Vielversprechend: Clara (r.). und Marie Becker beim vierhändigen Klavierspiel. FOTO: JOU
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Vielversprechend: Clara (r.). und Marie Becker beim vierhändigen Klavierspiel. FOTO: JOU

Schubert wäre begeistert gewesen

  • vonSascha Jouini
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Lich(jou). Im Juni 1828, fünf Monate vor seinem Tod, komponierte Franz Schubert sein Rondo A-Dur für Klavier zu vier Händen. Die ausdrucksvolle, klanglich warme und fein dosiert brillante Interpretation von Clara und Marie Becker am Samstag im Rahmen der Kulturtage hätte Schubert gewiss begeistert. Bei dem Konzert im voll besetzten Kulturzentrum Bezalel-Synagoge zeigte sich, dass die in Muschenheim aufgewachsenen Zwillingstöchter des Marienstiftskantors in Lich einen großen Anhängerkreis haben.

Zwei Schwestern mit feinem klanglichen Gespür

Die vielversprechenden 22-jährigen Musikerinnen vervollkommnen derzeit ihre Fertigkeiten in Hamburg, Paris und Florenz. Durchweg gefiel ihre ausgefeilte Gestaltung. So wählten sie im Rondo ein moderates, nicht zu schnelles Tempo, achteten auf feine tonstärkemäßige Abstufung sowie auf elegante Übergänge. Im Gedächtnis haften blieb vor allem die perfekte Koordination des Duos, die zum harmonischen Gesamtbild beitrug.

Auch bei Schuberts As-Dur-Variationen hinterließen die Künstlerinnen einen starken Eindruck, derart feinnervig zauberten sie auf dem Flügel Nuancen und unterstrichen beherzt musikalische Kontraste. Weit schweiften die Gedanken bei der innig-ruhigen Variation aus, um dann in einem gehörig Optimismus verbreitenden Schlussteil zu münden.

Mühelos geriet der Wechsel zum impressionistischen Stil bei Claude Debussys "Six Epigraphes Antiques". Das musikalische Material der Stücke geht zurück auf eine um 1900 entstandene Bühnenkomposition. Bei der Suite stach wieder das feine klangliche Gespür des Duos hervor; ganz klar schichtete es das Gefüge. Die Hörer lauschten gebannt der mysteriösen, zum Meditieren einladenden Sphäre.

Das moderne Stück "Night" op. 68 des türkischen Pianisten und Komponisten Fazil Say schlug zum Schluss den Bogen zwischen Jazz und Kunstmusik und rundete den Abend ab. Gewichtige Akkordballungen entwickelten ungeheure Intensität.

Hinzu traten erweiterte Spieltechniken wie das Zupfen der Saiten. Clara und Marie Becker spielten das Stück rhythmisch zugespitzt, mit äußerster Vehemenz. Souverän demonstrierten sie, dass ihnen Musik unterschiedlichster Strömungen gleichermaßen liegt - dies prägte sich nachhaltig ein.

Für den begeisterten Applaus dankten die Pianistinnen mit zwei Zugaben.

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