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Gäste und Verantwortliche vor der frisch sanierten Pforte.

Historisches Gebäude saniert

Sanierung für 800 000 Euro: Wie die Ober-Bessinger ihre Pforte gerettet haben

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Der Putz bröckelte, der Zerfall drohte: Doch die Bürger in Ober-Bessingen haben mit großem Engagement für den Erhalt ihrer Pforte gekämpft. Nun haben sie den Abschluss der Sanierung gefeiert.

Über Jahre hinweg hatten die Ober-Bessinger für den Erhalt der Pforte gekämpft. Denn der Putz bröckelte, Balken waren marode, der endgültige Zerfall drohte. Der Pforteverein wurde ins Leben gerufen, um den Wunsch nach einer Sanierung zu untermauern und zudem Engagement in die Waagschale werfen zu können. Mit mehreren hundert Gästen wurde nun der Abschluss der Arbeiten gefeiert.

Zwei bereits verstorbene Personen hatten einen entscheidenden Anteil, dass die Pforte nun saniert werden konnte: Martin Luther und Franz Gerd Richarz. Luther war einst auf seinem Weg von Eisenach nach Worms durch Ober-Bessingen gewandert. Oder wie die Karnevalssänger Kall und Erwin zur Einweihung verkündeten: "Er war in Bessingen hier bei de Porte". Bernd Rausch vom "Lutherweg 1521" war begeistert: "Ein Haus, unter dem der Lutherweg durchführt - einmalig."

Dieser Besuch Luthers spielte den Ober-Bessingern in die Karten - bot sich doch nun eine Pilgerherberge an. Richarz, bis zu seinem Tod erster Stadtrat von Lich, hatte herausgefunden, dass man nicht nur wesentlich mehr Fördergelder erhalten kann, wenn aus der Pforte ein lebendiges Haus wird. "Er kam mit der Idee, dass wir die Pforte bespielen würden", erinnerte sich Bürgermeister Bernd Klein. Und fügte in Erinnerung an den Ideengeber Richarz hinzu: "Er fehlt in dieser Stadt."

So war der Vorschlag, die Pforte doch dem Hessenpark anzubieten, schnell vom Tisch, berichtete Ortsvorsteherin Karin Römer. "Ober-Bessingen ohne Pforte? Undenkbar!" Mit einer Pilgerherberge und Raum für ein kleines Museum waren Nutzungsmöglichkeiten gefunden. Nun mussten noch die Finanzen geklärt werden: 400000 Euro kostete die Grundsanierung, 400000 Euro mussten noch einmal für das Innenleben aufgewendet werden.

Architektin Stefanie Muskau listete in ihrem Grußwort zahlreiche Schäden auf, von abgefallenem Putz über morsche Balken bis zu statischen Problemen durch den Dachreiter, die bereits seit dessen Einbau vor Jahrhunderten bestehen. "Eichenbalken waren komplett gebrochen", der Boden im zweiten Obergeschoss deshalb so wellig, berichtete die Architektin. Diese Mängel habe man nun alle behoben. Und sogar noch etwas Besonderes einbauen können: eine echte Uhr. "Vorher war die nur aufgemalt."

Wie fest die Pforte zu Ober-Bessingen dazugehört, bewiesen die Ortsvereine, die dem Pforteverein zu seiner Gründung Starthilfe gaben, mit Rat und Tat unterstützten. Dieter Jox von der Jagdgenossenschaft erklärte: "Wir können stolz darauf sein, das wir eines der wenigen erhalten Torhäuser in unserem Bundesland haben." André Hahn erinnerte daran, dass die Pforte bis 1957 auch Feuerwehrhaus war. Und Silvia Römer berichtete, dass die Pforte und der Sportverein Fortuna eine Gemeinsamkeit hätten: ein Tor. Die Eintracht Ober-Bessingen, unterstützt von der Concordia Langsdorf, gratulierte musikalisch. Für Musik sorgte zudem Gerd Albohn und der Kinderchor sang: "Der Herbst ist da."

Neben Zuschüssen von Landesdenkmalamt (80 000 Euro) kamen auch 200 000 Euro von der EU. "Wozu kann man dieses Europa gebrauchen? Europa kümmert sich auch um den ländlichen Raum", erklärte Staatminister Helge Braun. Bereits seit Jahren habe er den Leerstand des Gebäudes bedauert. Das Konzept Rot-Kreuz-Museum und Herberge überzeuge. "Museen und Tourismus sind für unseren ländlichen Raum wahnsinnig wichtig."

Patrick Müller vom Pforteverein ist noch immer von der Unterstützung aus dem Dorf und von außerhalb begeistert: "Ich mach es einfach: Ich sage Danke an die Vereinsmitglieder, die Unterstützer und die Handwerker." Der Haussegen von Pfarrerin Anne Möller fasste das, was in Ober-Bessingen in den letzten Jahren geschah, passend zusammen: "Durch Weisheit wird ein Haus gebaut und durch Verstand erhalten."

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