Genreübergreifendes Projekt: Mit Festtagsmusik der besonderen Art überraschen Peter Herrmann (l.) und Helmut Fischer.
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Genreübergreifendes Projekt: Mit Festtagsmusik der besonderen Art überraschen Peter Herrmann (l.) und Helmut Fischer.

Schuberts Winterreise und deutscher Rap

  • Nastasja Akchour-Becker
    vonNastasja Akchour-Becker
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Lich/Lollar(nab). Ein 200 Jahre altes Stück aus Schuberts Winterreise und moderner deutscher Sprechgesang auf einem Album? Was erst mal weit auseinanderliegt, haben die Musiker Helmut Fischer und Peter Herrmann ganz nah zusammengebracht. Herausgekommen ist die Platte "So oder so". In Kürze und noch pünktlich vor Weihnachten wird die Vinyl-Scheibe erhältlich sein.

Schon seit Jahren hat Fischer (Lich) mit dem Gedanken gespielt, eine Schallplatte aufzunehmen. In Herrmann (Lollar) hat er nun einen Mitstreiter gefunden. Die beiden Musiker sind in der Region ein Begriff. Vor Kurzem haben sie gemeinsame Projekte gemacht wie das Multimedia-Pop-Musical "Samos Welt". Und bei den Licher Kulturtagen im März brachten sie mit dem Band-Projekt Fillmore Brothers den unverkennbaren Sound der Allman Brothers Band auf die Bühne des Kinos Traumstern.

Diesmal ist der Sound aber ein anderer. Es gibt auf dem Album zwei Gesangstücke, die auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein könnten: "Die Krähe" aus Franz Schuberts Winterreise, ganz wunderbar von der Sängerin Cynthia Nickschas mit ihrer rauchigen Stimme ins 21. Jahrhundert transformiert, und den Song "Meine Stadt", dem Rapper Viktor Hummel mit seinen Texten Feinschliff gab.

Ansonsten finden sich sechs weitere Titel auf dem Album, die Helmut Fischer und Peter Herrmann mit Tasten und Bass eingespielt haben, die aber durchaus auch interessante Landschafts- und Naturatmosphäre bereithalten.

"Von heiter bis wolkig", beschreibt Fischer die Stimmung des Albums. "Die Idee war, ein halb volles und ein halb leeres Glas zu zeigen", erläutert der Musiker mit Anlehnung an den Albumtitel "So oder so". Man kann eine Situation so sehen oder auch so", sagt Fischer, der Herrmann und sich selbst eher als Lebensoptimisten bezeichnet.

Bis die Lieder letztlich auf Platte gepresst waren, war es ein langer Weg, berichtet Fischer. Finanziell half eine Förderung durch die Hessische Kulturstiftung, denn es ist nicht ganz günstig, eine Vinyl-Scheibe herstellen zu lassen. "Außerdem haben wir darauf geachtet, dass sie umweltfreundlich hergestellt wird", erläutert Fischer. Die österreichische Firma Presswerk arbeitet beispielsweise ausschließlich mit Wasserkraft und verwendet recycelbares Zellophan. "Es ist einfach etwas anderes, eine Schallplatte aufzulegen", sagt Fischer.

Jetzt sind die Musiker froh, das Ergebnis bald in den Händen zu halten. Das Presswerk will bis zum 20. Dezember alle Exemplare ausliefern. Pünktlich zu Weihnachten könnte dann "So oder so" unter dem Tannenbaum liegen. "Die Idee ist ja auch, sich Zeit zu nehmen und sich auf die Musik einzulassen", sagt Bassist Herrmann. "Wir schenken den Leute zu Weihnachten die Möglichkeit, sich hinzusetzen und etwas anderes zu erleben."

Das geht mit einem gemütlichen Sessel, dem Plattenspieler und dem Album sicherlich ganz hervorragend.

Erhältlich ist das Album ab dem 21. Dezember, es kostet 30 Euro. Das Album gibt es ausschließlich als Schallplatte und nicht als CD oder MP3-Download. Vorbestellten kann man es im Internet unter www.plattenladen-giessen.de oder per E-Mail (plattenladen-giessen@web.de). So kann man sich auch darüber verständigen, wie die Platte in Lollar abgeholt werden kann. Die Auflage sieht 200 Alben vor. Der 100. Besteller bekommt von den beiden Musikern ein kleines Privatkonzert, das zu einem späteren Zeitpunkt stattfindet. FOTO: PM

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