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Dorftreffpunkt und Wahrzeichen: der Eichbaum in Ober-Bessingen.

Wo sich das Dorf trifft

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Lich (ti). Der Eichbaum in Ober-Bessingen: So lautete die richtige Antwort auf unsere siebte Schatzsuche-Frage. Seit 106 Jahren steht dieser Baum hoch oben im Dorf. Dort, wo vier Straßen aus sechs Richtungen zusammentreffen. Die evangelische Kirche, bei Touristen sehr beliebt, ist quasi nur einen Eichelwurf entfernt, kaum weiter der Hässels, der Hausberg der Ober-Bessinger.

Gepflanzt wurde die Friedenseiche am Sedanstag 1913 zum 100-jährigen Gedenken an die Völkerschlacht bei Leipzig. Ein Schild am mächtigen Stamm des Baumes, der an seinem Fuß einen Umfang von 3,40 Metern misst, weist darauf hin.

Naturdenkmal mit Facebook-Seite

So manche Friedenseiche wurde hierzulande gepflanzt, allerdings wohl kaum eine so gefeiert, wie die in Ober-Bessingen. Alles begann 1988, als Karin und Karl-Heinz Römer gerade aus ihrem Garten kamen und am Eichbaum auf den mittlerweile verstorbenen Ernst Jox trafen. "Wusstet ihr, dass die Eiche dieses Jahr 75. Geburtstag hat", fragte er sie. Nein, das hatten die beiden bis dahin nicht gewusst. Schnell machte die Nachricht unter den Ober-Bessingern die Runde. Schnell war ein entsprechendes Fest vorbereitet. Fortan wurde alljährlich am letzten Samstag im August Geburtstag gefeiert. 30 Jahre lang.

Und auch wenn das Eichbaumfest mittlerweile für das Pfortefest Platz gemacht hat (Ortsvorsteherin Karin Römer: "Sonst werden es zu viele Feste"), engagieren sich Wolfgang Hanebutt, Ulrike Göttsche, Albrecht Jox, Rita Schweizer, Andrea und Dieter Geisler, Nadine und Hansi Wagner, Peggy und Sven Römer, Alexandra und Klaus-Dieter Roth, Marion und Bernhard Gerullis, Elke und Carl-Albert Götz, Karin und Karl-Heinz Römer sowie die Familien Marion und Michael Nachtigall, Ina und Ottmar Römer, Ellen und Gerhard Schäfer noch im Dorf.

Damit der Besonderheiten rund um Ober-Bessingens wichtigsten Baum nicht genug: Seit einigen Jahren hat das gewaltige Gewächs sogar seine eigene Facebook-Seite. Hier werden Neuigkeiten und Fotos gepostet, "geliket", kommentiert und geteilt. Mittendrin der Eichbaum selbst, der beispielsweise am 9. November 2018 schrieb, dass vor 100 Jahren der letzte deutsche Kaiser abdankte, an dem nicht alles schlecht gewesen sei. Zitat: "Hinsichtlich seiner zahlreichen Uniformen und Kostüme zum Beispiel wäre er bei jedem Bessinger Fasching noch heute der King." Hashtag: Weisheiten aus dem Hässels.

Am Eichbaum übrigens steht eine Sitzgruppe, die zum Verweilen einlädt. Fast täglich wird davon in wechselnder Besetzung Gebrauch gemacht. Zumindest im Sommer. Das Naturdenkmal ist Dorftreffpunkt und neben Pforte und Kirche irgendwie auch Wahrzeichen Ober-Bessingens.

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