wurde exzellent vorbereitet und top ausgeführt: erstklassig.

Das Quartett überzeugte als sicher musizierendes Ensemble, das emotional einleuchtend und verbindlich musizierte. Der Applaus in der sehr gut besuchten Kirche fiel stark und wertschätzend aus. Zugabe war ein »kleiner Walzer« von Hahns Tochter Rebecca.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare