Die Berlinerin Dotschy Reinhardt eröffnet mit ihrer Band im Kino Traumstern die 18. Auflage der Licher Kulturtage. FOTO: USW
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Die Berlinerin Dotschy Reinhardt eröffnet mit ihrer Band im Kino Traumstern die 18. Auflage der Licher Kulturtage. FOTO: USW

Mit sanftem Groove

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Lich(usw). Die 18. Licher Kulturtage wurden am Donnerstagabend im Kino Traumstern eröffnet. Die Berliner Jazzsängerin und Komponistin Dotschy Reinhardt versetzte das Publikum mit ihrem ausgezeichneten Quartett flugs in allerbeste Stimmung. In dieser Qualität könnte es mit den folgenden Kulturveranstaltungen sehr gut weitergehen: ein schöner Abend.

Kulturkoordinator Peter Damm begrüßte die Gäste namens der Veranstalter. Nachdem F. W. Bernstein 2005 zur Eröffnung der Kulturtage das Gedicht "Es werde Lich" mitbrachte, habe man zunächst auf eigene Wortspiele verzichtet, sagte Damm. "Aber jetzt sind wir doch noch mal schwach geworden." Also lautet das Motto der diesjährigen Kulturtage nach einem Gedichtband des Lichers Fritz Kremser "Lich und Schatten".

Ein Schatten über dem ganzen Land sei in der Tat die Ausbreitung des Coronavirus, sagte Damm, "wir hoffen, dass alle Veranstaltungen stattfinden können". Einige seien bereits ausverkauft. Dotschy Reinhardt hat übrigens vor zehn Jahren die damals 8. Kulturtage eröffnet, schloss er. Bürgermeister Julien Neubert sprach ein aufmunterndes Grußwort.

Heiterer Abschluss

Dotschy Reinhardt präsentierte ihr Programm "Chaplin’s secret", in dem neben Standards und eigenen Stücken auch einige Titel des Komikers enthalten waren. Ihre ausgezeichnete Band eröffnete mit zwei Instrumentaltiteln und machte sofort eine gute Figur. Sie musizierte klanglich völlig ausgewogen, wozu noch hörenswerte Soli der beiden Gitarristen kamen. Bass und Schlagzeug hielten das Geschehen ebenso zuverlässig wie elegant zusammen.

Erster Höhepunkt war die Popballade "Fly away", in der Reinhardt nach anfänglich versierter Routine zu einer sanften, etwas melancholischen Interpretation fand, nur von einer Gitarre begleitet.

"Brasasia" wurde etwas flotter mit einem Sambaswing musiziert und durch substanzielle Gitarrensoli aufgewertet, ein Markenzeichen der Band, die so allfällige Nachteile traditioneller Jazzmusik vermied. Das war bei den Gypsytiteln handwerklich nicht so einfach, wurde jedoch ausnahmslos gut absolviert.

"Da Vinci’s eyes" erklang mit sanftem Groove, schön und verträumt. Aus einem ChaplinFilm stammte "Swing little girl", eine Komposition des Regisseurs. Einen Bezug zu seinen Wurzeln stellte die Nummer "Chaplin’s secret" her. Reinhardt erläuterte, dass Chaplin tatsächlich auf einem Wagenplatz der Roma das Licht der Welt erblickt habe und nicht in seinem offiziellen Geburtshaus.

Bei diesem Titel zeigte sich wieder ihre kundige Hand bei der Auswahl von Songs, die sämtlich lückenlos in ihr persönliches musikalisches Profil passten. Einmal mehr verdeutlichte sich hier auch der insgesamt warme, angenehme Glanz des Sounds, den diese Band ein ums andere Mal ablieferte. Mit mehreren Titel in Romanes, der Sprache der Sinti, erwies Reinhardt der Sprache und ihrer Herkunft Reverenz. Diese gesprochene Sprache sei vom Aussterben bedroht.

Mit einem flotten Gypsy-Schieber eröffnete sie dann eine kleine Abteilung mit Stücken ihres Verwandten Django Reinhardt.

Zum heiteren Abschluss spielte man einen Song auf Romanes. "Mehumatu" heißt: ich bin betrunken, du bist betrunken, und alles andere ist egal", sagte Reinhardt, und schritt zur lockeren Wiedergabe des Titels, der auf besonders leichte Art und Weise realisiert wurde.

Ein niveauvolles Konzert, das vom Publikum mit heftigem Schlussapplaus bedacht wurde, bis eine zweite Zugabe gespielt wurde.

Im Anschluss wurde ein Film von Charly Chaplin gezeigt. Der Regisseur hatte die Musik dafür eigens geschrieben.

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