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So bereitet sich Lich auf künftige heiße Sommer vor

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Von: Ursula Sommerlad

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Bei Trinkwasserknappheit kann die Gartenbewässerung notfalls verboten werden. Lich legt für ein solches Szenario jetzt die rechtlichen Grundlagen. © DPA Deutsche Presseagentur

Eine neue Gefahrenabwehrverordnung soll der Stadt Lich eine Handhabe geben, den Trinkwasserverbrauch im Notfall einschränken zu können. Was heißt das für den Bürger?

Der Beginn der Sommerferien in Mittelhessen war heiß. Seit vier Wochen hatte es nicht mehr nennenswert geregnet. Dafür knackte das Thermometer in schöner Regelmäßigkeit die 30-Grad-Marke. Am 19. Juli funkte die Gemeinde Fernwald SOS. Der Wasserverbrauch in der Kommune erreiche Höchstwerte; die Versorgung mit Trinkwasser sei aktuell sehr stark gefährdet, teilte die Gemeinde auf ihrer Homepage mit. Alle Einwohner wurden aufgerufen, den Verbrauch sofort massiv zu reduzieren. Gärten sollten nicht mehr bewässert, Pools und Teiche nicht mehr nachgefüllt, Autos nicht mehr gewaschen werden.

Fernwald war in diesem heißen Sommer 2022 die einzige Kommune, in der die Wasserampel auf Rot schaltete. Aber die anderen Städte und Gemeinden sind gewarnt. In Lich haben die Gremien in den vergangenen Wochen die rechtlichen Grundlagen geschaffen, um den Verbrauch bei Wasserknappheit einschränken zu können. »Erstmalige Verabschiedung einer Gefahrenabwehrverordnung über die Einschränkung des Trinkwasserverbrauchs bei Notständen in der Wasserversorgung« heißt dieser Schritt in schönstem Bürokraten-Sprech. »Wir bereiten uns auf künftige Wasserknappheitsszenarien vor«, begründet Bürgermeister Dr. Julien Neubert diesen Schritt. Gleichzeitig wolle man aber auch das Bewusstsein für einen sparsamen Umgang mit diesem sogenannten Lebensmittel Nr. 1 schärfen.

Einen erheblichen Teil ihres Trinkwassers bezieht die Stadt Lich von der OVAG. Der Versorger hat 2021 die »Wasserampel« initiiert, um seine Kunden, also die Städte und Gemeinden, rechtzeitig über die zu erwartenden Liefermengen zu informieren.

»Die Ampel steht seit ihrer Einführung konstant auf Gelb«, berichtet der Licher Bürgermeister. Gelb bedeutet, dass Grundwasser in mäßigen Mengen zur Verfügung steht. Grün steht für eine gute Versorgung, Rot signalisiert: Die Lage ist kritisch.

Die neue Gefahrenabwehrverordnung bietet eine klare Definition für den Notstand. Er liegt vor, »wenn das bereitgestellte Wasser zur Versorgung des Stadtgebiets oder eines Teilgebiets nicht ausreicht«. In diesem Fall müssen sich die Bürger auf eine Reihe von Einschränkungen einstellen. Sie dürfen Rasen und Gärten nicht mehr bewässern, sie dürfen weder Springbrunnen, noch den Pool, noch den Gartenteich nachfüllen. Sie dürfen ihr Auto nicht mehr waschen, den Hof oder die Terrasse nicht abspritzen und auch keine Wasserreserven anlegen. Und sie müssen sämtliche Schläuche von den Wasserhähnen entfernen, damit kein Schmutz in die Leitung gelangen kann. All diese Verbote gelten unter der Voraussetzung, dass das Wasser dafür aus dem öffentlichen Netz genommen wird. Eine Reihe von Ausnahmen gibt es allerdings auch: Wenn zum Beispiel im Garten bleibende Schäden drohen, dürfen die Besitzer zur Gießkanne oder zum Schlauch greifen. Aber nicht tagsüber und auch höchstens zweimal pro Woche. Sonderregelungen gelten im Einzelfall außerdem für Unternehmen oder auch im Krankenhaus.

Laut Neubert ist die OVAG für Lich ein wichtiger Wasserversorger. Aber nicht der einzige. Die Stadt unterhalte selbst Brunnen und Hochbehälter. »Im zurückliegenden Sommer war die Trinkwasserversorgung jederzeit gesichert«, stellt Neubert rückblickend fest. Doch selbst wenn man den Klimawandel und die wachsende Zahl heißer und trockener Sommer außer Acht lässt, muss die Stadt aktiv werden. Lich ist gewachsen. Mehr Einwohner brauchen auch mehr Wasser. Eine Erhöhung der Förderkapazitäten in den Brunnen steht auf der Agenda. Und auch die Kapazitäten der Hochbehälter ist in den Fokus gerückt, wie Neubert sagt. »Die Versorgung mit Trinkwasser und auch mit Löschwasser muss sichergestellt werden.«

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