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Rund um die Klosterruine gibt es nicht nur Klangminiaturen zu hören, sondern auch Leuchteffekte zu sehen.

Sanfte Reise durch die Musik

  • VonRedaktion
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Lich (usw). So hatte man Beethovens »Pastorale« noch nie gehört, und das Sounderlebnis in der Klosterruine war auch einzigartig. Der Klangkünstler Werner Cee stellte am Freitag seine Installation »Desymphonic« vor. Darin ließ er aus diversen Quellen Beethovens 6. Sinfonie ertönen und schuf so ein intensives Gesamterlebnis aus Hören, Sehen und nicht zuletzt Fühlen.

Das Resultat ließ niemand unberührt, und Besucher waren in bester Stimmung.

»Es ist schön, dass Sie gekommen sind,« freute sich Landrätin Anita Schneider in ihrer Begrüßung und betonte, »das verdanken wir dem 29. Hessischen Kultursommer«. Die Landrätin, die sich für das Zustandekommen engagiert hatte, war wie alle Anwesenden neugierig, was ihr zu Ohren kommen würde.

Es war im Grunde eine Vorstellung in der leeren Klosterruine, einem vertrauten Ort, an dem sonst auf der Bühne Konzerte stattfinden. Am Freitag saß dort niemand, und gegen 19 Uhr, zum offiziellen Beginn, begann auch kein normales Konzert. Vielmehr strömten Elemente der Symphonie in und durch die Klosterruine, der große Hall des Bauwerks gesellte sich hinzu, und der Klang reichte bis zum angrenzenden Friedhof und in die nähere Umgebung.

»Ich hatte überlegt, was ich für die Installation nehme«, sagte Cee, »ich wollte aus der Pastorale etwas Leichtes machen - eine Landpartie. Die Klänge sind so ähnlich wie die Ruine hier: Man weiß noch, was es ist, aber es ist nicht mehr vollständig.«

So lauschten die Besucher sorgfältig ausgewählten Teilen der Symphonie und Zusatzelementen, die zusammen eine Stunde laufen. »Es gibt Vogelstimmen, die wurden eigens notiert, und ein Gewitter ist auch drin,« sagte Cee.

Der hessische Tonkünstler Werner Cee, Jahrgang 1953, lebt im Lumdatal. Für das bereits im Beethovenjahr gestartete Projekt wurden in Zusammenarbeit mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin mit den Dirigenten Vladimir Jurowski und Ralf Sochaczewsky Aufnahmen von Teilen der Sinfonie Nr. 6 in F (»Pastorale«) von Ludwig van Beethoven hergestellt.

Dabei geht es nicht allein um den großen Gesamtklang. Es wurden Motive und Stimmen aus der Gesamtkomposition hervorgehoben, und in neue Zusammenhänge gesetzt. Hinzu kommen Aufnahmen an den Grenzbereichen des menschlichen Hörspektrums, bis hin zum Körperschall ausgewählter Instrumente. Das ist die Grundlage der Inszenierung. Cee: »Die vielkanalige Inszenierung lässt an ausgewählten Positionen eine Vielzahl von Klangminiaturen erklingen.«

Ein leichter Regen schuf seine eigene Einführung des Abends. Dennoch wanderten die beschirmten Besucher fast andächtig lauschend herum. Die blauen und weißen Leuchtakzente setzten Schwerpunkte, und gaben Gelegenheit, Details zu hören: Das war doch gar nicht Teil der Symphonie?

So öffnete sich das Geschehen dem Besucher und ließ das Hören und das Betrachten der Umgebung mit dem eigenen Empfinden ineinanderfließen, eine ganz neue, wohltuende Erfahrung. Ein Ende des Programms war nicht zu bemerken, vielmehr zeigten sich im Dunklen lauter neue Details, die entdeckt werden wollten: Eine fantastische sanfte Reise durch die Musik, die Szenerie und sich selbst.

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